„Goldene Kartoffel“: Negativpreis für ARD- und ZDF-Talkshows

  • Mit der „Goldenen Kartoffel” will eine Initiative die misslungene Berichterstattung über die Einwanderungsgesellschaft auszeichnen.
  • Gleich vier Talkshows von ARD und ZDF sollen prämiert werden.
  • Demnach ausgezeichnet werden sollen: „hart aber fair“ (ARD) mit Frank Plasberg, „Maischberger“ (ARD) und „Anne Will“ (ARD) sowie die ZDF-Sendung „Maybrit Illner“.
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„Reißerisch, klischeehaft und diskriminierend.“ So lautet das Urteil der Jury für die diesjährigen Preisträger der „Goldenen Kartoffel“ über vier öffentlich-rechtliche Talkshows. Den Negativpreis für Berichterstattung in Fragen der Einwanderungsgesellschaft erhalten sollen demnach „hart aber fair“ (ARD) mit Frank Plasberg, „Maischberger“ (ARD) und „Anne Will“ (ARD) sowie die ZDF-Sendung „Maybrit Illner“.

Laut Verein Neue deutsche Medienmacher*innen (NdM) geht der „Preis für besonders unterirdische Berichterstattung an Medien oder JournalistInnen, die ein verzerrtes Bild vom Zusammenleben im Einwanderungsland Deutschland zeichnen, oder an Sendungen und Formate, die Probleme und Konflikte immer wieder grob überzeichnen, Vorurteile verfestigen und gegen journalistische Standards verstoßen“.

Jury: „Bildungsauftrag ungenügend umgesetzt“

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Gemäß diesen Kriterien hätten sich alle vier politischen Formate des öffentlich-rechtlichen Fernsehens „seit Jahren“ für die Auszeichnung qualifiziert. So entschied die Jury, bestehend aus dem ehrenamtlichen Vorstand des Vereins unter der Führung der Jury-Vorsitzenden Sheila Mysorekar. Die Jury wirft den vier politischen Talksendungen in ihrer Begründung vor, den im Programmauftrag enthaltenen Bildungsauftrag ungenügend umzusetzen. Den Formaten gelänge es nicht, „tiefer gehend zu informieren, vielfältige Perspektiven einzubinden und Ressentiments abzubauen“. Stattdessen werde „Rassismus behandelt wie jeder andere Standpunkt auch“.

Illner: "Vorwurf geht gegen unser Berufsethos"

Nun hat Moderatorin Maybritt Illner und ihr Team auf die geplante Preisverleihung reagiert und zu den Vorwürfen Stellung bezogen: "Für uns ist es eine Selbstverständlichkeit, Menschen mit internationaler Geschichte bzw. Migrationshintergrund zu aktuellen Themen einzuladen", heißt es in einer Mail, die dem RND vorliegt. "In unserer Sendung sind Rassismus und Antisemitismus nie behandelt worden 'wie jeder andere Standpunkt auch'. Dieser Vorwurf geht gegen unser Berufsethos, gegen alle persönlichen Überzeugungen, und wir weisen ihn entschieden zurück. 'Perspektivenreich berichten' heißt für uns, möglichst viele Frauen, junge Menschen, Menschen aus verschiedenen Schichten, Gäste aus Nachbarländern einzuladen... und natürlich Menschen mit internationaler Geschichte, bzw. Migrationshintergrund. Es bleibt weiter eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, sie in wichtige, verantwortliche Positionen zu bringen! Da braucht es unser Engagement und das Ihres Netzwerkes, aber eben nicht nur." Sie laden die Neuen deutschen Medienmacher*innen in ihre Redaktion ein oder kommen zur nächsten NdM- Konferenz, um mit den Preisverleihern zu diskutieren. Aber "ganz grundsätzlich nehmen wir nur Preise an, die wir verdient haben".

RND/kiel

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