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Erste „Princess Charming“ Irina Schlauch: „Männer habe ich mittlerweile abgeschrieben“

  • Auf TV Now startet am 25. Mai erstmals die lesbische Datingshow „Princess Charming“.
  • Darin sucht Rechtsanwältin Irina Schlauch (30) nach der großen Liebe.
  • Im RND-Interview spricht sie darüber, wie das Format Sichtbarkeit für Homosexuelle schaffen kann, über die Reaktion ihrer Arbeitskolleginnen und -kollegen und über ihr Coming-out.
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Nachdem bereits zwei Staffeln der schwulen Datingshow „Prince Charming“ erfolgreich auf TV Now liefen, wird es nun Zeit für das lesbische Pendant: Die 30-jährige Irina Schlauch aus Köln ist die erste „Princess Charming“ und sucht ab dem 25. Mai auf dem Streamingdienst nach der großen Liebe. 20 Kandidatinnen wollen sie in dem Format kennen- und lieben lernen. Im RND-Interview spricht sie darüber:

Sie sind die erste „Princess Charming“. Was bedeutet Ihnen das?

Das ist alles neu für mich, aber ich finde es toll und es ehrt mich, die erste „Princess Charming“ zu sein. Das Format in der Art gab es noch nicht und wir können da etwas ganz Neues schaffen. Das bedeutet mir sehr viel.

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Vom schwulen Vorbild „Prince Charming“ gibt es bereits zwei Staffeln, eine dritte wird produziert. Da wurde es auch langsam Zeit für eine lesbische Version der Show, oder?

Das sehe ich genauso. Andererseits ist der Zeitpunkt jetzt auch der richtige. Ich finde es nicht verwerflich, dass die Show jetzt erst kommt. Irgendwer musste den Anfang machen, das waren die Männer, und das haben die grandios geschafft, gerade in der ersten Staffel. Deswegen denke ich, dass es jetzt der richtige Zeitpunkt für uns Frauen ist.

Was kann so eine Sendung für homosexuelle Menschen, auch in Sachen Toleranz, bewirken?

„Princess Charming“ ist in erster Linie ein Unterhaltungsformat, aber man sendet allein schon dadurch, dass es das gibt, eine Message. Das schafft Sichtbarkeit und je öfter solche Formate im Fernsehen gezeigt werden, desto mehr gewöhnen sich die Leute auch an das Thema Homosexualität, in einem positiven Sinne. Irgendwann stellt sich dann nicht mehr die Frage danach, sondern es gehört einfach dazu. Das Format kann dazu beitragen, insoweit eine Normalität zu schaffen.

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Wie steht es Ihrer Meinung nach in Deutschland um die Toleranz von Homosexualität?

Ich selbst bin sehr behütet und mit viel Toleranz aufgewachsen. Für mich und mein Umfeld ist Homosexualität kein großes Thema. Aber leider, und da muss ich nur einen Blick in die sozialen Medien werfen, ist es das für viele Menschen schon noch. Auch Erfahrungsgeschichten von Freunden und Freundinnen zeigen mir das leider. Ich denke, dass wir schon weit sind, und ich bin auch froh, in dieser Zeit geboren zu sein und nicht vor 100 Jahren. Aber es kann immer noch mehr getan werden.

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Dann ist es Ihnen nie passiert, dass Sie auf irgendeine Art homophob beleidigt oder angegangen wurden?

Zum Glück wurde ich aufgrund meiner Sexualität noch nie beleidigt, auch auf der Straße nicht. Ich weiß aber auch, dass ich da privilegierter bin als andere. Ich werde auch eher als feminine Frau gelesen und gerade in Bezug auf Männer weiß ich, dass die das dann eher attraktiv finden, wenn ich mit einer Partnerin über die Straße laufe. Aber ich kenne auch Freundinnen, die nicht dieses feminine und heteronormative Frauenbild verkörpern, die schon eher mit homofeindlichen Äußerungen zu tun haben.

Wann wurde Ihnen klar, dass Sie lesbisch sind?

