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  • Greta Thunberg: Deutschland in der Klimakrise - verpasste Chancen von Angela Merkel

Greta Thunberg: „Deutschland hat eine historische Schuld zu begleichen“

  • In ihrem Klimapodcast „1,5 Grad“ hat Luisa Neubauer die Fridays-for-Future-Aktivistin Greta Thunberg zu Gast.
  • Mit ihr spricht Neubauer über die Rolle Deutschlands in der Klimakrise und verpasste Chancen von Angela Merkel.
  • Deutschland sei ein „großer globaler Akteur, wenn es um den Klimanotstand geht“, sagt Thunberg.
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Was Greta Thunberg global gesehen ist, dem entspricht Luisa Neubauer in Deutschland: Die beiden jungen Frauen sind Gesichter der Bewegung Fridays for Future und kämpfen seit Jahren gegen den Klimawandel. In ihrem Podcast „1,5 Grad“ begrüßte Neubauer zum Auftakt der zweiten Staffel die Schwedin zum Gespräch – anlässlich der Weltklimakonferenz in Glasgow, die derzeit stattfindet.

„Vielleicht beeinflussen wir die Politiker nicht direkt, aber durch die Beeinflussung ihrer Kinder oder Wähler erreichen wir sie indirekt“, sagte Thunberg hinsichtlich ihres Engagements. Es sei ein großes Verdienst von Fridays for Future, „so viele Menschen zu mobilisieren und die Mentalität der Menschen zu verändern“. Dennoch: Erst im September ergab eine Studie der Universität Bath, dass 75 Prozent der Jugendlichen die Zukunft als beängstigend einschätzen.

„Leider war das nicht sehr überraschend“, urteilte Thunberg in dem Spotify-Podcast und befürchtete: „Ich denke, es besteht die Gefahr, dass die Klimaschutzverzögerer dies nutzen, um zu sagen, dass wir nicht über das Klima sprechen können, weil die Kinder sich Sorgen machen.“ Dabei sei ihrer Einschätzung nach genau das Gegenteil der Fall: „Was die Menschen beunruhigt, ist die Tatsache, dass wir nicht über das Klima sprechen, dass wir immer noch leugnen, dass es eine Krise gibt und versuchen, so weiterzumachen wie bisher.“

Greta Thunberg sieht „Heuchelei der politischen Anführer“

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Einen großen Anteil an den globalen Emissionen in der Klimakrise hat Deutschland: Nur drei Länder weltweit stießen historisch betrachtet einen höheren Anteil aus, sagte Luisa Neubauer. Deutschland sei ein „großer globaler Akteur, wenn es um den Klimanotstand geht“, teilte Thunberg diese Einschätzung. Das Land habe laut der 18-Jährigen „nicht nur eine große Chance, sondern auch eine große Verantwortung und eine historische Schuld zu begleichen“. Ein radikales Umdenken hierzulande könne „das gesamte globale Narrativ ändern“.

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Doch in den letzten Legislaturperioden wurde es laut Luisa Neubauer versäumt, wegweisende Entschlüsse politisch durchzusetzen. Nach der Rolle Angela Merkels gefragt, entgegnete Greta Thunberg: „Wäre sie aufgestanden und hätte die Verantwortung übernommen, hätte das dauerhafte Folgen haben und die ganze Geschichte der globalen Klimakrise verändern können.“ Doch letztlich sei dies eine „andere Realität“, über die man nur spekulieren könne, so das bittere Fazit der Schwedin.

Allgemein sei es angesichts des hinausgezögerten Kohleausstieges einfach, „die Heuchelei der politischen Anführer“ zu offenbaren. Das zögerliche Verhalten der politischen Elite machte Thunberg auch an einer Angst fest, „das eigene Versagen zuzugeben“.

„Wir sind die lautesten Verfechter der Demokratie“

Außerdem diskutierten Luisa Neubauer und Greta Thunberg über den Widerspruch zwischen Demokratie und Klimagerechtigkeit, der ihnen von Politikern bisweilen vorgeworfen wird. Davon distanzierte sich Neubauer deutlich, vielmehr partizipiere sie an „gelebter Demokratie“ und fordere keine „ausgedachten Luftschlösser“, sondern lediglich die Erfüllung des Pariser Klimaabkommens. Ähnlich sieht es Thunberg: „Es ist seltsam, denn wir sind wahrscheinlich die lautesten Verfechter der Demokratie. Wir sagen, dass die Demokratie der einzige Weg ist, wie wir die Klimakrise lösen können.“

Nun brauche es neben Hoffnung vor allem Mut, um voranzukommen, forderte die schwedische Aktivistin: „Wenn man in einem Flugzeug sitzt, hofft man, dass alles gut ausgeht, weil man nicht die Verantwortung trägt. Wenn man aber tatsächlich die Verantwortung für etwas trägt, ist Hoffnung vielleicht nicht das, was man am meisten braucht, dann ist es Mut.“

RND/Teleschau

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