Schluss mit lustig: Die ESC-Absage ist bedauerlich, aber notwendig

  • Auch der Eurovision Song Contest 2020 fällt der Coronakrise zum Opfer.
  • Natürlich hätte Europa in diesen Zeiten etwas Ablenkung gut gebrauchen können.
  • Aber die Absage ist konsequent und richtig, findet Imre Grimm in seinem Kommentar.
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Das war’s dann. Schluss mit lustig. Auch der Eurovision Song Contest wird gestrichen, um die Ausbreitung des Coronavirus zu bremsen. Es ist die richtige Entscheidung. Es wäre ein Wahnsinn gewesen, zehntausende Gäste aus bis zu 50 Ländern auf engstem Raum Mitte Mai eine paneuropäische Party feiern zu lassen, während die Windmaschine den kollektiven Tröpfchennebel gründlich auf tausende Schleimhäute pustet. Anderswo in Europa ist Rudelbildung mit mehr als fünf Personen untersagt.

Ganz oder gar nicht – die Entscheidung ist richtig

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Spätestens nach der Verschiebung der Fußball-Europameisterschaft auf den Sommer 2021 war im Kern klar, was auch der beharrlichste ESC-Fan akzeptieren musste: Der kollektive Kindergeburtstag fällt aus. Man kann die Begeisterung für den Wettbewerb in der Kernzielgruppe kaum überschätzen, umso größer fällt nun das internationale Schluchzen aus. Aber nach einer solchen Party kann in diesen Zeiten nur Ignoranten der Sinn stehen. Europa hat nicht viel zu feiern in diesen Wochen.

Auch die Entscheidung, den ESC komplett abzusagen und nicht ins Netz zu verlegen, ist richtig. Ganz oder gar nicht. Kein digitaler Mini-ESC. Das wäre eine traurige Veranstaltung geworden: 43 Fernsehschalten in 43 menschenleere Studios von Aserbaidschan bis Portugal. Das hätte gewiss nicht den morbiden Charme jenes einsamen James-Blunt-Konzertes in der leeren Elbphilharmonie in Hamburg entwickelt. Es wäre nur ein steriler Abklatsch.

Es lastet ein Fluch auf den deutschen ESC-Plänen

Für Deutschland lastet also weiter ein Fluch auf dem ESC. Die letzten Jahre – mit Ausnahme von Michael Schultes viertem Platz 2018 – waren eine Chronik des Elends. Ein streikender Kandidat namens Andreas Kümmert. Ein politisch irrlichternder Fast-Kandidat namens Xavier Naidoo. Hinterste Plätze für drei blasse Konsenskandidatinnen namens Ann-Sophie, Levina und Jamie-Lee. Ein unglückliches Duo namens S!sters. Viele hinterste Plätze. Und nun hat der NDR mal ein international taugliches, positiv aufgenommenes, eingängiges und originelles Lied gefunden – und dann kommt Corona. Aber im Vergleich zu den Schäden, die der ESC anrichten hätte können, ist ein Partyverzicht ein kleines Opfer.

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