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Flutopfer aus NRW klagt bei „Markus Lanz“ an: „Wir sind nicht gewarnt worden“

  • „Alles verloren, alles weg“: Im ZDF-Talk „Markus Lanz“ schildern Betroffene der Flutkatastrophe ihr Schicksal.
  • Außerdem wird die Frage nach fehlenden Warnungen laut.
  • Zu Gast sind unter anderem auch der Oberbürgermeister von Trier und der ARD-Meteorologe Sven Plöger.

Kleine Bachläufe, die in unglaublichem Tempo zu reißenden Wassermassen anschwellen und ganze Häuser mitreißen: Die Flutkatastrophe in Westdeutschland hat eindrücklich die Kraft und die Unerbittlichkeit der Natur gezeigt. Dutzende Menschen ließen in den Fluten ihr Leben, und Tausende von Bürgerinnen und Bürgern stehen vor den Trümmern ihrer Existenz. Hätte man besser vorbereitet sein können auf diese Katastrophe? Wie hat sich die Politik geschlagen? Und was hat der Klimawandel mit der Flut zu tun? Diesen Fragen und mehr widmete sich am Dienstagabend der ZDF-Talker Markus Lanz mit seinen Gästen.

Besonders eindrücklich waren die Schilderungen des Flutopfers Tina Rass aus Rösrath in Nordrhein-Westfalen. „Wir konnten nichts mehr retten, nur noch uns retten“, berichtete sie. Ein Fluss nahe dem Haus, der normalerweise Wasser in Höhe von 70 Zentimeter führe, sei auf fünf Meter angestiegen. „Alles verloren, alles weg“, bilanzierte Rass, die von Todesopfern aus der Nachbarschaft sprach - und schwere Vorwürfe erhob: „Wir sind nicht gewarnt worden. Gar nicht.“ Auf der dafür gedachten NINA-App sei nichts angezeigt gewesen. Außerdem klagte Rass: „Es waren keine Sirenen, keine Warnungen, es war nichts.“

Triers Oberbürgermeister: „Wasser kam wirklich von allen Seiten“

Auch Wolfram Leibe, Oberbürgermeister von Trier, erlebte die Flut hautnah mit. „Das Wasser kam wirklich von allen Seiten“, erinnerte er sich in der ZDF-Sendung. Die Strömung sei so stark gewesen, dass nicht einmal Rettungsboote eingesetzt werden konnten. „Diese unmittelbare Gewalt war unglaublich erschreckend. Man ist ausgeliefert.“ Den fehlenden Nachdruck bei den Wetterwarnungen erklärte Leibe damit, dass man sich die Wucht einer solchen Naturkatastrophe hierzulande nicht hätte vorstellen können. „Wir in Deutschland leben in einer ganz, ganz großen Sicherheitsblase: Uns kann nichts passieren. Und diese Sicherheitsblase ist bei uns kaputtgegangen“, versuchte er zu erläutern.

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Einsichtig zeigte sich Sven Plöger. Der ARD-Meteorologe gestand im Nachhinein, nicht explizit genug vor der drohenden Katastrophe gewarnt zu haben. „Da hätte man sicher noch mehr Gas geben können.“ Allerdings habe er derart drastische Ereignisse nicht erwartet, und vor der Warnung vor Todesopfern halte „man sich sehr zurück“, verteidigte sich Plöger. Nur Experten oder Behörden an den Pranger zu stellen, war ihm jedoch zu einfach. Er sehe bei den Bürgern eine „sehr intensive Einschätzungs-Problematik“, bemängelte der Wetterexperte und wies auf Videos hin, die Menschen zeigen, „die noch ins Wasser rein gelaufen sind. Wie kann man sowas machen?“, fragte Plöger.

„Gegen solche Ereignisse konnte man sich vorbereiten“

Ähnlich sah es Beate Ratter, Professorin für Geografie an der Universität Hamburg, die sagte: „Wir haben das Problem: Sind die Leute offen dafür, zu hören, wovor Meteorologen warnen?“ In diesem Zusammenhang zog die Wissenschaftlerin Parallelen zur Hamburger Sturmflut 1962: „Da wurde auch gewarnt. Da wurden auch die richtigen Worte gesagt. Aber es kam nicht an.“ Die aktuelle Flutkatastrophe nannte Ratter einen „klassischen schwarzen Schwan“, also „ein Ereignis, das man sich nicht vorstellen kann, aber trotzdem möglich ist“.

Doch was hat nun der Klimawandel mit der Katastrophe zu tun? Zwar seien dessen Einflüsse unbestreitbar, aber sie seien eben nicht die einzige Erklärung, wie „Welt“-Journalist Axel Bojanowski anmerkte. „Diese Regenmengen sind zu erwarten. Die gehören zum deutschen Klima dazu. Das ist keine neue Dimension“, merkte der studierte Geologe an. Dem setzte Andreas Geron, Bürgermeister von Sinzig, entgegen, man habe sich sehr wohl vorbereitet, aber: „Wir haben maximal mit einem 200-jährigen Hochwasser gerechnet“, sagte der zugeschaltete Bürgermeister - und nicht mit dem tatsächlichen „10.000-jährigen Hochwasser“. Die Ausmaße hätten „unsere Vorstellungskraft gesprengt“.

RND/Teleschau

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