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Hans-Georg Maaßen äußert sich zu Antisemitismusvorwürfen in Roland Tichys erster Talkshow

  • Der Publizist Roland Tichy hat seit Donnerstag eine eigene Talkrunde bei TV Berlin.
  • Seine ersten Gäste dürften bei der eigenen Leserschaft gut ankommen: Kabarettist Uwe Steimle und CDU-Politiker Hans-Georg Maaßen.
  • Tichy habe damit denen eine Bühne geboten, „die sonst nicht oder nicht mehr im TV zu sehen sind“, wie er sagt.
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Der Publizist Roland Tichy hat in Anlehnung an sein Onlineportal „Tichys Einblicke“ nun auch einen eigenen TV-Talk. „Tichys Ausblick“ wird wöchentlich beim Lokalsender TV Berlin ausgestrahlt. Laut Mitteilung wird er künftig an jedem Donnerstagabend mit Prominenten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft über „aktuelle Trends und Ereignisse“ diskutieren. Tichy sorgt bereits mit seinen „Einblicken“ immer wieder für Gesprächsstoff. Mit seinen Positionen gilt der ehemalige Vorsitzende der Ludwig-Erhard-Stiftung vielen Unionsmitgliedern seit Langem als zu rechts.

„Wir sind ja alle umstritten“

In seine erste Sendung am Donnerstag hatte sich der ehemalige Chefredakteur der „Wirtschaftswoche“ nun zwei Gäste eingeladen, die bei seiner eigenen Leserschaft gut ankommen dürften: den früheren Verfassungsschutzpräsidenten Hans-Georg Maaßen sowie den Dresdner Kabarettisten Uwe Steimle. Wie sagt es Steimle im Verlauf der Sendung so schön: „Wir sind ja alle umstritten.“ Recht hat er.

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Hans-Georg Maaßen wurde 2018 in den einstweiligen Ruhestand als Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz versetzt. © Quelle: Michael Reichel/dpa

Maaßen gerät regelmäßig wegen seiner Äußerungen in die Kritik, zuletzt wurde ihm von der Klimaaktivistin Luisa Neubauer vorgeworfen, er würde antisemitische Inhalte verbreiten. Gast Nummer zwei, Uwe Steimle, vielen bekannt als einstiger Hauptkommissar Jens Hinrichs beim „Polizeiruf 110“, sorgt immer wieder mit seinen rechtspopulistisch angelehnten Aussagen für Irritationen. 2019 kündigte der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) die Zusammenarbeit mit dem heute 57-Jährigen. Als Grund nannte der damalige Programmdirektor Wolf-Dieter Jacobi „viele seiner zum Teil fragwürdigen Aussagen“. Steimle sei „immer wieder an Grenzen und manchmal auch darüber hinausgegangen“.

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Die drei Männer, sitzend in einem Hotelzimmer ohne Ambiete, sind in ihrer Meinung vereint. Und Moderator Tichy wird zum Stichwortgeber. „Wir wollen mit der neuen Sendung die grassierende Cancelkultur durchbrechen. Wir werden auch denen eine Bühne bieten, die sonst nicht oder nicht mehr im TV zu sehen sind“, kündigt er sein neues Format im Vorfeld an.

Gleich zu Beginn des Talks darf Hans-Georg Maaßen zu den Vorwürfen der Klimaaktivistin Luisa Neubauer, er verbreite und teile antisemitische Inhalte, Stellung nehmen. Der 58-Jährige weist das entschieden zurück („Was redet diese Frau?“). Israel sei ein zentraler Staat und die einzige funktionierende Demokratie im Nahen Osten. Seinerseits wirft er Neubauer vor, mit ihren Äußerungen das „scharfe Schwert des Vorwurfs zu benutzen und gleichzeitig Israel in den Rücken zu fallen“. Die Fridays-for-Future-Bewegung stehe in der Frage um den aktuell eskalierenden Nahostkonflikt „auf der Seite der Feinde“. Dies werde, so Maaßen, von den Medien überhaupt nicht herausgestellt.

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Er selbst sei erschüttert über die Israelpolitik der Bundesregierung. „Wir lassen Israel hängen“, sagt er. Er ärgere sich über das Geschwätz mancher Politiker – Israel habe von den Deutschen mehr Solidarität verdient.

Ein Hin und Her zwischen den Themen

„An ihren Taten sollt ihr sie erkennen, nicht an ihrem Geschwätz“: Mit diesem in vielen abgewandelten Varianten gern genutzten Bibelspruch äußern sowohl Maaßen als auch Steimle ihre Kritik an deutscher Politik – und das nicht nur beim Thema Israel.

Zwischen den Themenblöcken der Sendung – die sich vornehmlich mit dem Nahostkonflikt beschäftigen wollte – wird munter hin- und hergesprungen. Mal erklärt der ostdeutsche Kabarettist, warum er ein CDU-T-Shirt im FDJ-Style trägt – nämlich in Anlehnung an „die Seuchenheilige Angela Merkel I., die für Agitation und Propaganda zuständig ist und die CDU zu ihrer Partei gemacht hat“ – dann wieder geht es um Gendersprache, zu der man genötigt werde, bis man zum Thema Integration gelangt, das mit nur einem Satz abgehandelt wird.

Der ostdeutsche Schauspieler Uwe Steimle arbeitet nicht mehr mit dem MDR zusammen. © Quelle: imago images/STAR-MEDIA

Eines darf natürlich nicht fehlen, wenn man Hans-Georg Maaßen als Gegenüber hat: seine Rolle in in der CDU. Tichy behauptet, dass Maaßen aus dem Amt „gemobbt“ worden und nun zum „Bösewicht der deutschen Politik“ avanciert sei. Im Zusammenhang damit nennt er auch Aussagen von SPD-Politikern – dem Generalsekretär und dem Kanzlerkandidaten –, ohne explizit deren Namen zu nennen. Diese, so Tichy, seien ihm gerade entfallen. Witzig? Nein. Wer ein unabhängiger Moderator und Journalist sein will, darf seine politische Gesinnung nicht so deutlich machen. Doch Tichy ist nicht unabhängig und will es offenbar auch nicht sein.

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Wer hat den Durchblick?

Zurück zu Maaßen und der CDU: Der ehemalige Verfassungsschützer sagt, er sei nicht konservativ, sondern „bodenständig und realistisch“. In der Partei sei der Pluralismus verschwunden. Man sei dort unduldsamer mit Meinungen, die nicht dem Mainstream entsprächen. Uwe Steimle geht noch weiter: „Die CDU ist wie die SED neuen Typus geworden.“ Es werde nur „von oben regiert und durchgestellt“.

„Jeder Optiker hat mehr Durchblick als Politiker“, sagt Steimle, der in dieser kleinen Runde sitzt, in der alle offenbar meinen, den Durchblick zu haben. So viel Einigkeit ist am Ende einer Talkshow auch langweilig.

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