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Finale der Sky-Serie „Tin Star“: Am schlimmsten ist es immer zu Hause

Vom Polizeichef in Kanada zum Racheengel in England: Tim Roth schlüpft zum letzten Mal in die Rolle des unberechenbaren Familienvaters Jim in der Serie „Tin Star“.

„Nur ein Bierchen“, sagt der Ziehvater vor dem Besuch der Bingohalle zur Ziehtochter. Familie ist wichtig, Erziehung ist immer und das Wichtigste dabei sind Grenzen. Aber: Darf man nicht auch mal zwei Blonde aus Gläsern entfernen, wenn man schon äußerste Gewalt erlebt und sie auch ausgeübt hat? Wenn man als Familiendreigespann aus den kanadischen Rockies zurückkehrt nach England, um alte Rechnungen zu begleichen? Eine Liste mit Namen muss abgearbeitet werden, und abgearbeitet ist sie erst, wenn alle Namensträger keine Konkurrenten um Atemluft mehr sind. Anna ist also in jeder Hinsicht erwachsen und alle Grenzen sind längst aufgehoben. Und siehe da: Am Ende des Abends tanzt sie dann auch in einer Cocktailbar, um einige Promille reicher, zu anstrengender Neunzigerjahre-Clubmusik.

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Die Worths – Jim (Tim Roth), Angela (Genevieve O’Reilly) und Anna (Abigail Lawrie) – sind zurück in merry old England. Der Neuanfang in Little Big Bear am Fuß der Rocky Mountains hatte sich binnen zwei Staffeln von Rowan Joffés Serie „Tin Star“ in etwas verwandelt, das nicht beabsichtigt war. Jim wurde Polizeichef des kanadischen Fracking-Städtchens, womit der Traum vom friedlichen Leben praktisch zu Ende war.

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Leichen pflasterten den Weg der Worths und unter Einfluss von ein paar Drinks zu viel verwandelte sich der umgängliche Jim in seine superbrutale Hyde-Persönlichkeit Jack Devlin. Am Ende blieb nur die Flucht zurück. Dorthin, wo der jüngst verstorbene Gerry Marsden mit seinen Pacemakers einst die „Ferry Cross The Mersey“ besang, in die Stadt, über die sowohl Katrina and the Waves als auch die Bangles befanden: „I’m going down to Liverpool to do nothing / all the days of my life“. Die Worths freilich tun binnen kurzer Zeit sehr viel.

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In der Beatles-Stadt heißt es: „All you need is death“

Und so heißt es in der Beatles-Stadt bald „All you need is death“. Alte Dämonen kommen angekrochen, und wie mächtig sie sind, zeigt eine gewalttätige Rückblende ebenso wie eine Szene, in der Mama Angela knietief im Wasser des Flusses steht und aus Leibeskräften in den Wind schreit. Danach erwidert sie den Heiratsantrag von Jim. Und der Priester wird alsdann mit dem Revolver an der Stirn aus dem Schlaf gerissen, muss die Trauung mit blutender Nase vollziehen. Und danach? Na ja, wir wollen nicht zu viel spoilern, aber sein Name steht auch auf der Liste.

Man muss das alles gesehen haben. „Tin Star“ ist eine reichlich überschnappende Familien-/Actionserie. Bester Stoff noch im dritten Durchgang für all die, die auch mit der Zunge schnalzen, wenn die Casinobetreiberfamilie Byrde in der Netflix-Serie „Ozark“ sich in einer weiteren Staffel ein normales Leben errichten will, was auch dort wieder und wieder von eruptive Gewalt zeitigenden Plotwendungen zunichtegemacht wird. Alles könnte netter sein als selbst beim idyllischen „Brady Buch“, stattdessen wird es mörderisch wie in Sam Peckinpahs Western „Wild Bunch“. „Tin Star“ ist Wildwest in England – blutig, actionreich, comichaft, over the top.

Zu Hause ist es immer am schlimmsten. Der gebürtige Liverpooler Ian Hart, der uns zuletzt als Priester Beocca in der Wikingersaga „The Last Kingdom“ glauben machen wollte, dass das finstere Mittelalter durch herzensgute Menschen aufgehellt werden konnte, ist der würdige Gegenspieler der Worths. Auch er glaubt, den Rückkehren noch jeweils eine Kugel schuldig zu sein. Dass er über die Leichen der Worths gehen wird, glaubt man ihm jede Sekunde.

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Beruflich ist Harts Figur Michael Ryan ein Baulöwe. Er will ein Zig-Millionen-Loftprojekt auf wackeligem Grund errichten. Karachokapitalisten waren schon immer die besten Monster. Die Cops, die ihm gegen die Worths zur Seite stehen, sind gegen ihn reinste Witzfiguren. Aber selbst Witzfiguren – sofern es nur britische sind, wie hier – haben was!

„Tin Star“, dritte und letzte Staffel, bei Sky, sechs Episoden, von Rowan Joffé, mit Tim Roth, Genevieve O’Reilly, Ian Hart, Abigail Lawrie (seit 4. Februar)

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