Sechs Freunde müsst ihr sein: Warum „Friends“ wunderschönes Fernsehen war

  • Die TV-Serie „Friends“ wird 25 Jahre alt.
  • Sie traf in den Neunzigern exakt den Zeitgeist – und machte Jennifer Aniston zum Superstar.
  • Fans hoffen auf eine Fortsetzung – aber die ist mehr als unwahrscheinlich.
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Das sind sie wieder, alle sechs: Rachel, Monica, Phoebe, Joey, Chandler und Ross. 40,1 Millimeter groß und gelb. Etwas klobiger als die Originale, aber klar zu erkennen: Rachel mit ihrem ikonischen „The Rachel“-Haarschnitt, Ross mit seinem wuschigen Vertikalmob, Joey mit dem verschmitzten Grinsen des intellektuell herausgeforderten Italo-Gigolos. Lego hat die Sechserclique, ihr orangefarbenes Sofa und das „Central Perk“ als Modell für 79,99 Euro nachgebaut, jenes New Yorker Café, in dem sich die „Friends“ trafen, die von 1994 bis 2004 TV-Geschichte schrieben. Sie sind ein Lego-Bestseller, heute noch.

Nur Jennifer Aniston wurde ein Superstar

„Insomnia Café“, das „Café der Schlaflosen“, sollte die Sitcom ursprünglich heißen. Den beiden Erfindern David Crane und Marta Kauffmann schwebte eine Serie vor, die das urbane Lebensgefühl der Neunzigerjahre spiegeln sollte, ohne großkotzig oder arrogant zu sein. Nach der emotionalen Kälte der Achtziger, nach dem TV-Zeitalter der hochgerollten, fliederfarbenen Jacketärmel, verbissenen Clans und bösen Intrigen („Dallas“, „Denver“) schufen sie ein Großstadtidyll als Familiensurrogat. „Es geht um Sex, Liebe, Beziehungen, Karrieren in einer Zeit des Lebens, in der alles möglich scheint“, heißt es in dem siebenseitigen Entwurf, mit dem sie 1993 den Sender NBC überzeugen wollten. „Und es geht um Freundschaft, denn wenn du Single bist und in der Stadt lebst, sind deine Freunde deine Familie.“

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Das bekannteste Sextett der Generation X: Die „Friends“-Darsteller (v.l.) Matthew Perry, Courteney Cox, Matt LeBlanc, Lisa Kudrow, David Schwimmer und Jennifer Aniston.

NBC schlug zu. Der Rest ist Fernsehgeschichte. Vor 25 Jahren, am 22. September 1994, lief in den USA die erste von insgesamt 236 Folgen. Von Beginn an, seit Jennifer Aniston alias Rachel von der Hochzeit mit ihrem Verlobten Barry ins „Central Perk“ flüchtete, hatte die Show eine Sogwirkung. Die bis dahin noch weitgehend unbekannten Schauspieler Aniston, Courteney Cox, Lisa Kudrow, David Schwimmer, Matthew Perry und Matt LeBlanc hatten das Los ihres Lebens gezogen. 20.000 Dollar pro Person und Folge. Zuletzt kassierten sie eine Million Dollar. Jeder der sechs „Friends“ verdiente am Ende rund 80 Millionen Dollar mit der Show. Keiner der sechs war ersetzbar. Und sie wussten es. Zum echten Superstar aber wurde am Ende nur Jennifer Aniston, die verwöhnte Rachel. Die anderen fünf blieben im Geschäft, aber in einer niedrigeren Karriereumlaufbahn.

52 Millionen Menschen sahen das Serienfinale

Handwerklich lag der Erfolg in der perfekten Balance zwischen Sitcom und Seifenoper, zwischen Komik und Tragik. Emotional aber gelang „Friends“ viel mehr: Anders als „Seinfeld“, als die „Simpsons“ oder „Beavis und Butt-Head“ – andere große TV-Trendsetter der Ära – brauchte „Friends“ keinen Zynismus, um wirksam zu werden. Man hat das nicht oft, dass die Chemie eines Sextetts derart präzise aufeinander abgestimmt ist und dabei derart unterhaltsam das Hadern, Suchen, Ausprobieren, Verzweifeln und Feiern von jungen Menschen in den Neunzigerjahren dokumentiert – und ihre Beziehungsunfähigkeit. Die Überforderung in einer Lebensphase voller Entscheidungen und Enttäuschungen funktioniert bis heute: Bei Netflix laufen alle zehn Staffeln. „Friends“ hat auch junge Fans, nicht nur Nostalgiker.

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Sechs Stars feiern ihren Erfolg: David Schwimmer, Lisa Kudrow, Matthew Perry, Courteney Cox, Jennifer Aniston und Matt LeBlanc (v.l.) 2002 bei der Verleihung der Emmys in Los Angeles. © Quelle: Lee Celano/epa afp/dpa

Die US-Satirezeitschrift „Onion“ bezeichnete die Neunzigerjahre jüngst augenzwinkernd als „unseren langen nationalen Albtraum von Frieden und Wohlstand“: Nirvana, „Pulp Fiction“, zwei „Staffeln“ Bill Clinton, „Friends“ und MTV – da wird mancher weich, auch hierzulande. 52 Millionen Amerikaner sahen 2004 das „Friends“-Finale nach zehn Staffeln. Es war das meistgesehene Staffelende der Nullerjahre. Zu denen, die in aller Welt dank „Friends“ ihr Englisch verbesserten, gehörte auch Jürgen Klopp, Trainer des FC Liverpool. „Ich mochte die Mädchen lieber als die Jungs“, sagte er britischen Medien. Für die „New York Times“ ist „Friends“ das „einflussreichste Porträt der Generation X, das die amerikanische Popkultur jemals hervorgebracht hat“.

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Die Neunziger sind endgültig Geschichte

Es gab natürlich ein paar TV-Nachfolger, die auch einen Zipfel vom Mantel des Zeitgeistes erwischten. „How I Met Your Mother“ etwa, ein würdiger Nachbau, nur dass die Clique diesmal in der Kneipe sitzt, nicht im Café. Oder die Schrate von „The Big Bang Theory“, jenem Dauerbrenner, der die allgemeine Nerdisierung der Welt als Folie für eine putzige Freakparade nutzte. An „Friends“ reichen sie alle nicht heran. Immer wieder war von einem Kinofilm oder einer Fortsetzung die Rede. Doch ein erstes Spin-off rund um Joey überlebte nur zwei Staffeln. Die Wiedervereinigung wurde mehrfach abgesagt. Die Neunziger sind endgültig Geschichte.

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