Das war ein Prozess, der aber schon relativ früh begonnen hat, weil ich schon als Jugendliche gemerkt habe, dass ich Frauen jedenfalls auch interessant finde. Dann hatte ich aber eine lange Beziehung mit einem Mann, in der Zeit war das gar kein Thema für mich, weil ich in der Beziehung glücklich war. Als die Beziehung dann zu Ende war mit 23, bin ich mit meiner ersten Freundin zusammengekommen. Und seitdem date ich nur noch Frauen. Männer habe ich mittlerweile abgeschrieben. (lacht)

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Hätten Sie sich früher als bisexuell bezeichnet und heute nicht mehr?

Ich hatte eine Phase, da wollte ich unbedingt wissen, ob ich bi- oder homosexuell bin. Aber ich bin irgendwann zu dem Punkt gekommen, an dem ich mich gefragt habe, wofür ich das überhaupt wissen muss. Aber wie gesagt: Die Chance ist sehr gering, dass noch mal ein Mann mein Herz erobern wird. Insofern würde ich mich als lesbisch bezeichnen, wenn ich gefragt werde.

Hatten Sie eigentlich eine Art Coming-out vor Familie und Freundinnen und Freunden, oder war es einfach irgendwann so, dass Sie nun Frauen daten?

Ein richtiges Coming-out gab es bei mir nicht. Ich hatte dann statt eines Freundes eine Freundin und habe das einfach so erzählt. Ich habe gesagt: „Ich habe hier wen Neues, und das ist eine Frau.“ Das war mein Coming-out. Das geht natürlich nur, wenn du weißt, dass das Umfeld positiv reagiert, und das wusste ich. Natürlich hat man trotzdem etwas Angst davor. Aber ich hatte nicht die Sorge, jemand könnte das komisch oder nicht richtig finden. Ganz im Gegenteil: Ich wusste, dass gerade meine Eltern mich so lieben, wie ich bin. Meine Mutter hatte auch schon als ich jünger war und meine sexuelle Orientierung für mich noch gar kein Thema war, immer zu mir gesagt: Wenn da mal irgendwann eine Freundin kommen sollte, ist das genauso schön, Hauptsache du bist glücklich. So sollte es sein. Leider ist das nicht bei allen der Fall. Das gehört auch mit zur Erziehung, finde ich. Deswegen finde ich es im Nachhinein so schön, dass meine Mutter es so gemacht hat und mir vorher schon auf den Weg gegeben hat, dass es egal ist, wen ich liebe.

Glauben Sie daran, dass man im Fernsehen die große Liebe finden kann?

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Ja, definitiv. Ich glaube nicht, dass es das zwingend leichter macht. Aber ich hatte nun mal das große Glück, in der Sendung 20 tolle Menschen daten zu dürfen, die mir bisher nicht über den Weg gelaufen sind. Und gerade als Frau, die auf Frauen steht, ist es vielleicht etwas schwieriger, Frauen kennenzulernen. Obwohl es mir nicht grundsätzlich schwerfällt, Frauen kennenzulernen, aber zu Hause ist man ja schon in seiner eigenen Bubble. Deswegen war es umso schöner, ganz neue Leute kennenzulernen. Wieso sollte da nicht die große Liebe dabei sein?

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In der Sendung daten Sie wie gesagt 20 Frauen gleichzeitig. Ohne zu viel zu verraten: Wie war das? Waren Sie nicht überfordert?

Am Anfang war ich das auf jeden Fall und zwischendurch auch noch (lacht). Der erste Moment war wirklich überfordernd: Auf einmal vor den 20 Frauen zu stehen, und die Zeit ist natürlich auch kurz bemessen. Da wollte ich auch die Zeit nutzen und allen gerecht werden. Das klappt mal mehr, mal weniger gut. Gerade in Gruppendates ist es nicht immer möglich, die Aufmerksamkeit allen zu schenken. Aber das gehört dazu und das sind tolle Erfahrungen, die wir da zusammen erlebt haben.

Sind Sie eher schüchtern in Sachen Dating, oder machen Sie auch gern den ersten Schritt?

Ich hatte jetzt das Glück, dass ich nicht zwingend den ersten Schritt machen musste. Die armen Anderen waren eher in der Position. Aber ich würde mir da keine genaue Rolle zuschreiben. Es gibt Situationen, in denen ich wirklich schüchtern bin, und es mag, wenn mein Gegenüber den ersten Schritt macht. Aber wenn mir eine Frau gefällt, kann ich das auch zeigen und auch den ersten Schritt machen. Gerade wenn ich merke, dass die andere Person schüchterner ist.

