Herd, Herz und Intrigen: Netflix-Historienserie „Die Köchin von Castamar“

  • Zwei trauernde Menschen aus weit entfernten Schichten kommen sich im Spanien des frühen 18. Jahrhunderts näher.
  • Die üppig ausgestattete Historienserie „Die Köchin von Castamar“ (streambar bei Netflix) basiert auf den Bestsellern von Fernando J. Munez.
  • Sie ist trotz der erosgesteuerter Adelsmänner ein Fest für Romantiker.
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Zwei gebrochene Herzen: Herzog Diego von Castamar (Roberto Enríquez) ist trostlos im Wein versunken – er hat bei einem Ausritt seine geliebte Frau verloren. Gerade, als sie ihm beim gemeinsamen Blick über die weiten Besitzungen eröffnet hatte, er werde schon bald Vater werden. Und er sie daraufhin väterlich ermahnt hatte (er ist nicht mehr der Jüngste), bis zur Geburt doch bitte nicht mehr im Sattel zu sitzen. Das Schicksal warf sie schon in der nächsten Minute vom sich aufbäumenden Gaul. Ziemlich gehässig.

Nicht einmal der Ruf des Königs, er möge ihm am Hof zu Diensten sein, holt den Herzog aus seiner Trauer heraus. Schmerz über einen Verlust verspürt auch dessen neue Küchenhilfe Clarita Belmonte (Michelle Jenner). Sie leidet an Agoraphobie, nachdem ihr Vater im Spanischen Erbfolgekrieg öffentlich hingerichtet wurde. Wie die beiden ungleichen Leute zueinanderfinden, erzählt die Historienserie nach Fernando J. Munez‘ Romanreihe „Die Köchin von Castamar“, die seit einigen Tagen bei Netflix zu sehen ist.

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Glück für Clara: Die stellvertretende Köchin kann nicht kochen

Die berufliche Aufstiegschance für Clara kommt, als die Köchin des Herzogs von der Haushälterin, der „Herrscherin“ übers Personal, wegen unzüchtigen Verhaltens in den Stallungen auf die Straße gesetzt wird. Ein großes Fest, bei dem der Hochadel aufschlägt, kann nicht mehr ohne Gesichtsverlust abgesagt werden. Problem: Die Stellvertreterin der geschassten Herrin der Töpfe kann ein Ei nicht von einer Artischocke unterscheiden.

So steht Clara ihr zur Seite und macht den Hof des Herzogs an dem Abend zu einem kulinarischen Olymp. Wie der Hausherr und die Bedienstete über die Rezepturen kommunizieren, ist ein Fest für Romantiker. Dass gegen beide Protagonisten Ränke geschmiedet werden, versteht sich von selbst. Herd und Herz allein würden nicht mal für eine Seifenoper reichen.

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Diesem Genre ist das kostbar ausgestattete Historienstück von Regisseur Norberto López Amado zuweilen ziemlich nahe, zumindest wenn man die Stangendialoge der Herrschaften und Damen des frühen 18. Jahrhunderts heranzieht. Der Überschwang an Sinnlichkeit zielt zudem deutlich auf ein dem Eros zugeneigten Publikum. Die hohen Herrschaften, gelangweilt von einem anstrengungslosen Dasein, zieht es mit Vorliebe Richtung der weiblichen Niederlande.

Dabei kommen die diversen Galane unterschiedlich weit. Die rüden königlichen Avancen etwa werden während einer Kutschfahrt brüsk zurückgewiesen. Was den König Philipp V. dazu bringt, das Gefährt umgehend anzuhalten, um mit einem Gebet hinterm Gebüsch die Sünde (und die Schmach des Scheiterns) abzustreifen. Heute müsste er ins Gebet einschließen, doch bitte nicht von #MeToo überrollt zu werden.

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Dann ist der König weg – offenbar mitten in der heiklen Zwiesprache mit Gott über das Pro und vor allem das Contra des Fehltretens gekidnappt. Was dem Herzog spanisch vorkommt. Das Netflix-Rezept könnte aufgehen. „Die Köchin“ köchelt derzeit in den Top Ten des Streamingsenders. Weitere Gänge respektive Staffeln sind möglich. Denn im zweiten Buch von Munez wird die Beziehungskiste zwischen Diego und Clarita erst richtig weit aufgeklappt.

„Die Köchin von Castamar“, zwölf Episoden, von Tatiana Rodriguez, mit Roberto Enríquez, Michelle Jenner (bei Netflix – bereits streambar)

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