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ARD-Film am Mittwoch

Bodenseekomödie „Familienerbe“: Wenn es ums Erben geht, ist Schluss mit dem Frieden

Mit Humor decouvriert die Tragikomödie „Familienerbe“ eine Patchworkfamilie, in der um ein Haus, um Lebensentwürfe und Diversität gerungen wird.

Mit Humor decouvriert die Tragikomödie „Familienerbe“ eine Patchworkfamilie, in der um ein Haus, um Lebensentwürfe und Diversität gerungen wird.

Küssen kann ja so gefährlich sein. Vor allem, wenn man dabei im Auto sitzt, der Wagen langsam unkontrolliert weiterrollt und erst mitten auf Eisenbahnschienen zum Halten kommt. Und wenn sich dann auch noch ein Zug nähert, die Küssenden dies nicht bemerken, ist wirklich: Feierabend! Genau dies geschieht Georg (Walter Kreye) und Regine Schlegel (Sabine von Maydell), einem älteren Ehepaar, das sich nach einem Streit mit einem leidenschaftlichen Kuss gerade versöhnt hat. Regine ist nach dem Zusammenstoß auf der Stelle tot, Georg überlebt den Unfall zwar erst, stirbt aber nach wenigen Tagen. Ein Tatbestand, der für den Verlauf der Tragikomödie „Familienerbe“ noch Folgen haben wird.

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So dramatisch beginnt der von Holger Haase inszenierte Film (Drehbuch: Simone Kollmorgen), der dann im Fortgang der recht verzwickten Geschichte leider immer harmloser wird, bis sich am Ende alles im schönsten harmonischen Wohlgefallen auflöst. Und man fragt sich beim Zuschauen, warum dieser Film von der ARD am Mittwochabend gezeigt wird, dem Sendeplatz für eher ambitioniertere Geschichten, und nicht am von seichten Lustspielen dominierten Freitag. Die Wege der Programmverantwortlichen sind bisweilen unergründlich.

„Familienerbe“ hat auch seine guten Seiten

Doch bei aller Kritik, „Familienerbe“ hat auch seine guten Seiten. Streckenweise ist die erzählte Geschichte nicht nur irgendwie nett, sondern durchaus amüsant. Viele Dialoge sind tatsächlich zum Schmunzeln, aktuelle Themen wie die Genderdebatte werden geschickt aufgegriffen. Und auch das Ensemble überzeugt. Allerdings sind alle so friedsame, bürgerlich-gediegene Zeitgenossen, dass man viel zu schnell ahnt, dass die Story nur harmonisch ausgehen kann.

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Aber der Reihe nach: Der Tod von Georg und Regine stürzt ihre Familie in ein ziemliches Chaos. Verunglückt sind die beiden ausgerechnet an ihrem Hochzeitstag, und eigentlich hatten ihre Kinder für sie eine Überraschungsparty organisiert. Versammelt haben sich im elterlichen Haus direkt am Bodensee Leo (Christine Hecke), die leibliche Tochter von Georg, Maren (Ulrike C. Tscharre), die leibliche Tochter von Regine, und Mattes (Lucas Prisor), der einzige Sohn beider Eltern. Mit dabei sind auch ihre jeweiligen Partner. Und Judith (Anne-Marie Lux), eine von Georgs Kunststipendiatinnen, die sich später als seine leibliche Tochter herausstellt. Kurzum: Die ganze Sippe ist eine prächtige Patchworkfamilie, die bisher trotz ihrer unterschiedlichen Wege gut miteinander ausgekommen ist.

Schluss mit Familienfrieden

Doch nun nach dem Tod ihrer Eltern ist Schluss mit Familienfrieden, nun geht’s ans Erben: Wer bekommt die alte Villa und ein mögliches Vermögen? Alle könnten das erhoffte Geld gut und dringend gebrauchen. Mattes, weil er gerade mal wieder ein Projekt in den Sand gesetzt und daher hohe Schulden hat. Leo, die Genderforscherin, will mit ihrer neuen Partnerin Lissai (Ivy Quainoo) eine „Wohnwerkstatt für Andersorientierte“ errichten. Und Maren, die mit Mann (Torben Liebrecht) und Sohn schon im Haus wohnt, will dort Ferienwohnungen einrichten. Geld kann man schließlich immer gebrauchen, vor allem wenn der Angetraute mehr schlecht als recht von seinem Fährbetrieb lebt. Ganz ähnlich geht es auch Judith, die bisher mit ihrer Kunst nichts verdient hat. Was angesichts ihrer Bilder auch nicht weiter wundert.

Das Chaos ist perfekt, da Interessen und Ansprüche völlig unterschiedlich sind. Es kommt zu kleinen, aber feinen Intrigen, zu netten Sticheleien und Wortgefechten, auch zu Liebeleien und Eifersüchteleien. Jeder kämpft gegen jeden. Und zu guter Letzt sorgen auch noch ein verschwundenes Testament und vor allem das komplizierte Erbrecht für ein herrliches Durcheinander. Doch als sich dann herausstellt, dass hohe Schulden auf der Villa lasten, müssen alle plötzlich an einem Strang ziehen.

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„Familienerbe“ läuft am 6. April ab 20.15 Uhr in der ARD.

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