Geld als Leidenschaft – die HBO-Serie „Industry“ bei Sky

  • Im Zentrum des Kapitalismus: Die Sky-Serie „Industry“ zeigt, wie Sozial­darwinismus funktioniert.
  • Echte Sympathieträger gibt es hier nicht, der Druck des Jobs wird mit Sex und Kokain abgelassen.
  • Die Leere im Inneren der Figuren, macht der Serie auf Dauer zu schaffen.
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Aufbauend ist es nicht gerade, was den Neuankömmlingen beim Finanz­unternehmen Pierpoint & Co ins Gesicht gesagt wird: In sechs Monaten sei nur noch die Hälfte von ihnen da. Da kann man förmlich ahnen, wie die gestriegelten Hochschul­absolventen durchzählen, wen es erwischen wird – und ob man selbst dazugehören könnte. Der Rat zum Einstieg lautet: „Machen Sie sich einfach unentbehrlich.“ Verbunden ist damit unweigerlich: unentbehrlicher als die anderen.

Andererseits: Wer in der Londoner Investmentbranche Karriere machen will, akzeptiert sozial­darwinistische Gepflogenheiten für die eigene Existenz. Hier muss niemand eine Aufklärungsrede halten, wie sie Kinoinvestor Gordon Gekko (alias Michael Douglas) in den Achtzigern berühmt gemacht hat: „Gier ist gut. Gier ist richtig. Gier ist gesund“, ließ sich der Hosenträger­kapitalist in Oliver Stones „Wall Street“ (1987) vernehmen.

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Ein bunt gemischter Trupp will nach oben

Man könnte allerdings die Frage stellen, ob man sich das alles gefallen lassen muss. Muss Hauptcharakter Harper Stern (Myha’la Herrold), die New Yorkerin mit dem kleinen Geheimnis in ihrer Biografie, tatsächlich ihrem Mentor Eric (Ken Leung) folgen wie ein Schoßhündchen? Und wieso muss dauernd Yasmin (Marisa Abela), Tochter aus gutem Einwanderer­haus, für alle den Plastikbecher­kaffee holen?

Ein bunt gemischter Trupp will hier nach oben. Schon in der ersten Folge – inszeniert von „Girls“-Schöpferin Lena Dunham – zahlt Hari (Nabhaan Rizwan) dafür den höchsten Preis.

Die von Mickey Down und Konrad Kay kreierte Sky-Serie „Industry“ zeichnet ein abschreckendes Menschenbild aus dem Zentrum des Kapitalismus. Echte Sympathieträger: nirgends. Das Kauderwelsch über all die millionenschweren Finanztransaktionen muss man nicht verstehen – und man tut es auch nicht.

Schwitzen – Koksen – Sex: Der Druck muss raus

Bei so viel beruflichem Druck ist es nur logisch, dass die Mittzwanziger abends in Fitnessclubs bis zur Erschöpfung schwitzen und anschließend in Nachtclubs koksen. Der Druck muss irgendwie raus. Die von HBO übernommene Serie wartet mit expliziten Sexszenen auf, die die oft so brave Netflix-Konkurrenz glatt vor Scham erröten lassen müsste.

Doch all diese mit viel Sinn fürs Voyeuristische ausgebreiteten Zeitvertreibe können nicht darüber hinwegtäuschen: Das Leben der jungen Leute ist leer. Sie drehen sich um sich selbst. Und das macht schließlich auch der Serie selbst zu schaffen.

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Vergleicht man die Geschichten hier mit der hakenreichen Handlung der deutschen Qualitätsserie „Bad Banks“, fällt auf, wie sinnlos gezockt wird. Und so grell und wahnsinnig wie die Figuren im Kinofilm „The Wolf of Wall Street“ (2013) sind sie schon mal gar nicht.

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Lehrreiche Worte fallen hier übrigens doch: „Es ist schwer, aus deiner Leidenschaft Geld zu machen. Außer Geld ist deine Leidenschaft“, heißt es einmal. Die Leere hat einen Namen.

„Industry“, bei Sky, acht Episoden, von Mickey Down und Konrad Kay, mit Myha’la Herrold, Ken Leung (streambar ab 30. Dezember)


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