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Erste „Tagesschau“-Sprecherin Dagmar Berghoff: „RTL und Sat.1 zahlen viel mehr als die ARD“

  • Vor genau 45 Jahren hatte Dagmar Berghoff ihr Debüt als erste „Tagesschau“-Sprecherin.
  • Im RND-Interview blickt sie auf die Zeit zurück und erklärt, warum sie gegen die Einführung von Quotenfrauen ist – obwohl sie selbst „eine Art Quotenfrau“ war.
  • Außerdem spricht sie über die derzeitigen Abgänge bei „Tagesschau“ und „Tagesthemen“ und mögliche Gründe dafür.
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Am 16. Juni 1976 präsentierte Dagmar Berghoff zum ersten Mal die „Tagesschau“ im Ersten – als erste Frau in der Nachrichtensendung. 1995 wurde sie zur Chefsprecherin und behielt diese Stellung bis zum 31. Dezember 1999, ihrem letzten Tag in dem ARD-Format, das sie damals auf eigenen Wunsch verließ. Heute blickt die 78-Jährige auf die Zeit zurück.

Heute vor 45 Jahren hatten Sie Ihr Debüt als erste „Tagesschau“-Sprecherin, seitdem hat sich viel getan. Wie blicken Sie heute auf die Zeit zurück?

Diese Zeit ist in meiner Erinnerung unauslöschlich. Als ich meine erste „Tagesschau“ machte an dem 16. Juni vor 45 Jahren war noch ein zweiter „Tagesschau“-Kollege mit im Studio. Ich wusste nicht, warum, und habe auch nicht darüber nachgedacht. Später habe ich erfahren, dass er da war, um einzuspringen, falls ich als erste Frau der „Tagesschau“ zusammenbrechen sollte oder nicht weiterreden könnte. Das ist heute unvorstellbar.

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Das war wirklich, weil Sie eine Frau waren und nicht generell, weil Sie neu als Sprecherin waren?

Ja, der damalige Chefsprecher Karl-Heinz Köpcke war der Meinung, dass Frauen das nicht können. Er musste aber auf Betreiben der Chefredaktion jemanden suchen und hat mich widerwillig ausgesucht. Er war selbst überrascht, dass ich das ganz gut machte. Ich kam aber auch nicht aus dem Nichts. Ich habe eine gründliche Ausbildung beim Südwestfunk damals gemacht, ich war vertraut mit dem Medium Funk und Fernsehen. Witzigerweise ist an meinem letzten Tag beim Südwestfunk ein hochroter Redakteur hereingekommen, weil ihm ein Nachrichtensprecher fehlte. Ich sagte: „Frauen machen das hier nicht.“ Er wollte es auch auf keinen Fall machen, also habe ich mich aus dem Südwestfunk verabschiedet mit den Nachrichten. Ich war auch die erste Frau, die im Dritten Programm im Fernsehen Nachrichten sprach.

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Mittlerweile sind weibliche Moderatorinnen in der ARD-Nachrichtensendung etwas Normales. Wie sehr hat es Sie damals genervt, in Ihrer Rolle als Sprecherin auf Ihr Geschlecht reduziert zu werden? Sie wurden oft als „Miss Tagesschau“ bezeichnet.

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Ich war nie so ein feministischer Mensch, der sagte: Endlich ist hier mal eine Frau dabei. Ich empfand es als große Ehre, als erste Frau die „Tagesschau“ sprechen zu dürfen. Ich hatte auch genug Selbstbewusstsein, weil ich vieles andere daneben noch machte, Radio und andere Fernsehsendungen. Die „Tagesschau“ war allerdings mein Hauptgebiet.

Sie wurden später zur Chefsprecherin der „Tagesschau“. Hätten Sie sich gewünscht, dass nach dem Abtritt von Jan Hofer nun wieder eine Frau das Ruder übernimmt?

Eigentlich ist mir das egal gewesen. Wer hätte das von den Frauen machen sollen? Chefsprecher bei der „Tagesschau“ ist kein Job mehr, um den man sich wahnsinnig reißt.

… Judith Rakers vielleicht?

