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Gaby Köster zu Vorkehrungen für den Tod: „Damit will ich mich jetzt noch nicht beschäftigen“

Gaby Köster (vorne) mit ihrer Freundin Beate Bohr in der Camargue, Frankreich.

2008 hatte Comedian und Schauspielerin Gaby Köster (60) einen schweren Schlaganfall, der bis heute Folgen für sie hat. Seitdem sitzt sie im Rollstuhl. Erst 2011 trat sie damit an die Öffentlichkeit und kämpfte sich seitdem zurück. Unter anderem hat sie über den Schlaganfall und die Zeit danach das Buch „Ein Schnupfen hätte auch gereicht – meine zweite Chance“ geschrieben, das 2017 auch mit Anna Schudt verfilmt und später mit einem Emmy ausgezeichnet wurde. Nun ist Köster am 19. Januar ab 20.15 Uhr bei RTL in der Doku „Gaby Köster – Meine verrückte Bucket List“ zu sehen, in der sie sich lang gehegte Reisewünsche erfüllt und unter anderem in der Camargue auf einem Pferd reitet und eine Kommune in Frankreich besucht.

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„Bucket Lists“ zählen das auf, was man bis zu seinem Tod noch machen will. Haben Sie seit Ihrem Schlaganfall mehr Angst vor dem Tod?

Nein. Es ist ein Fakt, dass wir alle nicht lebendig aus dem Leben herauskommen. Ich habe überhaupt keine Angst vor dem Tod. Das wäre auch Quatsch, das ist Zeitverschwendung.

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War das schon immer Ihre Einstellung?

Ich habe das vorher auch schon so gesehen. Aber durch den Schlag ist mir etwas klar geworden. Jeder kennt es, dass man etwas machen will, und dann sagt: „Wenn ich Urlaub habe, dann ...“ oder „Wenn ich in Rente bin, dann ...“. Wir alle wissen nicht, was passiert. Ich schiebe nichts mehr auf die lange Bank. Im Hier und Jetzt leben ist wichtig. Ich bin nie eine Planerin gewesen. Das ging mit meiner Schwangerschaft los. Da meinten viele: „Wie kannst du jetzt, wo deine Karriere anfängt, interessant zu werden, ein Kind kriegen?“ Ich kann nicht nach Plan leben. Das habe ich von meinem Vater mitbekommen: Man muss im Leben improvisieren. Das habe ich auch versucht, meinem Kind zu vermitteln. Man sollte jeden Moment, den man hat im Leben, so schön wie möglich gestalten. Das ist durch den Schlag noch verstärkt worden.

Sie sagen zu Recht, wir gehen alle nicht lebend hier raus. Haben Sie bereits Vorkehrungen für Ihren Tod getroffen?

Nein, damit will ich mich jetzt noch nicht beschäftigen. Ich war selbst dem Tod nah, aber ich glaube, dass ich kurz vorher merke, wenn irgendwas ist, und dann noch schnell irgendwelche Dinge aufschreiben kann, die mir wichtig sind.

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Reiseträume mitten in der Pandemie erfüllen ist nicht das einfachste Vorhaben: Wie hat das funktioniert?

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Das lief alles sehr klasse. Frankreich ist super organisiert im Gegensatz zu unserer Republik. Die haben Apps, da gibt man alles ein, und zeigt es überall, und das klappt.

Wie hat das Reisen mit Rollstuhl geklappt?

Das hat sehr gut funktioniert. Man muss sich natürlich manchmal Wege suchen und Baustellen umrollen. Ich habe auf der Reise auch gemerkt, dass einige Behindertenhotelzimmer für Behinderte gar nicht mal so geeignet sind.

Lassen Sie sich gern helfen oder tun Sie sich schwer damit?

Ich tue mich damit sehr schwer. Ich sage mir immer: Deswegen musste ich das erleben, um das zu lernen. Ich habe jetzt in den 14 Jahren festgestellt, dass man, wenn man allein ist und bestimmte Dinge nicht schafft, ruhig mal die Bevölkerung ansprechen kann. Ich bin da noch nie abgelehnt worden, die Leute helfen gern. Sie haben aber auch manchmal selbst eine kleine Hemmschwelle, einen anzusprechen. Das ist auch die Aufgabe der Eingeschränkten, selbst auf die Leute zuzugehen und um Hilfe zu bitten.

