Fahri Yardims „Safahri“: Ein Großstädter auf Umweltentdeckungstour

  • Der Dokukanal Sky Nature schickt Schauspieler Fahri Yardim ab diesem Dienstag (9. September) auf „Safahri“ durch Deutschland.
  • Der Großstädter umarmt Bäume, informiert über den Geschlechtsakt von Wildschweinen und besteigt Gletscher.
  • Das ist eher lustig als erkenntnisreich, findet RND-Kritiker Jan Freitag – aber vielleicht hilft es ja trotzdem.
Jan Freitag
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Die überwältigende Pracht unberührter Natur bringt Menschen, die sich nur ausnahmsweise darin aufhalten, verlässlich zum Staunen – also besonders solche aus der Großstadt. „Mann“, ruft einer davon deshalb ganz aufgeregt durch den Westthüringer Nationalpark Hainich, „hier ist ja richtig Wald!“ Und weil er, also der Mensch, nicht irgendwer ist, sondern der Schauspieler Fahri Yardim, wirkt dessen Überwältigung sogar noch etwas größer als die Pracht abertausender Rotbuchen ringsum.

Auftrag erfüllt!

Der Kreuzberger aus Hamburg, nebenberuflich Schauspieler, hauptberuflich, nun ja: eben Fahri Yardim, wird ab diesem Donnerstag (9. September) von Sky Nature durchs eigene Land geschickt, um die Zuschauerinnen und Zuschauer für dessen ursprüngliche Umwelt zu interessieren – also für das, was davon noch übrig ist. Da hilft es offenbar sehr, einen A-Promi aus urbanem Habitat abzuordnen. „Sehen Sie mich an!“, fordert er mit festem Blick in die Kamera und fragt: „Sehen Sie den Stress, sehen Sie die Großstadt, sehen Sie den Zyniker?“ Sehen wir! „Während die Welt den Bach runtergeht“, fügt er am Anfang seiner „Safahri“ hinzu, „kriege ich den Arsch nicht hoch.“

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Fahri Yardim läuft durch seine Heimat

Was nur teilweise stimmt. Denn Fahri Yardim kriegt ihn ja doch hoch. Und zwar viermal 45 Minuten, in denen der deutsche Sohn türkischer Eltern durch seine Heimat läuft. Also: Turnschuhe aus, Wanderstiefel an, Kodderschnauze auf, etwas Demut dazu – so begibt er sich auf die Suche nach Erkenntnisgewinnen über den Zustand der Biosphäre im zersiedelten Deutschland. Nur: Es gibt sie kaum, diese Erkenntnisgewinne.

Wenn das Großstadtgewächs mit dem Naturburschen Jörg Hartmann im Thüringer Boden nach Regenwürmern wühlt, setzt Regisseur Heiko Lange diesen Erdaushub fraglos wundervoll in Szene. Wenn sich der hyperurbane „Tatort“-Star mithilfe einer leicht esoterischen „Waldbademeisterin“ vom betonierten Berlin entfremdet, wirkt sein kindliches Lachen über ihre Wir-spüren-die-Schöpfung-Esoterik angenehm befreiend. Wenn er mit dem Glaziologen Felix Keller einen Gletscher besteigt, dann sind die Bilder der Schweizer Alpen natürlich allesamt atemberaubend.

Mit Fahri Yardim geht es naturgemäß vor allem um Fahri Yardim

Gelegentlich eingeblendete Infos über bundesweit aktuell 90 Milliarden Bäume oder jährlich 12,7 Millionen Tonnen Plastikmüll in den Weltmeeren aber täuschen nicht darüber hinweg, dass es mit Fahri Yardim naturgemäß vor allem um Fahri Yardim geht: seine Schlagfertigkeit, die Bildschirmpräsenz, das zweifellos oft brüllend komische Geschick, sich freiwillig zum Deppen zu machen und gerade dadurch ernster zu nehmen, als er ist. „Halleluja-ding-dong“, wiehert er dann durchs Gehölz und fügt über anwesende Wildschweineber Wissen über deren Leistungsfähigkeit bei der Fortpflanzung hinzu, dass deren „Höhepunkt“ nämlich bis zu sechs Minuten währen könne.

Auf der „Safahri“ spricht demnach spürbar kein umweltschutzinteressierter Hobbyforscher, sondern einer von zwei „Jerks“ aus der gleichnamigen Fremdschamcomedy auf Joyn+ mit Christian Ulmen. Das ist auch völlig okay. Massentaugliches Fernsehen bedient sich seit seinen Anfängen schon der Prominenz seiner Protagonisten, um Wirkung zu erzielen. Ein Effekt, den der Klimawandel nur noch dringlicher braucht. Anders als Hannes Jaenicke oder – etwas internationaler – Leonardo DiCaprio aber, die ihre Popularität ebenfalls für Umweltschutzanliegen verwertbar machen, lenkt (Sa-)Fahris Hang zur humoristischen Selbstdarstellung hier bloß ab.

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Ist es nicht der Humor, dank dem manche Ka­tas­tro­phe erträglicher wird?

Einerseits. Denn andererseits: Ist es am Ende nicht der Humor, dank dem so manche Mensch­heits­ka­tas­tro­phe erträglicher wird und nebenbei tiefe Einsichten ermöglicht? Hilft ein bisschen heitere Gelassenheit wie jene von Fahri Yardim womöglich, die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen etwas besser zu verstehen? Womöglich ja.

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Besser heiter weiter als allen Ernstes stillstehen.

„Safahri“ ist ab dem 9. September streambar bei Sky und läuft am 9. September im linearen TV auf Sky Nature ab 20.15 Uhr.

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