Was ist Ihnen denn wichtig bei einer Frau?

Ich mag es, wenn wir zusammen lachen können. Humor ist sehr attraktiv. Es gefällt mir auch, wenn die Frau offen ist, also wenn sie sich für mich interessiert, aber auch für andere Menschen. Und wenn sie abenteuerlustig ist, ist das auch immer schön, weil ich das auch bin, und dann kann man gemeinsam Dinge erleben.

Da passt das Format ja ganz gut – da sind die Dates doch meist abenteuerlicher als im Alltag.

Das stimmt. Allein die Teilnahme der Frauen zeugt schon von einer gewissen Abenteuerlust. Die ganze Erfahrung ist ein großes Abenteuer, aber die Dates kommen da natürlich auch dazu. Da gab es auch ein paar actionreiche Dates, so wie ich es gerne mag.

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Im Gegensatz zum heterosexuellen „Bachelor“- oder „Bachelorette“-Format kann es bei „Prince Charming“ oder „Princess Charming“ ja auch passieren, dass Kandidaten oder Kandidatinnen sich gegenseitig attraktiv finden oder sich gar verlieben. War das ein Thema bei den Dreharbeiten?

Ich darf nicht zu viel verraten, aber klar: Da sind 20 Frauen, die den ganzen Tag zusammenleben und noch mehr Zeit zusammen verbringen als mit mir. Da wird es mit Sicherheit auch Anziehungen untereinander gegeben haben. Der „Bachelor“ hat es da leichter. Das war mir auch bewusst, dass das nicht nur einseitig ist, dass die sich um mich bemühen müssen, sondern, dass das genauso für mich galt.

Sie arbeiten als Rechtsanwältin in Köln. Was haben denn Ihre Kolleginnen und Kollegen dazu gesagt, dass sie die erste „Princess Charming“ werden?

Viele werden erstmal vom Stuhl gefallen sein, als sie das gehört haben. Gerechnet haben die wenigstens damit, aber ich habe dann ganz viel positives Feedback bekommen, ob aus dem Freundeskreis oder dem Arbeitsumfeld. Natürlich waren im Vorfeld gewisse Zweifel im Hinblick auf den Beruf da, weil Rechtsanwältin ja schon ein seriöser Beruf ist. Andererseits ist das Format ja auch nicht unseriös und eine schöne Sache.

Aber Sie hatten trotzdem etwas Sorge, dass das Einfluss darauf hat, wie Kolleginnen und Kollegen oder auch Mandantinnen oder Mandanten Sie wahrnehmen?

Ja, mit Sicherheit. Aber ich war mir dann auch sicher genug in der Entscheidung. Leute, die es nicht gut finden, wird es geben. Darauf stelle ich mich ein, es werden nicht alle feiern. Sobald die Ausstrahlung läuft, wird es da auch Kritik geben. Aber da muss ich dann drüber stehen.

Haben Sie sich eigentlich beworben oder wurden Sie von TV Now „entdeckt“?

Ich habe mich als Kandidatin beworben. Ich habe irgendwann den Anruf bekommen und da bin ich dann fast vom Stuhl gefallen, weil ich gefragt wurde, ob ich mir auch die Rolle der „Princess“ vorstellen könnte.

Der erste „Prince Charming“, Nicolas Puschmann, tanzt aktuell bei „Let’s Dance“ mit. Erhoffen Sie sich neben dem Finden der großen Liebe durch die Show auch den Weg in die Öffentlichkeit?

Ich bin da noch zwiegespalten. Es macht total viel Spaß gerade, aber ich muss das jetzt erstmal auf mich zukommen lassen. Ich hatte vorher keine Berührungspunkte mit medialer Aufmerksamkeit. Ich muss erstmal für mich herausfinden, ob ich das möchte oder nicht. Es war bisher nicht mein Wunsch, eine Person des öffentlichen Lebens zu werden. Das ist jetzt erstmal so, das kann ich nicht verhindern, aber im Nachhinein kann ich immer noch steuern, in welche Richtung es geht. Und „Let’s Dance“ ist natürlich super, und ich feiere den Nicolas sehr. Der macht das so toll, und er hat auch in der ersten „Prince Charming“-Staffel so ein tolles Bild vermittelt, auf eine ganz herzliche und unterhaltsame Art.

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