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Die Reise hat Sie in Frankreich auch für ein paar Tage in eine Kommune geführt. Wie haben Sie das erlebt?

Das war hochinteressant. Mich erfreuen immer Lebensformen und Menschen, die ich nicht kenne. Das waren Selbstversorger aus der ganzen Welt mit Garten und allem drum und dran. Wie die da ihr Leben zusammen organisieren war spannend.

Wäre das ein Leben, das Sie sich auch für eine gewisse Zeit vorstellen könnten?

Ich habe ganz früher mal in einer WG gelebt – das ist nicht unbedingt meine Lebensform. Als ich meine Mäntel mit Leuten in der Stadt habe spazieren gehen sehen, fand ich das nicht so besonders. Und fettige Schwämme in der Spüle sind auch nicht meins. Aber für ein paar Tage ist das durchaus bereichernd, wenn man so was erlebt. Ich könnte das nicht dauerhaft. Ich kann nicht jeden Morgen diskutieren, wer jetzt was macht. Das war mir oft zu diskutierfreudig, zu basisdemokratisch.

Sie tauchen außerdem in der Doku ein in das Leben der „Reichen und Schönen“. Denken Sie, das Geld glücklich macht?

Nein, Geld kann das Leben verschönern. Aber glücklich wird man nur durch sich selbst, wenn man an sich arbeitet. Das hat mit dem Außen nicht viel zu tun.

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Was macht Sie am glücklichsten?

Mich macht Reisen sehr glücklich und andere Menschen und Kulturen kennenzulernen. Mich macht Kunst irre glücklich. Damit beschäftige ich mich schon seit Kindheitstagen, das gibt mir sehr viel. Wenn man dazu noch ein paar Euro hat, um im Sommer im Straßencafé zu sitzen und Leute zu beobachten, ist das auch nicht hinderlich. Aber die Kohle allein ist nicht das, was einen glücklich macht.

Hat Ihnen Ihr Beruf – die Comedy – auch dabei geholfen, optimistisch zu sein und Krisen wie Ihren Schlaganfall mit Humor zu nehmen?

Ja, absolut. Wenn ich mein Humorzentrum nicht hätte, wäre ich nicht mehr. Das hat sich schon im Krankenhaus gezeigt. Die Ärzte waren super traurig, als ich entlassen wurde. Als ich wieder sprechen konnte, saßen die auch schon mal auf meinem Bett und wir haben lustige Sachen gequatscht. Das ist mein Lebensprinzip: Man muss es sich, egal, wo und in welcher Lebenssituation man ist, so schön wie möglich machen. Wir sind nicht unendlich auf diesem wunderschönen Planeten und man muss aus jeder Situation, auch wenn sie noch so beschissen ist, versuchen, das Beste zu machen.

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Die Reise sollte auch eine zum eigenen, wahren Ich werden. Was haben Sie über sich selbst gelernt?

Ich habe gelernt, dass es gut ist, Wünsche zu haben, die, auch wenn sie erst mal unmöglich erscheinen, lange nicht unmöglich sind. Der Wunsch selbst ist schon ein kleiner Schritt hin zur Verwirklichung.

Was hat den Ausschlag gegeben, daraus nun auch wieder Ihre erste eigene Sendung nach dem Schlaganfall zu machen und nicht einfach privat zu reisen?

Ich habe oft in der Reha gehört: Dieses und jenes geht nie wieder. „Nie wieder“ sind für mich Worte, die kommen in meinem Sprachgebrauch nicht vor. Wenn man Wünsche hat, soll man die behalten und gucken, dass man sie sich doch erfüllen kann. Man muss ein bisschen Geduld und Mut haben. Wenn man dann den eigenen Schweinehund überwunden hat, steht einem nicht selten Großes bevor. Das will ich den Menschen zeigen. Auch Leuten, die vielleicht denken, sie trauen sich etwas nicht mehr zu. Es gibt für alles irgendeinen Weg.

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