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  • „Gemischtes Hack“-Podcaster Tommi Schmitt im Interview über TV-Show bei ZDFneo

Podcaster Tommi Schmitt mit TV-Show: „Surreal, dass sich gerade alles um mich dreht“

  • Sein Podcast „Gemischtes Hack“, den er mit Comedian Felix Lobrecht moderiert, ist der erfolgreichste im deutschsprachigen Raum.
  • Kein Wunder, dass Tommi Schmitt auch fürs Fernsehen interessant wurde.
  • Im Interview spricht der 32-Jährige über seine Show „Studio Schmitt“ bei ZDFneo.
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„Mittwoch ist Hacktag“ lautet seit September 2017 das Credo der „Hackis“ – wie sich die Hörer des Spotify-Podcasts „Gemischtes Hack“ selbst bezeichnen. Gemeinsam mit Comedian Felix Lobrecht palavert Autor und Kolumnist Tommi Schmitt wöchentlich auf humoristische Weise über Gott und die Welt, über eine Million Menschen hören ihnen zu. Mit seiner neuen Personality-Show „Studio Schmitt“ (ab 8. April, donnerstags, 22.15 Uhr, ZDFneo, und ab 20.15 Uhr in der ZDFmediathek) wagt sich Schmitt, der unter anderem Witze für „Late Night Berlin“ und „LUKE! Die Woche und ich“ schrieb, nun erstmals mit einer eigenen Sendung vor die TV-Kamera. Vorerst wird der bekennende TV-, Feuilleton- und Borussia-Mönchengladbach-Fan acht wöchentlich gezeigte Ausgaben moderieren. Im Interview spricht der 32-jährige Wahlkölner über die neue alte Strahlkraft des Fernsehens, unnatürliche Gags in Richtung leerer Stühle sowie eine schleichende Entfremdung von seinem Lieblingssport Fußball.

Herr Schmitt, haben Sie durch „Studio Schmitt“ die Faszination für das Fernsehen noch mal neu erlebt?

Ja total, weil ich mitbekomme, was für ein Brimborium gemacht wird um die Ankündigung einer kleinen Fernsehsendung in einem Spartenkanal. Es ist schon kurios zu beobachten, was Fernsehen immer noch für eine Strahlkraft hat. Und jetzt kriegt man Interviewanfragen en masse und Leute fragen mich auf der Straße: „Wann geht’s los?“ Das finde ich wahnsinnig spannend, ich habe große Lust auf die Sendung.

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Und Sie stehen im Fokus der Berichterstattung.

Das jetzt sozusagen im Auge des Orkans mitzuerleben, ist für mich, als jemand der gerne Situationen und den Alltag beobachtet, eine neue Erfahrung. Dass man an einem Konferenztisch sitzt und alle dich angucken, so was kannte ich vorher nicht. Sonst war ich in den Konferenzen immer der Autor, der am Tisch saß und allen das Twix weggegessen hat. Plötzlich liegt bei mir Entscheidungsgewalt. Das ist ungewohnt, aber irgendwie auch cool. Dennoch ist es surreal, dass sich in der Hinsicht gerade alles um mich dreht.

Dabei gelten Sie als jemand, der sich nicht in den Mittelpunkt drängt.

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Ich war nie eine Rampensau, das ist auch nach wie vor so. Ich bin wirklich kein kompetitiver Mensch, und Ehrgeiz liegt mir fremd. Das ist keine Koketterie, sondern wirklich so. Ich denke mir nicht: „Die Sendung muss jetzt wirklich knallen“, sondern habe einfach Spaß daran, das zu machen. Mit dieser ostwestfälischen Drögheit gehe ich die Sache an.

Was hat Sie zum Schritt vor die Kamera bewogen?

