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Hetze gegen englische Fußballer: Twitter schließt Untersuchung zu rassistischen Tweets ab

  • Hätte eine Identitätsüberprüfung rassistische Kommentare gegen die englischen Nationalspieler Bukayo Saka, Marcus Rashford und Jadon Sancho verhindert?
  • Dieser Frage ist Twitter nachgegangen.
  • Das Ergebnis nach Angaben des Unternehmens: Nein, hätte sie nicht.
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Rassismus und Hetze im Netz sind schon lange ein Problem. Doch nach dem Endspiel der Fußball-Europameisterschaft am 11. Juli erlangte das Thema besondere Aufmerksamkeit: Die englischen Nationalspieler Bukayo Saka, Marcus Rashford und Jadon Sancho waren nach dem verlorenen Finale gegen Italien aufs Übelste beschimpft und beleidigt worden, oft in Zusammenhang mit ihrer Hautfarbe. Hätten derartige verbale Übergriffe verhindert werden können? Und wie kann man das Netz künftig sicherer machen? Diese Fragen hat der Kurznachrichtendienst Twitter eigenen Angaben zufolge in den vergangenen Wochen analysiert. Nun liefert er erste Antworten.

Bei der Untersuchung drehte es sich vor allem um die von vielen Politikerinnen und Politikern geforderte Klarnamenpflicht – mit überraschendem Ergebnis: Eine Identitätsüberprüfung der Nutzerinnen und Nutzer, gab Twitter nun bekannt, hätte rassistische Aufrufe zu Hass und Hetze während der EM „wahrscheinlich nicht verhindert”: Bei 99 Prozent der dauerhaft gesperrten Accounts hätten die Inhaberinnen und Inhaber identifiziert werden können, weil sie unter ihren Klarnamen posteten.

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90 Prozent der Hass-Tweets wurden proaktiv entdeckt

Im Vorfeld der EM seien, Twitter zufolge, spezielle Pläne entwickelt worden, „um rassistische und missbräuchliche Tweets, die sich gegen das englische Team” oder die gesamte Meisterschaft richteten, „schnell zu identifizieren und zu entfernen”. Nach den „entsetzlichen Beschimpfungen” gegen die englischen Nationalspieler hätten die automatisierten Werkzeuge „sofort gegriffen”: 1622 Tweets seien in den ersten 24 Stunden „identifiziert und entfernt” worden. Über 90 Prozent davon seien „proaktiv entdeckt” worden. „In den darauffolgenden Tagen haben wir weiterhin verletzende Inhalte entfernt, sobald sie auf der Plattform veröffentlicht wurden. Bis zum 14. Juli wurden 1961 Tweets proaktiv nach dem Finale entfernt, insgesamt 126 aufgrund von Meldungen.” Die meisten davon seien aus Großbritannien gekommen.

Man arbeite daran, die Sichtbarkeit rassistischer oder beleidigender Inhalte weiter einzuschränken: Tatsächlich seien nur zwei Prozent der nach dem Finale gelöschten Tweets auf mehr als 1000 Aufrufe gekommen. Deutlich mehr Menschen in Großbritannien hätten in den Tagen nach dem Finale „ihre Unterstützung für die englische Mannschaft zum Ausdruck” gebracht.

Erst im Mai hatte Twitter die Verifizierung von Konten im Kampf gegen Hass und Hetze wieder aufgenommen. Zuvor war das Mittel als untauglich kritisiert worden, da im November 2017 der Organisator einer rassistischen Demonstration einen überprüften Account hatte. Twitter verleiht den blauen Haken grundsätzlich, um zu zeigen, dass „ein Account von öffentlichem Interesse authentisch ist”. Interessenten wie Behörden, Unternehmen oder auch Prominente und Journalistinnen und Journalisten können ihn unter Vorlage eines amtlichen Ausweises, einer offiziellen E-Mail-Adresse oder eines Links zu einer Webseite der eigenen Organisation beantragen.

RND/Teleschau

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