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Interview mit Klimaaktivistin

„Danke Greta!“: Maischberger-Talkrunde honoriert Thunbergs AKW-Appell

In einem Interview für die Talkshow "maischberger" sprach Klimaaktivistin Greta Thunberg über die Energiekrise, Umweltschutz und ihre persönliche Zukunft.

In einem Interview für die Talkshow "maischberger" sprach Klimaaktivistin Greta Thunberg über die Energiekrise, Umweltschutz und ihre persönliche Zukunft.

Mit Greta Thunberg hatte sich für die Mittwochausgabe der ARD-Talkshow „maischberger. die woche“ die Stimme der weltweiten Klimabewegung angesagt. Schon bevor ihr zuvor aufgezeichnetes Interview mit Gastgeberin Sandra Maischberger ausgestrahlt wurde, hatte die 19-Jährige für ordentlich Wirbel gesorgt - mit einem vorab veröffentlichten Zitat. „Wenn [die Atomkraftwerke] schon laufen, glaube ich, dass es ein Fehler wäre, sie abzuschalten und sich der Kohle zuzuwenden“, entgegnete Thunberg auf Maischbergers Frage bezüglich des richtigen Handelns in der Energiekrise.

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Erklärend schob sie hinterher: „Ich persönlich denke, dass es eine schlechte Idee ist, auf Kohle zu setzen, solange die AKWs noch laufen.“ Für eine konsequente Schließung von Kohlekraftwerken setzt sich Thunberg seit Jahren ein. Ihr auf den ersten Blick überraschendes Bekenntnis weckte in der Diskussionsrunde am Mittwochabend Zustimmung - wenn auch teilweise nicht ungetrübte. ZDF-Moderator Theo Koll betonte, sein „Leben lang gegen Atomkraftwerke gewesen“ zu sein, aber trotzdem sei er mit Thunberg in puncto AKWs einer Meinung: „In dieser Krise erleben wir ja alle, dass wir Werte anders beurteilen.“

„Was nutzt es, Dinge im Nachhinein zu bereuen?“

Bei „NZZ“-Journalist Alexander Kissler deutete zunächst nichts auf einen Meinungskonsens mit der Schwedin hin, betonte er doch, nicht „zum Greta-Thunberg-Fanclub“ zu gehören. Ihrem „Denken in Panik-Szenarien“ stehe er kritisch gegenüber, und sie sei „kein Klima-Orakel mit unfehlbaren Wahrheiten“, sagte Kissler. Thunbergs Aussage zu den Atomkraftwerken aber begrüßte er und lobte ihren Pragmatismus. Es sei richtig, dass die Klimabilanz eines AKWs positiver als die eines Kohlekraftwerks ausfalle: „Wenn Frau Thunberg dazu beiträgt, diesen Irrsinn zu stoppen, müsste ich sagen: Danke, Greta!“

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Das eigentliche Interview mit der Ikone der Klimabewegung wurde dann zum Ende der Sendung eingespielt - und startete mit einem privaten Einblick. „Privat bin ich eigentlich niemals wütend. Ich spare mir das für diese Auftritte auf, um es da rauszulassen“, verriet die „Fridays for Future“-Initiatorin. Maischberger nutzte die Vorlage, um an Thunbergs denkwürdigen „How Dare You“-Auftritt vor den Vereinten Nationen zu erinnern, als sie laut der Gastgeberin „sehr wütend“ gewesen sei und „geschrien“ habe. „Ich war ja erst 15 oder 16. Viele Dinge hätte ich anders machen können. Aber was nutzt es, Dinge im Nachhinein zu bereuen?“, seufzte die 19-Jährige.

Greta Thunberg gesteht Fehler ein

Als Fehler gestand sie ein, erst etwas später die „humanitären Aspekte der Krise“ in ihrem Engagement berücksichtigt zu haben. Dabei komme es „auf Gerechtigkeit und Klimagerechtigkeit“ an. Rückblickend bilanzierte Thunberg: „Am Anfang war das Narrativ: ‚Hört auf die Wissenschaft, wir Kinder werden davon betroffen sein.‘ Dann haben wir aber immer mehr verstanden, dass wir uns auf das Hier und Jetzt konzentrieren müssen.“ Der erste Schritt innerhalb der Politik sei es, die bestehende „Notlage“ anzuerkennen.

Ihre plötzliche Berühmtheit als Pionierin der FFF-Bewegung sei wie „ein Klischee“ gewesen, dachte Thunberg an die Anfänge zurück: „Ein kleines Mädchen löst einen weltweiten Protest aus. In einem Film hätte ich gedacht: Hätten sie sich nicht etwas Ausgefalleneres ausdenken können?“

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Es sei „nicht länger nur eine Meinung, dass wir die Klimakrise nicht in unserem jetzigen System lösen können“, verwies Thunberg außerdem auf die doppelte Überschreitung des Verbrauchs fossiler Energien bis 2030, der mit dem 1,5-Grad-Ziel vereinbar wäre. Um diese Marke nicht derart zu reißen, „müssen wir wirtschaftliche Vorhaben auf Eis legen“, appellierte die Schwedin.

„Was wir jetzt am meisten brauchen, ist politisches Handeln“

Der Nachfrage, wie dieser starke Rückgang der Produktivität funktionieren könne, begegnete Greta Thunberg mit Ratlosigkeit: „Gute Frage. Ich wünschte, jemand hätte eine [Lösung]. Was wir jetzt am meisten brauchen, ist politisches Handeln.“ Eines sei aber klar: Die Abhängigkeit von fossiler Energie habe dazu geführt, dass die Gesellschaft nicht mehr in der Lage sei, „mehr als ein Jahr in die Zukunft zu schauen. Das ist nicht nachhaltig.“

Sie selbst könne sich derweil nicht vorstellen, einen politischen Posten zu übernehmen. Stattdessen werde sie „für den Rest meines Lebens Klimaaktivistin sein“, kündigte Thunberg an. Schließlich stehe man erst am „Anfang des Kampfes“. Für diesen Kampf brauche es „Milliarden Klimaaktivisten“ und „einen Kulturwandel“, forderte die Schwedin. Als gescheitert sieht sie die Klimabewegung keinesfalls, denn „Wahrheit und Moral“ seien wie die Wissenschaft und immer mehr Menschen auf ihrer Seite. Aber: „Es bewegt sich nicht schnell genug.“

Spannend war zugleich der Vergleich, den Thunberg zwischen Deutschland und Schweden zog. Während hierzulande Menschen zum Energiesparen aufgefordert werden, sei das in ihrem Heimatland „total verpönt, weil die Menschen dann sagen: ‚Oh nein, das ist Kommunismus!‘“

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RND/Teleschau

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