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Ich war schon immer jemand, den man einfach reinschubsen musste. Durch den Podcast, der ungeplant sehr erfolgreich wurde, bin ich von alleine nach vorne gerückt. Als Felix und ich dann mal zusammen auf der Bühne standen, habe ich auch Gefallen daran gefunden. Inzwischen habe ich richtig Spaß daran. In „Studio Schmitt“ kann ich nun hoffentlich die Welt durch meine Augen zeigen. Vor dieser Aufgabe habe ich großen Respekt, aber ich habe zugesagt, weil es blöder gewesen wäre, nach einer Absage mit dem Gedanken „Wie hätte das sein können?“ leben zu müssen, als möglicherweise zu scheitern.

Sind Sie vor der ersten Sendung nervös?

Komischerweise verspüre ich wenig Nervosität, sondern vor allem Vorfreude. Vielleicht liegt es auch am leider fehlenden Studiopublikum. Beim Podcast bin ich zwar gewohnt, dass da Stille herrscht, aber da habe ich halt einen Konterpart, und jetzt sitze ich alleine ohne Sidekick und ohne Band in einem Studio - das ist ja auch neu. Bei anderen Late-Night-Shows merkt man aber natürlich, dass es unnatürlich ist, wenn Menschen Gags in Richtung leerer Stühle machen.

Würde es „Studio Schmitt“ ohne „Gemischtes Hack“ überhaupt geben?

Wahrscheinlich noch nicht jetzt. Ich glaube nicht, dass ich diese Fernsehsendung nur habe, weil ich einen Podcast habe, aber wahrscheinlich ging es deshalb so zügig. Durch „Gemischtes Hack“ habe ich die Möglichkeit, zu zeigen, was mich ausmacht. Aber es wäre naiv und eitel wegzudiskutieren, dass es jetzt einen gewissen Hype gab.

Haben Sie seit Beginn dieses Hypes bereits mit Ihrer neuen Bekanntheit gehadert?

Also bislang finde ich das alles wunderbar. Aber das Fernsehen wird ja auch anders journalistisch begleitet, und plötzlich werden mich auch Leute kennen, die mir nicht wohlgesonnen sind. Das ist anders als bei Instagram und beim Podcast. Da folgen dir Leute ja aktiv, und wenn mich jemand nicht mag, finde ich in dessen Welt nicht statt. Beim Zappen bleiben dann aber mal Leute hängen und finden vielleicht einen Gast cool, aber mich blöd. Möglicherweise gibt es dann auch auf der Straße mal kritischere Töne zu hören. Das wäre für mich auch neu.

Gibt es Themen, die man mit Felix Lobrecht im Podcast nicht besprechen kann, aber dafür bei „Studio Schmitt“?

Nein, das glaube ich nicht. Mit Felix kann ich alles besprechen, was uns so vor die Flinte kommt. In „Studio Schmitt“ ist es einfach eine andere Aufbereitung von Themen. Es gibt auch mal eine MAZ oder einen Stand-Up mit dem man sich daran abarbeitet. Trotzdem wird die Hälfte der Sendung Talk sein, und ich freue mich auf Gäste wie „Zeit“-Journalistin Sabine Rückert, die die Zuschauer kennen, aber noch nicht überall ihr Gesicht in die Kamera gehalten haben. Andere kommen aus den Bereichen Schauspiel, Musik oder Fußball - es werden auch Leute dabei sein, die jeder kennt -, es können aber auch mal Menschen sein, die einen spannenden Beruf haben.

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Apropos Fußball: Aus Ihrer „11FREUNDE“-Kolumne ist herauszulesen, dass eine schleichende Entfremdung von Ihrem Lieblingssport stattgefunden hat.

Die Pandemie ist natürlich ein großer Faktor, da man die Verbindung zur Mannschaft, die man liebt, verliert. Das ist wie eine Fernbeziehung, in der man sich nicht mehr sieht. Unabhängig von Corona spielte davor schon eine Rolle, wie der Fußball sich entwickelt. Zum Beispiel die kommenden Turniere: Es kommt eine EM, von der wir überhaupt nicht wissen, wie sie ablaufen soll - und dann spricht der UEFA-Präsident noch davon, dass sie trotz Pandemie auf jeden Fall vor Publikum stattfinden wird. Dann kommt die WM in Katar, und man fragt sich, ob das boykottiert wird, oder man dann bereits bei einer fünfstelligen Anzahl toter Arbeiter ist. Hinzukommen Gehälter und Ablösesummen, die explodieren.

