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Erstes Interview von Annalena Baerbock als Kanzlerkandidatin: „Leichtes Spiel“ bei ProSieben?

  • Annalena Baerbock ist die erste Kanzlerkandidatin in der Geschichte der Grünen.
  • Ihr erstes Interview in dieser Funktion gab sie am Montagabend Katrin Bauerfeind und Thilo Mischke auf ProSieben.
  • Die Interview-Führung blieb nicht frei von Kritik: Den Moderatoren wird unter anderem Distanzlosigkeit vorgeworfen.
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Als frischgebackene Kanzlerkandidatin der Grünen verschlug es Annalena Baerbock am Montag nicht etwa als Erstes zu den Öffentlich-Rechtlichen - sondern ins Privatfernsehen. Mit den Worten „Falls Sie sich jetzt fragen: ‚Hä, was? Läuft jetzt hier nicht meine Serie ‚Chernobyl‘?“, leitete Moderatorin Katrin Bauerfeind das unkonventionelle Polit-Gespräch auf ProSieben ein. Im Interview mit der 40-jährigen Völkerrechtlerin - der ersten grünen Kanzlerkandidatin - wurde Bauerfeind von ihrem Kollegen Thilo Mischke unterstützt. Natürlich gab es nach dem Auftritt reichlich Reaktionen - nicht überall fand das Format Anklang.

Annalena Baerbock bekam zur Primetime die Chance, ihre Agenda für die Bundestagswahl am 26. September zu präsentieren. Dabei hat sie den Klimawandel als dringendstes Problem ausgemacht. Man müsse nun „ins Machen kommen“, so Baerbock. Außerdem machte sie sich für eine bessere Ausstattung von Krankenhäusern und Schulen stark und würde gerne ab 2030 nur noch emissionsfreie Autos vom Band rollen sehen. Unter anderem im Pflegesektor setzt sie sich für eine „einladende Einwanderungspolitik“ ein. Entsprechend dem Grünen-Programm soll statt Hartz IV eine Garantiesicherung kommen. Finanziert werden soll dies mit 50 Milliarden Euro jährlich, die durch Kreditaufnahme und Steuerpolitik gewonnen werden sollen. So sprach Baerbock etwa von einer „CO2-Bepreisung.“

„Braucht man da Eier oder - in Ihrem Fall - Eierstöcke?“

Dann stellte Katrin Bauerfeind eine Frage zum Umgang mit ausländischen Staatschefs vom Typ eines Joe Biden oder Wladimir Putin sowie Autokraten wie Alexander Lukaschenko in Weißrussland. Der Ton dieser Frage unterschied sich dann deutlich von dem öffentlich-rechtlicher Polit-Talkshows: „Braucht man da Eier oder - in Ihrem Fall - Eierstöcke?“, wollte Bauerfeind wissen. Nach kurzer Irritation antwortete Baerbock: „Man braucht eine klare Haltung.“ Eine Mischung aus Härte und Dialog sei gefragt. Der Frage, ob Russlands Präsident Putin ein Mörder sei - so bezeichnete ihn vor kurzem US-Präsident Biden - begegnete die Grünen-Chefin diplomatisch. Als Chef des Kremls sei Putin dafür verantwortlich, dass man „gerade jemanden sterben lässt“.

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Während Bauerfeind und Mischke die grüne Spitzenkandidatin mit Applaus verabschiedeten, fiel das Echo im Netz gemischt aus. Dies galt in erster Linie für die Konzeption des außergewöhnlichen Polit-Talks auf ProSieben. „Bisschen enttäuscht, dass nicht Olli Schulz moderiert“, machte sich etwa ein User lustig. „Diese Art des Interviews ist mal komplett anders, nicht nur das schnöde Anne Will-Interview im kargen Studio“, lobte ein anderer. Kritiker werfen den Machern hingegen fehlende Distanz vor, das Interview wurde mehrfach als „Wahlwerbung“ für Annalena Baerbock gebrandmarkt. Der Interviewstil gefiel offenbar nicht jedem.

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„Leichtes Spiel“ für Baerbock bei ProSieben?

Auch das Urteil der deutschen Leitmedien über die Sendung und über Baerbocks ersten TV-Auftritt als Kanzlerkandidatin fiel durchwachsen aus. Die „Süddeutsche Zeitung“ attestierte, Baerbock habe „bei ProSieben leichtes Spiel“ gehabt. „Spiegel Online“ schrieb immerhin von einem unerwartet aufschlussreichen Gespräch.

Als „45 Minuten zwischen hektischem, teils schnodderigem Talk, Gefühlsjournalismus und einem Meet-and-Greet mit einem Popstar“ beschrieb die „Bild“ das unkonventionelle Polit-Interview. Die beiden „berufsjugendlichen“ Moderatoren wurden dabei scharf für ihren Stil kritisiert. Sie hätten „konzeptlos und ohne zu vertiefen“ Fragen abgefeuert, besonders das Beklatschen des Interview-Gastes stieß „Bild“ sauer auf. In die gleiche Kerbe schlug auch das zweite Springer-Blatt: „Übermäßige Distanz zur Interviewpartnerin war jetzt eh nicht so ihr Ding“, befand die „Welt“.

RND/Teleschau

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