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Empörung über Tucker Carlson: Fox-News-Moderator verteidigt Schützen von Kenosha

  • Nach tödlichen Schüssen auf zwei Menschen in Kenosha in den USA gilt ein 17-jähriger Teenager als Tatverdächtiger.
  • Für deutliche Kritik sorgt nun ein Kommentar des rechten Fox-News-Moderators Tucker Carlson.
  • Live in seiner Sendung verteidigt er den jungen Mann indirekt.
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New York. In den USA sorgen neue Fälle rassistischer Gewalt für Entsetzen. Nach Schüssen eines Polizisten auf einen 29-jährigen Schwarzen waren erneut Tausende Menschen auf die Straßen gegangen. Bei einer Demonstration in Kenosha in Wisconsin allerdings kam es zu einer weiteren Gewalttat: Zwei Menschen wurden erschossen, als Tatverdächtiger gilt ein 17-jähriger Weißer.

In einem im Internet veröffentlichten Handyvideo ist zu sehen, wie ein junger weißer Mann mitten auf der Straße mit einem halbautomatischen Gewehr das Feuer eröffnet. Der Polizeichef von Kenosha, Daniel Miskinis, sagte nach dem Vorfall, man überprüfe nun, ob der 17-Jährige der Schütze aus dem Video sei. Der Teenager war auf seinen inzwischen größtenteils gelöschten Social-Media-Accounts laut “Buzzfeed” als Unterstützer der Polizei und von Donald Trump in Erscheinung getreten.

Fox-News-Moderator verteidigt mutmaßlichen Schützen

Den Fall aus Kenosha hat auch der US-Nachrichtensender Fox News aufgegriffen. Die Fernsehstation galt lange als Sprachrohr von US-Präsident Donald Trump, und vor allem ein Beitrag sorgt nun für enorme Kritik in den sozialen Medien: Moderator Tucker Carlson hatte in seiner Sendung in der Nacht auf Donnerstag den 17-jährigen Schützen indirekt verteidigt. Der Jugendliche habe lediglich beschlossen, Recht und Ordnung aufrechtzuerhalten, erklärte Carlson seinen Zuschauern.

“Sind wir wirklich überrascht, dass diese Plünderungen und Brandstiftungen zum Mord geführt haben?”, fragt Carlson. Jeder könne sehen, was in Kenosha geschehe: “Hier herrscht Anarchie, die Behörden haben die Stadt aufgegeben.” Die Verantwortlichen hätten sich geweigert, dem Gesetz Geltung zu verschaffen. “Sie sahen einfach zu, wie Kenosha brannte”, so der Moderator weiter.

“Er hat gerade einen Mord gerechtfertigt”

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Die Reaktionen auf Carlsons Kommentar folgten sogleich. “Vigilante Gewalt war immer eine meiner größten Sorgen der Gegenwart”, twitterte Blake Hounshell, der Redaktionsleiter der Politik-Website “Politico”. “Und hier haben wir einen prominenten Fernsehmoderator (...), der das entschuldigt und rationalisiert.” Nikole Hannah-Jones, Reporterin des “New York Times Magazine”, fügte hinzu: “Er hat gerade einen Mord gerechtfertigt.”

Auch Max Boot, konservativer Kolumnist der “Washington Post” und CNN-Mitarbeiter, twitterte, Carlson habe “zur Gewalt angestiftet und Terrorismus gefördert”. Der Autor Jared Yates Sexton schrieb: “Tucker Carlson rechtfertigt einen Doppelmord. Hören Sie diesen Leuten zu. Dies ist der Fall, wenn ein Land in den faschistischen Autoritarismus verfällt. Sie akzeptieren jede Menge Blutvergießen oder Grausamkeit beim Streben nach Macht.”

“Ein unschuldiger Schwarzer wird von der Polizei getötet und Tucker Carlson nennt ihn einen Schläger. Ein schuldiger Weißer ermordet zwei Menschen und Tucker Carlson nennt ihn einen Patrioten”, twitterte der CNN-Kommentator Keith Boykin.

“Wenn sie danach keine Maßnahmen ergreifen, sind alle Führungskräfte, Direktoren und Werbetreibenden von Fox News an Tucker Carlsons rassistischen, mörderischen Beschimpfungen beteiligt”, sagte Robert Reich, ehemaliger Arbeitsminister unter Bill Clinton.

Auf Twitter verbreitete sich am Donnerstag der Hashtag #FireTuckerCarlson. Unzählige Nutzer fordern den Rauswurf des Moderators beim konservativen Nachrichtensender. Ein Sprecher von Fox News verwies auf Anfrage von CNN lediglich auf einen älteren Tweet von Carlson, in dem er schon einmal ähnliche Kritik gegen die Behörden von Wisconsin erhoben hatte.

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Nicht der erste Fall

Carlsons Kommentar ist bei weitem nicht der erste, der für Proteste sorgt. Immer wieder fällt der Moderator auf Sendung mit extremen Bemerkungen auf, vor allem wenn es um Hautfarbe oder Einwanderung geht. Im August 2019 beispielsweise verlor Carlson zahlreiche Werbekunden, als er sagte, das Problem der weißen Vorherrschaft in Amerika sei ein “Scherz”. In einem anderen Vorfall hatte Carlson gesagt, dass die Einwanderung von Menschen mit niedrigem Einkommen nach Amerika “unser eigenes Land arm und schmutziger macht”.

In diesem Sommer wurde schließlich bekannt, dass Carlsons ehemaliger Topautor jahrelang heimlich rassistische und sexistische Kommentare in einem Onlineforum abgegeben hatte. Er trat später von seiner Position zurück.

Bei dem aktuellen Fall von Polizeigewalt in den USA war der 29-jährige Jacob Blake von einem weißen Polizisten mehrfach in den Rücken geschossen worden. Ein Video zeigt den Polizeieinsatz. Darauf ist zu sehen, wie Blake sich in seinen Wagen hineinbeugen will, ein Polizist ihn am Hemd packt und feuert. Bei dem Vorfall vom Sonntagnachmittag waren sieben Schüsse zu hören. Blake liegt mit zahlreichen Organverletzungen im Krankenhaus, nach Angaben seiner Familie ist er von der Hüfte abwärts gelähmt.

RND/msc

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