Eine Entwicklung, die sich kaum rückgängig machen lässt.

Es gibt einfach zwei Arten von Fußball-Fans: Es gibt Leute, die lieben dieses Bratwurst-Bier-Relegation-Ding aus den 90-ern und 2000-ern - zu denen ich gehöre -, und es gibt Leute, die freuen sich darauf, wenn ab 2025 das Champions-League-Finale in New York ist und Neymar in gelben Schuhen sein letztes großes Turnier spielt. 17-Jährige machen in FIFA vielleicht einen geilen Fortnite-Jubel, während ich eher wie ein „grumpy old man“ auf diese Entwicklungen schaue. Wahrscheinlich wird Fußball eines der wichtigsten Dinge für mich bleiben, aber vielleicht hole ich mir dieses Gefühl dann irgendwann in der fünften Liga. Da findet der Fußball, in den ich mich damals verliebt habe, noch mehr statt. Champions-League-Spiele mit diesem ganzen Brimborium haben mich zuletzt nicht mehr interessiert.

„Die Familie ist der größte Kritiker“

Aber wenn der Lieblingsverein Borussia Mönchengladbach in der Champions League gegen Manchester City spielt, ist man dann doch wieder dabei?

Nein, dieses Geisterspiel in Ungarn war mein Schock-Erlebnis: Ich habe das größte Spiel der Vereinsgeschichte seit meiner Geburt nach 30 Minuten ausgemacht und einen Film geguckt, obwohl ich vor der Pandemie selbst auf viele Auswärtsspiele mitgefahren bin. Letztes Jahr sind zu Hause noch Teller geflogen, wenn ein Spiel schlecht lief. Doch dann habe ich gemerkt: „Fuck, die Liebe schwindet.“ Aber ich bin optimistisch, dass sie zurückkommt. Elementar ist, dass man wieder ins Stadion kann, damit man wieder Bock hat auf Fußball.

Eine Konstante bleibt Ihre Medienroutine.

Ja, ich wache auf, und dann höre ich meistens erstmal News-Podcasts von der „Presseschau“ bis hin zu Micky Beisenherz. Das passiert während dem Duschen oder während ich auf der Toilette sitze. Dann hole ich mir eine Zeitung, die ich über den Tag lese. Manchmal landet sie auch ungelesen im Müll, aber es sieht erst mal gut aus und ist gut für die Zeitungen (lacht). Abends werde ich zum Talkshow-Junkie - ich war bereits als Kind großer Fan - und gucke von „Anne Will“ bis „maischberger“ absolut alles.

Von Twitter halten Sie sich aktuell fern. Warum denn?

Da geht es mir darum, dass aktuell alle mit Corona nur ein Thema haben und wir gemeinsam in diesem verkeilten U-Boot am Meeresgrund sitzen. Langsam entsteht die Situation, dass die Nerven blankliegen. Mittlerweile finde ich es wahnsinnig anstrengend, wie schnell es auf Twitter eskaliert. Es war zwar schon immer ein eitles Meinungsmedium, aber mittlerweile ist es, was das angeht, eine Karikatur geworden. Wenn sich die Lage auf Twitter entspannt hat, bin ich aber wieder zurück.

Jetzt steht sowieso erst mal die TV-Produktion im Vordergrund. Und die Familie schaut klassisch linear im Fernsehen zu?

Na klar. Die Familie ist der größte Kritiker. Gefühlt bekomme ich auf jede Instagram-Story zwei DIN-A4-Seiten Kritik, und ich finde das super. Das sind gemeinsam mit meinen Kumpels aus Detmold, denen sowas völlig egal ist und für die das ein ganz normaler Job ist, die Menschen, die völlig ehrlich zu mir sind. Ich war mal bei „Late Night Berlin“, und während alle aus der Medienbubble meinten, es sei ein cooler Auftritt, fragte meine Mutter als erstes: „Was hast du denn da für einen Pullover angehabt?“

RND/Teleschau

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