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Endlich Tippfehler ausbessern: Bezahlmodell Twitter Blue startet mit Korrekturfunktion

  • Twitter startet erstmals ein Bezahlmodell: Twitter Blue bietet Nutzern zunächst nur in Australien und Kanada zusätzliche Funktionen.
  • Dazu gehören Lesezeichenordner, eine 30-Sekunden-Korrekturfunktion und ein Lesemodus für lange Threads.
  • Nach dem Test ist die weltweite Einführung geplant. Die Kosten sollen 2,99 Euro im Monat betragen.
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Rund 15 Jahre nach seiner Gründung bricht der Kurznachrichtendienst Twitter mit einem Firmentabu: Erstmals testet der Konzern ein Bezahlmodell. Mit dem neuen Abonnementangebot namens Twitter Blue führt das Unternehmen auch eine Funktion ein, die seit Jahren weit oben auf der Wunschliste von Intensivnutzern stand – eine Korrekturfunktion. Wermutstropfen: Die Neuerung ist nicht kostenlos. Twitter Blue startet ab sofort zunächst testweise in Australien und Kanada und kostet dort monatlich 3,49 kanadische Dollar beziehungsweise 4,49 australische Dollar. Im Euro-Raum soll der Monatspreis voraussichtlich 2,99 Euro betragen.

Keine Werbefreiheit geplant

„Twitter Blue richtet sich insbesondere an Personen, die Twitter sehr intensiv nutzen, und gibt diesen Zugang zu exklusiven Funktionen und weiteren Vorteilen“, teilte die Firma mit. Nach der Testphase werde man über die weitere Ausgestaltung und Ausweitung des Abodienstes entscheiden. „Die allgemeine Nutzung von Twitter wird selbstverständlich weiterhin kostenlos bleiben.“ Twitter ist damit das erste große soziale Medium, das ein Abomodell testet. Facebook, Instagram, Tiktok, Snapchat und Co. dürften genau hinsehen, wie sich der Test entwickelt.

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30 Sekunden für Korrekturen: Twitter lässt künftig Verbesserungen an Tweets zu – aber nur kurz und gegen Aufpreis. © Quelle: Twitter Inc.

Welche Funktionen umfasst Twitter Blue im Einzelnen?

  • Die Funktion „Bookmark Folders“ bietet gegen Bezahlung die Möglichkeit, Lesezeichen in Ordnern zu organisieren, um gespeicherte Inhalte leichter wiederfinden zu können – eine Funktion, die aus der Sicht zahlreicher Nutzer überfällig war.
  • Die Funktion „Undo Tweet“ stellt einen einstellbaren Timer zur Verfügung. Bis maximal 30 Sekunden nach Verfassen eines Tweets lassen sich Tippfehler ausbessern oder vergessene Hashtags nachtragen, bevor der Tweet in der eigenen Timeline erscheint. Bisher mussten missratene Tweets vollständig gelöscht und neu erstellt werden. Die neue Funktion erscheint freilich wie ein halb garer Kompromiss: Verbesserungen nur innerhalb von 30 Sekunden und gegen Aufpreis? Das ist noch nicht die vielfach geforderte Möglichkeit, Tweets dauerhaft nachträglich verbessern zu können – aber es ist ein erster Schritt in diese Richtung.
  • Der „Reader Mode“ schließlich wandelt längere Threads in einen zusammenhängenden Text um und ersetzt damit die diversen externen „Please unroll“-Angebote, die mehrere Tweets zu einem lesbaren Dokument versammeln. Twitter integriert diese viel genutzte Funktion nun in sein Twitter-Blue-Paket.
  • Zusätzlich stehen Twitter-Blue-Kunden anpassbare App-Symbole, verschiedene Farbdesigns für die Twitter-App und allerhand weiterer Designmodi zur Verfügung. Zudem haben sie Zugang zu einem eigenen Abonnementkundensupport.

Was nicht im Monatspreis von Twitter Blue enthalten ist: Werbefreiheit. Auch Abonnenten werden also weiterhin „sponsored Tweets“ sehen. Wann das Angebot nach der Testphase in Kanada und Australien weltweit eingeführt werden soll, teilte das Unternehmen nicht mit. Im deutschen App-Store wird die Funktion „Twitter Blue“ bereits als In-App-Kauf für monatlich 2,99 Euro angezeigt, ist aber noch nicht anwählbar.

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Twitter arbeitet seit einigen Monaten verstärkt an neuen Funktionen. Ende 2019 führte der Dienst die Funktion „Fleets“ ein – im Kern ein Nachbau von Snapchat oder Instagram Storys, bei dem Mitteilungen nach 24 Stunden automatisch gelöscht werden. Vergleichsweise neu ist auch die Funktion „Twitter Spaces“. Mit dem Audiodienst reagiert Twitter auf den Vorstoß von Clubhouse: Twitter-Nutzer mit mehr als 600 Followern können Audiokonversationen mit bis zu elf Teilnehmern starten, zuhören kann jeder Twitter-Nutzer. Startet ein Nutzer in der Twitter-App für iOS und Android eine eigene Space-Konversation oder spricht bei einer anderen, sehen seine Follower dies oben in ihrer eigenen Timeline als pulsierende lila Bubble, solange der Nutzer live ist.

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Das Unternehmen, das eine lange Durststrecke ohne Gewinne hinter sich hat, entwickelt weitere Monetarisierungsmöglichkeiten. In der Entwicklung ist dem Vernehmen nach auch eine „Super-Follow-Funktion“. Damit könnten sich Nutzer für einen monatlichen Betrag Zugang zu einer eigens geschaffenen Onlinecommunity eines Twitterers erkaufen, mit der zum Beispiel zusätzliche Tweets, ein Newsletter oder spezielle Digitalveranstaltungen einhergehen könnten. Twitter erreicht derzeit knapp 200 Millionen Nutzer mit seiner Werbung. Der Konzern will seinen Jahresumsatz bis Ende 2023 auf 7,5 Milliarden US-Dollar (6,15 Milliarden Euro) verdoppeln.

Komfortfunktionen nur gegen Bezahlung

Erst kürzlich hatte Twitter nach vier Jahren Pause wieder damit begonnen, Anträge auf einen blauen Verifizierungshaken für offizielle und vertrauenswürdige Twitter-Accounts anzunehmen. Der Andrang war so groß, dass der Neustart tageweise pausierte. Die Kriterien für einen bestätigten Twitter-Account finden sich hier.

Mit Twitter Blue lagert das Unternehmen wichtige Weiterentwicklungen und Komfortfunktionen, die viele Nutzer sich für den Basisdienst gewünscht hatten, nun in ein Bezahlmodell aus. Das erhöht zwar den Umsatz des bisher rein werbefinanzierten Unternehmens, dürfte aber für Diskussionen in der Community sorgen. Insbesondere die Tatsache, dass der Bezahldienst Twitter Blue nicht gleichbedeutend mit Werbefreiheit ist, irritiert manchen Nutzer.

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