Ja, oder Susanne Daubner, die schon sehr lange da ist und die ich auch sehr gut finde. Vielleicht hat man sie sogar gefragt. Ich könnte es mir vorstellen, und auch, dass sie es vielleicht nicht machen wollte. Aber ich denke, derjenige, der am besten dazu passt, sollte es machen. Ich bin sowieso der Meinung, dass es keine Quotenfrauen geben sollte. Jeder sollte nach Qualifikation eingeteilt werden. Ist aber eine Frau mindestens gleich qualifiziert wie ein Mann, sollte die Frau genommen werden. Aber wenn ein Mann als Bewerber qualifizierter ist, sollte nicht auf Teufel raus eine Frau gesucht werden. Ich würde auch nicht gern eine Quotenfrau sein – obwohl ich eigentlich eine Art Quotenfrau war, aber das Wort gab es damals noch nicht. Ich würde gern meiner Qualifikation wegen genommen worden sein. Mein damaliger Chefsprecher hat aber auch schnell gemerkt, dass da mit mir ein junger Profi sitzt und kein dahergelaufenes Mädchen.

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Aktuell muss ARD aktuell mehrere Abgänge verkraften: „Tagesschau“-Sprecherin Linda Zervakis geht zu Pro Sieben, „Tagesthemen“-Sprecherin Pinar Atalay geht zu RTL, wo auch Ex-Chefsprecher Jan Hofer eine zweite Karriere startet. Wie erklären Sie sich das?

Bei Linda Zervakis, die wohl sehr vielseitig ist, ist es vermutlich einfach eine neue Herausforderung, jetzt mehr Shows zu machen und sich auszutoben. Pinar Atalay ist die dritte in dem „Tagesthemen“-Moderatorenkreis, eigentlich sind immer Caren Miosga und Ingo Zamperoni dran, und wenn die Ferien machen oder freihaben, ist sie dran. Da hat sie die Chance wahrscheinlich einfach ergriffen. Bei Jan Hofer kann ich es nicht verstehen, sein Berufsleben ist doch wunderbar gelaufen und er hat noch ein kleines Kind. Aber natürlich akzeptiere ich es und wir werden sehen, was er dann macht ab Herbst.

Also glauben Sie nicht, dass die Abgänge mit den Bedingungen bei der ARD zu tun haben?

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RTL und Sat.1 zahlen natürlich viel mehr als die ARD. Das ist gar kein Vergleich. Es könnte natürlich sein, dass Jan Hofer auch das Geld gereizt hat.

Der frühere „Tagesschau“-Sprecher Marc Bator hat bei uns im Interview gesagt, dass ihn die Abgänge nicht überraschen, und hat in dem Zuge die Bezahlung und Flexibilität bei dem Sender kritisiert …

In Sachen Bezahlung stimmt das auf jeden Fall, bei der Flexibilität konnte ich mich bei der ARD nie beklagen. Ich habe viele Sendungen, Talkshows und Radioformate gemacht, auch große Shows aus Paris oder Reisesendungen. Ich habe nie gefragt, ich habe es einfach gemacht.

Also glauben Sie nicht, dass die Privatsender da – abgesehen von der Bezahlung – besser aufgestellt sind?

Nein, eigentlich nicht. Aber die Bezahlung ist schon sehr wichtig. Das ist ein riesen Unterschied, auch zum ZDF. Das ZDF zahlt wesentlich mehr als die ARD. Die Sprecher sind dort auch fest angestellt, bei der ARD sind die „Tagesschau“-Sprecher alles Freie. Und wenn man überlegt, dass man für eine 20-Uhr-Ausgabe 257,35 Euro bekommt, ist das schon wenig Geld. Denn so oft macht man die als Sprecher nicht, und die anderen „Tagesschau“-Ausgaben bringen weniger Honorar.

„Gender Pay Gap“ ist da auch ein Stichwort, die ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen. Haben Sie damit Erfahrungen gemacht?

Nein, bei uns wurden alle Sprecher gleich bezahlt, egal ob Mann oder Frau. Aber wenn das nicht der Fall ist, finde ich es unmöglich. Es geht einfach nicht, dass für dieselbe Arbeit verschiedene Löhne an Frauen und Männer gezahlt werden.

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