„Game of Thrones“ triumphiert bei den Emmys – zu Recht!

  • Zwölf Preise fuhr die Serie „Game of Thrones“ bei den Emmys 2019 in Los Angeles ein.
  • Trotz der zahlreichen Proteste der Serienfans über das Ende der Fantasysaga bekam sie sogar den Emmy für die beste Dramaserie.
  • Zu Recht, findet RND-Medienredakteur Matthias Halbig.
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So viel steht fest: 160 Nominierungen bei den Emmys, darüber liegt nur noch „Saturday Night Live“ (271), das aber gefühlt ja auch schon seit der Kreidezeit des Fernsehens läuft. Und mit nunmehr insgesamt 59 errungenen Emmys bleibt „Game of Thrones“ (GoT) wohl auch auf längere Sicht die Königin in der Geschichte der amerikanischen Fernsehpreise.

Dass man die Fantasysaga bei der 71. Verleihung im Microsoft Theater in Los Angeles für ihre letzte Staffel noch einmal mit insgesamt einem Dutzend der hübschen Statuetten überschüttete, geschah zu Recht. Es gab wahrlich nie eine beeindruckendere Show, nie größeres Kino im kleinen Fernsehen, was vor allem für die finalen sechs Episoden gilt. Zehn der Preise fuhr „GoT“ schon vor der großen Gala in der Nacht zu Montag ein – es waren die etwas despektierlich „Katzentisch-Emmys“ genannten Trophäen für die umwerfenden technischen und handwerklichen Leistungen, die für die perfekte Illusion einer Fantasywelt allerdings eminent wichtig sind.

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Beste Dramaserie: Game of Thrones.  @ Quelle: Jordan Strauss/Invision/AP/dpa
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Zwei Hauptpreise bei zwölf Nominierungen – das wirkt nur zunächst schwach. Denn neuerlich wurde an „GoT“ der begehrteste aller Emmys für die beste Dramaserie vergeben. Recht so, denn allem Fan-Gemeutere zum Trotz wurde die Geschichte grandios und logisch zu Ende erzählt und virtuos bebildert – von einigen versehentlich abgefilmten Gegenwartsutensilien wie einem Starbucks-Kaffeebecher abgesehen. Gott sei Dank ist der Social-Media-Zorn jener GoTianer, die alles besser – oder besser alles anders – gemacht hätten, kein Kriterium für die mehr als 900 TV-Profis der Jury. Das Traumpaar Daenerys und Jon auf dem Eisernen Thron? Come on! So laufen vielleicht Seifenopern! Den kleinen Tyrion hätten wir dagegen schon lieber gekrönt – sein Darsteller Peter Dinklage erhielt letzte Nacht für diese Rolle seinen vierten Emmy. Chapeau!

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„Game of Thrones“ stellt bei Emmys eigenen Rekord ein.
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Bei der Verleihung der Emmy Awards in Los Angeles ist die Erfolgsserie „Game of Thrones“ als beste Dramaserie ausgezeichnet worden.  © Matthias Halbig/AFP

Vorzuwerfen war allenfalls die Hast seit der siebten Staffel. Die Macher Benioff und Weiss flitzten ab Staffel sieben so Hals über Kopf ans Ende der Story, als sei ihnen „GoT“ lästig geworden, als steckten sie mit den Köpfen schon mitten in ihrem neuen „Star Wars“-Serienprojekt. Und deswegen gab es zu Recht auch keine Goldmädchen für die nominierten Drehbücher der beiden. Ein Ensemble-Emmy für all die unvergleichlichen Charakterköpfe der Serie hätte die 60-Emmy-Strecke für „GoT“ voll machen können. Diese Kategorie wird aber nicht verliehen – also blieb es im Microsoft Theater bei Standing Ovations für die sich verneigenden Stars.

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Sian Clifford, Phoebe Waller-Bridge und Andrew Scott.  @ Quelle: Getty Images
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Was nun ohne Westeros? Mag der von den „Game of Thrones“-Machern an Shakespeares „Julius Caesar“ angelehnte Bestattungsspruch der Nachtwache – „Ihresgleichen sehen wir nie wieder“ – für „GoT“ selbst durchaus gelten, so gibt es doch zur Genüge andersartige, großartige Emmy-gekürte Serien, die nun die Chance bekommen, von Serienfreunden wahrgenommen zu werden. Der Winter naht – ziehen Sie also sich warm an, muckeln Sie sich im Fernsehsessel ein und testen Sie mal die anderen Preisträger: Hinter „Ozark“ ("Herausragende Nebendarstellerin") etwa verbirgt sich ein fantastischer Thriller mit Witz, hinter „Pose“ ("Bester Hauptdarsteller") eine euphorisch-tieftraurige LGBTQ-Operette über die schrillen Achtzigerjahre. Und auch das London, das Phoebe Waller-Bridge im vierfach gekürten „Fleabag“ (beste Comedyserie, beste Comedy-Hauptdarstellerin, bestes Comedy-Drehbuch, beste Comedy-Regie) erschaffen hat, sollten Sie sich keinesfalls entgehen lassen.

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