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Krimi aus Ludwigshafen

Im „Tatort“ wurde aus Frauenhass gemordet: Wie viele Femizide gibt es in Deutschland?

Femizidbösewicht im Dienste der Bundeswehr: War Hauptmann Kessler, gespielt von Götz Otto, im „Tatort: Das Verhör“ ein Frauenhasser, wie es ihn nur im Film geben kann?

Femizidbösewicht im Dienste der Bundeswehr: War Hauptmann Kessler, gespielt von Götz Otto, im „Tatort: Das Verhör“ ein Frauenhasser, wie es ihn nur im Film geben kann?

Ob die Bundeswehr glücklich war mit dem Start in die „Tatort“-Saison? Zwar zeigte der Ludwigshafener „Tatort: Das Verhör“ mit Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und Johanna Stern (Lisa Bitter) auch eine moderne weibliche Truppenchefin (Katrin Röver als Oberstleutnant), aber eben auch als Hauptfigur/Bösewicht den antifeministisch gewalttätigen Hauptmann Kessler, der zudem vom ehemaligen James-Bond-Gegenspieler Götz Otto gespielt wurde. Wie überzogen, spannend, realistisch oder gaga war dieser Verhörthriller rund um lebendig verbrannte, weibliche Opfer? Und wie oft kommt Mord aus Frauenhass tatsächlich in Deutschland vor?

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Worum ging es im „Tatort: Das Verhör“?

Investmentbankerin Ann-Kathrin Werfel wurde grausam getötet, indem man sie lebendig verbrannte. Der erste Verdacht fällt auf ihren Ex-Ehemann Patrick Werfel (Jonathan Müller), dem das Mordopfer früher schon häusliche Gewalt vorgeworfen hatte. Werfel allerdings präsentiert ein bestens bezeugtes Alibi. Die Spur eines Pickup-Transporters führt dann zu Bundeswehroffizier Kessler (Götz Otto). Bei weiteren Ermittlungen erhärtet sich die Indizienlage gegen den süffisant freundlich-korrekten Hünen. Während eines Verhörmarathons wird klar: Dieser Mann tut sich schwer mit Frauen in Macht- und Führungspositionen. Doch wie gefährlich oder tatfähig ist der Hauptmann wirklich?

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Worum ging es wirklich?

Um zu erkennen, dass hier von extremer toxischer Männlichkeit erzählt wird, brauchte man kein Soziologiestudium. Offizier Kessler und seine von starken Frauen gedemütigten „Follower“ waren ziemliche Comicbösewichte, deren verletzte Männlichkeit auch vor komplex erdachten Tötungsarrangements nicht zurückschreckte. Ausgedacht hat sich diesen Krimi Stefan Dähnert, der unter anderem die beiden legendären Odenthal-Folgen „Tod im Häcksler“ (1991) sowie dessen stimmungsvolle Fortsetzung „Die Pfalz von oben“ (2019) mit Ben Becker schrieb. Vor allem letzterer Film war ein stimmungsvoller, psychologisch durchaus komplexer Stoff. Wobei Dähnert eben auch nicht vor dem Holzhammer respektive Häcksler zurückschreckt. Sein neuer „Tatort: Das Verhör“ beinhaltet zwar lange Wortduellszenen, dennoch ist der Film in seiner überzogenen Handlungsdrastik eher ein Frauenhass-B-Movie. Unterhaltsam, aber auch ein bisschen gaga.

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Wie viele Femizide gibt es in Deutschland?

Der Begriff Femizid kommt aus dem Englischen („Femicide“) und wurde 1976 von der Soziologin Diane Russell geprägt. Gemeint ist die vorsätzliche Tötung von Frauen, weil sie Frauen sind. Meist werden die Taten durch männliche Partner oder Ex-Partner verübt. Doch auch Tötungen von Frauen und Mädchen durch Familienmitglieder – zum Beispiel sogenannte „Ehrenmorde“ – und im Kontext sexualisierter Gewalt werden in der Statistik erfasst. Das Bundeskriminalamt (BKA) liefert zur Femizidhäufigkeit in Deutschland über die letzten Jahre folgende Opferzahlen: 135 (2015), 155 (2016), 147 (2017), 122 (2018), 117 (2019), 139 (2020).

Woher kennt man „Bösewicht“ Götz Otto?

Schlagartig bekannt wurde der 1967 in Offenbach geborene Hüne als Handlanger des Chef-007-Gegenspielers Elliot Carver (Jonathan Pryce) im James-Bond-Film „Der Morgen stirbt nie“ (1997). Der 1,98 Meter große Götz Otto, ausgebildet an der renommierten Münchener Otto-Falckenberg-Schule, passte von seiner Physis einfach zu gut ins Klischeebild des blonden deutschen Bad Guys, als dass man ihn übersehen hätte können. Danach hatte der privat besonnen wirkende, sozial engagierte Familienvater (vier Kinder, heute bei München wohnend) lange Zeit sein Image als Brutalohüne weg. Beispiele: In Oliver Hirschbiegels „Der Untergang“ (2004) war er Sturmbannführer Otto Günsche. 2005 agierte er als Bösewicht Harry Melton im Ensemble der Karl-May-Spiele Bad Segeberg. Zuletzt war Otto im März 2022 im starken Franken-„Tatort: Warum“ zu sehen. Man will nicht spoilern, ob als „Guter“ oder „Böser“, aber sagen wir es so: Er blieb seinem Image treu.

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Wie geht es beim Ludwigshafener „Tatort“ weiter?

Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und Johanna Stern (Lisa Bitter) werden voraussichtlich in der ersten Jahreshälfte 2023 mit „Lenas Tante“ zurückkehren. Auch dieses Drehbuch stammt von Stefan Dähnert. Tom Lass („Druck“, „Liebe. Jetzt!“) inszenierte seinen ersten „Tatort“. Worum geht es? Lena Odenthal wird von ihrer Tante (Ursula Werner), einer ehemaligen Staatsanwältin, besucht, die sich immer stärker für den aktuellen Fall um einen mutmaßlich ermordeten Rentner interessiert. Je mehr die Tante geheim hält, desto merkwürdiger scheint ihre Verhalten Odenthal, sodass sie beginnt, ihr trotz des eigentlich guten Verhältnisses zu misstrauen.

RND/Teleschau

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