Hamburger „Tatort“ wird vielfältiger: Produktion wendet Inclusion Rider an

  • Mit einer speziellen Vertragsklausel, dem Inclusion Rider, verpflichtet sich das Hamburger „Tatort“-Team zu mehr Vielfalt vor und hinter der Kamera.
  • Beim neuen Fall „Schattenleben“ sind nach Angaben des NDR mehr Menschen aus unterrepräsentierten Minderheiten.
  • Der Dreh läuft noch bis Ende Mai.
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Hamburg. Ein Inclusion Rider klingt erst einmal abstrakt. Doch ist es ein Konzept, genauer gesagt eine kleine Vertragsklausel, die in den USA inzwischen größere Bedeutung erlangt hat. In einem Vertrag der Darsteller mit Inclusion Rider verpflichtet sich die Produktionsfirma vor und hinter der Kamera für eine größere Vielfalt. Erfüllt die Produktion eine bestimmte Quote in der Besetzung nicht, kann ein Schauspieler von seinem Vertrag zurücktreten - was sich bei einem Hauptdarsteller mit großem Namen auf die Publicity auswirken kann. Wenn in der Produktion auf eine ähnliche Zusammensetzung von Cast und Stab wie in der Gesamtbevölkerung geachtet wird, fühlt sich die Fiktion ebenso echt an wie die Realität, so die Idee.

Nun gehen auch erste deutsche Produktionen diesen Schritt: Der „Tatort“ mit Wotan Wilke Möhring in Hamburg, der aktuell unter dem Arbeitstitel „Schattenleben“ gedreht und vom NDR sowie Wüste Medien GmbH produziert wird, hat sich verpflichtet, Stab und Cast möglichst vielfältig zu besetzen. Das geht aus einer Pressemitteilung des NDR hervor. Die Initiative ging demnach von Regisseurin Mia Spengler („How To Sell Drugs Online (Fast)“) aus. „Die Entscheidung für einen Inclusion Rider von mir und vieler meiner Kolleginnen und Kollegen soll zeigen, dass auch wir als Kreative Verantwortung übernehmen, unsere Branche chancengerecht, inklusiv und pluralistisch zu gestalten. Eine längst überfällige Bewegung“, wird Regisseurin Mia Spengler in der Mitteilung zitiert.

17 Prozent der am „Tatort“ beteiligten Menschen sind People of Colour

So seien 17 Prozent der an diesem „Tatort“ beteiligten Menschen BIPoC, also Black, Indigenous und People of Color. 65 Prozent der Führungspositionen seien weiblich besetzt. Der NDR unterstützt die Initiative mit zusätzlichen Praktikumsplätzen für in der Filmbranche unterrepräsentierte Gruppen. Das Drehbuch stammt von Nachwuchsautorin Lena Fakler (Nordlichter: „Am Ende der Worte“). Hinter der Kamera arbeitet Zamarin Wahdat - hier greift das Team auf eine prominente Fachfrau zurück. Die 32-Jährige erhielt mit ihrem Team bereits einen Oscar für den besten Dokumentar-Kurzfilm.

„Der NDR setzt schon seit vielen Jahren auf Diversität vor der Kamera. Wir glauben an die Vielfalt im Ganzen und unterstützen daher sehr gern den Inclusion Rider bei dieser Produktion“, so NDR Fernsehfilmchef Christian Granderath. Die Dreharbeiten dauern noch bis zum 27. Mai in Hamburg. Das Erste zeigt den „Tatort: Schattenleben“ voraussichtlich im Frühjahr 2022.

„Schattenleben“ spielt in der linksautonomen Szene

Im Fall „Schattenleben“ ermitteln Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) und Julia Grosz (Franziska Weisz) in der Hamburger linksautonomen Szene und versuchen eine Kollegin aufzuspüren, die nach einem Undercover-Einsatz als vermisst gilt. Produzenten des „Tatort“ sind Uwe Kolbe und Björn Vosgerau (Wüste Medien GmbH), die Redaktion im NDR hat Donald Kraemer.

Hauptdarsteller Wotan Wilke Möhring ist zuletzt in die Kritik geraten, weil er sich bei der Aktion #allesdichtmachen satirisch über die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung geäußert hat. Während andere Teilnehmer ihr Video zurückgezogen haben, blieb er bei seiner Teilnahme.

RND/goe

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