Ex-„Tatort“-Kommissar spielt jetzt Mordverdächtigen

  • Sebastian Bezzel ist an diesem Wochenende in zwei Filmen zu sehen: Im Tatort „Maleficius“ und in „Echte Bauern singen besser“.
  • Bis 2016 war Bezzel „Tatort“-Kommissar am Bodensee, nun spielt er in Ludwigshafen einen Mordverdächtigen.
  • Im RND-Interview spricht er über seine Wandelbarkeit, medizinische Fortschritte und darüber, mit wem er sich seine Filme ansieht.
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Von 2004 bis 2016 spielte Sebastian Bezzel im Bodensee-„Tatort“ den Kommissar, nun kehrt er zu der deutschen Krimireihe zurück. Am Sonntag, 8. September (20.15 Uhr), ist er im Ludwigshafen-„Tatort“ „Maleficius“ zu sehen – diesmal als Mordverdächtiger. Einen Tag zuvor ist der Schauspieler bereits in dem ARD-Film „Echte Bauern singen besser“ (20.15 Uhr) zu sehen – in gleich zwei Rollen. Im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) spricht er darüber, wie er sich auf die verschiedenen Rollen einstellt, was er von den im „Tatort“ aufgeworfenen medizinischen Theorien hält und mit wem er sich seine fertigen Filme ansieht.

Sebastian Bezzel, Sie waren lange „Tatort“-Kommissar am Bodensee. Im Tatort „Maleficius“ am kommenden Sonntag sind Sie jetzt Mordverdächtiger. War das eine große Umstellung?

Überhaupt nicht. Es ist ja schon vier Jahre her, dass ich meinen letzten „Tatort“ gedreht habe, und es ist als Schauspieler ganz normal, dass man verschiedene Rollen spielt. Es ist toll, dass das ein „Tatort“ war, aber es könnte genauso gut auch ein ZDF-Krimi sein. Das hat man beim Drehen nicht die ganze Zeit im Kopf.

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Sie spielen in dem „Tatort“ einen größenwahnsinnigen Forscher, der mit Menschen experimentiert und am Ende der Polizei entkommt. Können wir erwarten, Sie in einem späteren „Tatort“ als Bösewicht Professor Bordauer wiederzusehen?

Ich wurde noch nicht angefragt und hatte darüber noch gar nicht nachgedacht. Aber jetzt, wo Sie es sagen, haben Sie mir ein kleines Teufelchen in den Kopf gesetzt. Warum nicht? Ich wäre vorerst offen dafür, aber man muss immer erst das Drehbuch lesen.

Ihre Figur im „Tatort“ glaubt daran, dass man das Böse im Menschen mit in das Gehirn eingebauten Platinen bekämpfen kann. Was halten Sie von der Theorie?

Ich habe mich etwas eingelesen und dann damit aufgehört, weil es mir Angst gemacht hat, was alles irgendwann mal möglich sein wird. Ich glaube, da werden wir uns noch ganz schön umschauen. Das ist wie jeder Fortschritt in der Medizin – ich sage nur Reproduktionsmedizin –, die kommen ja immer mit Traditionen und der Moral in Konflikt. Aber ich frage mich: Fangen die Leute dann an, sich nur noch zu optimieren? Auf der anderen Seite kann man sicher auch tolle Sachen damit erreichen.

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Sie sind nicht nur am Sonntag im „Tatort“ zu sehen, sondern am Samstag auch im ARD-Film „Echte Bauern singen besser“. Umstellungen zwischen Rollen scheinen Ihnen nicht schwerzufallen. Was ist Ihr Trick, um sich immer wieder auf komplett neue Rollen einzulassen?

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Es ist kein Trick, den man einfach anwenden kann. Ich versuche, jede Rolle bei null anzufangen, also möglichst naiv an sie heranzugehen. Das gehört zum Beruf des Schauspielers. Wenn man eine neue Aufgabe hat, muss man neutral herangehen und gucken, was dahintersteckt.

In „Echte Bauern singen besser“ spielen sie gleich zwei verschiedene Rollen – den abgestürzten Rockstar Gromberg und den eher zurückhaltenden, im Leben stehenden Bauern Sven, der dessen Double darstellen soll. Was war das Schwierigste daran?

Es ist einfach sehr viel. Ich habe, kurz bevor der Film losgegangen ist, noch mal einen kleinen Panikschub bekommen und mich gefragt, wie ich das alles machen soll mit zwei Rollen. Was mir sehr geholfen hat, ist, dass wir die ersten vier, fünf Tage nur in der Bauernrolle gedreht haben, dann zwei Drehtage nur als Gromberg, und dann fing es erst an, dass wir es an einem Tag gemischt haben. Und irgendwann hat es natürlich auch total Spaß gemacht, gerade die Szenen, wo man mit sich selbst spielt.

Welche Figur hat Ihnen mehr Spaß gemacht?

Ohne dem Sven Böses zu wollen: Natürlich macht der Gromberg mehr Spaß. Das ist die Rolle gewesen, bei der man dem Affen Zucker geben, ausflippen, richtig Gas geben und sich auch hässlich machen kann. Das funktioniert aber nur, wenn man den anderen auch spielt, also wenn es eine Abgrenzung gibt. Man kann immer nur Böse darstellen, wenn man auch weiß, was Gut ist. Der Gromberg hat total Spaß gemacht, aber der Sven auch, weil der irgendwie die Basis der ganzen Geschichte ist.

Wenn Sie sich selbst einem der beiden Charaktere zuordnen müssten – welcher wären Sie eher?

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Ich glaube, eine Mischung aus beiden, mehr Sven als Gromberg, aber auch der. Ich glaube, dass der Gromberg durchaus lustig ist und dass er, bevor er ganz abgestürzt ist, auch ein Querdenker und ein geistreicher Kopf war.

Gibt es eine Rolle, die Sie unbedingt noch mal spielen wollen?

Ich würde unheimlich gern mal eine richtige Betrügergeschichte spielen. Bei Betrügern ist das ja manchmal mehr ein Krankheitsbild als ein Verbrechen. Aber auch die Opfer finde ich interessant, weil die ja oft betrogen werden wollen. Aber ich finde es immer schwierig zu sagen: Ich würde gern mal einen Mafiaboss spielen. Weil das an sich erst mal nur eine äußerliche Beschreibung einer Figur ist. Das ist genau so, wie wenn die Leute zu mir sagen: Jetzt spielst du schon wieder einen Polizisten. Polizist ist ja per se noch keine Rollenbeschreibung, es ist nur der Beruf der Figur. Und wenn ich mir die Polizisten anschaue, die ich gespielt habe, sind das alles sehr unterschiedliche Menschen.

Wenn die Filme fertig sind und im TV laufen: Schauen Sie sie sich mit Ihrer Frau und Ihren Kindern an?

Also die Kinder sind noch zu klein, die wären wahrscheinlich relativ verstört, wenn sie das sehen. Ich schaue sie meistens das erste Mal allein an oder mit meiner Frau. Es ist nicht so, dass ich Leute zum Fernsehen einlade.

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