Emmy Awards: Haben Serien mit größeren Budgets bessere Gewinnchancen?

  • In der Sonntagnacht wurden die Emmy Awards verliehen.
  • Der große Abräumer war die Netflix-Opulenz „The Crown“.
  • Gewinnen heute nur noch Serien mit großen Budgets? Eine Analyse.
|
Anzeige
Anzeige

„The Crown“, „The Crown“, „The Crown“, „The Crown“ und „The Crown“ - die pompöse Netflix-Serie gilt als großer Abräumer der Drama-Sparte bei den diesjährigen Primetime-Emmys. Denn gewonnen hat sie in allen Drama-Kategorien – von den Hauptdarstellerinnen und Hauptdarstellern über die Nebendarstellerin und Nebendarsteller bis zur besten Serie. Das besondere an „The Crown“ ist nicht nur die intensive Begleitung der britischen Königsfamilie über Staffeln und Jahrzehnte hinweg, sondern auch die detaillierte Ausstattung und das immense Budget. Aktuell soll sie elf Millionen Dollar kosten - pro Folge.

„The Crown“ stand in den vergangenen fünf Jahren immer wieder auf der Gewinnerliste in der Dramasparte. Doch auffallend ist, dass sich hier ebenfalls vor allem großzügig budgetierte Streamingserien als Mehrfachpreisträger tummelten. „Game of Thrones“ räumte 2018 und 2019 ab, die Gesellschaftsdystopie „The Handmaid‘s Tale“ 2017. Ist das also die goldene Regel, um einen Emmy im heiß erkämpften TV- und Streamingmarkt zu gewinnen? Viel Geld gleich viele Trophäen?

Das Stream-Team Die besten Serien- und Filmtipps für Netflix & Co. ‒ jeden Monat neu.
Anzeige

„Game of Thrones“ gewann als Serie die meisten Emmys

Auf dem ersten Blick mag dies durchaus so aussehen, hat doch schließlich der Fantasy-Klassiker „Game of Thrones“ über die vielen Jahre und Staffeln sagenhafte 59 Emmys eingeheimst, mehr konnte nur das Talkformat „Saturday Night Live“ mit nach Hause nehmen. Mit „Game of Thrones“ (15 Millionen Dollar kostet eine Folge) setzte der große Wettbewerb der Streamingdienste ein. Ein jeder - Netflix, Amazon Prime, Sky, Apple+ und schließlich auch Disney - wollte die nächste Serie produzieren, die alle schauen und über die alle reden. Die nächste Serie, die es schafft, vor den unzähligen verschiedenen Endgeräten über alle Zeitzonen hinweg eine Art globales Lagerfeuerfernsehen zu erschaffen. Und so haben die Anbieter Geld in Ideen gesteckt, um bei diesen Rennen um die globale Zuhörerschaft die Oberhand zu gewinnen.

Wie viel Geld nun in die Produktionen fließt, wird in vielen Fällen nicht öffentlich bekannt gegeben - so dass ein Vergleich schwer möglich ist. Klar ist aber, dass viele Serien in die Liebe zum Detail investieren. Heraus kamen kluge, gut erzählte, spannende Serien, die perfekt bis ins kleinste Detail ausstaffiert waren wie das opulente „Damengambit“, das bei den diesjährigen Primetime Emmys den Preis für die beste Miniserie gewann. Hier wurde schwerpunktmäßig in Deutschland produziert. Viele Schauplätze wurden komplett als Kulisse gebaut: Schachturniere in Mexiko, USA oder Russland erhielten alle ihre eigenen Kulissen.

Auch die Amazon-Prime-Serie „Marvelous Mrs. Maisel“ flimmert mit ständig neuen, knallig bunten Szenerien über den Bildschirm und hat nach der Veröffentlichung 2018 stolze acht Emmy-Preise absahnen können. Über die Staffeln soll das Budget gestiegen sein: So wurde die Crew in Staffel Zwei nach Paris befördert, ein Teil von ihnen gönnte sich zwischendurch sogar einen Trip ins Disneyland. Hier wurden keine Kulissen aufgebaut, sondern vor Ort gedreht - mit der gesamten Crew. Auch sollen die wichtigsten Darstellerinnen und Darsteller laut Branchenmagazinen mehr Gehalt erhalten haben. In New York kommen seit der zweiten Staffel mehr Außenaufnahmen hinzu, die aufgrund von nötigen Straßensperrungen oder der Kostümierung vieler Komparsen kostenintensiver ist.

Es geht bei den Emmys aber nicht immer nur ums Geld. Das genaue Gegenteil beweist zum Beispiel die deutsche Produktion „Unorthodox“ über eine Frau, die aus einer ultraorthodoxen jüdischen Gemeinde von New York nach Berlin flüchtet, bei der Maria Schrader Regie führte. Die Serie wurde in einem kurzen Zeitrahmen innerhalb von nur 14 Monaten produziert, ein Großteil in Berlin und nur ein kleiner Teil mit fünf Drehtagen in New York. Produzent Henning Kamm sprach gegenüber „Screendaily“ von einem Budget, das für Europa „okay“ wäre, aber unter drei bis vier Millionen Dollar pro Episode liegen würde.

Preise gab es trotzdem: Nicht nur einen deutschen Fernsehpreis gab es, sondern auch den Emmy für die beste Regie 2020. So zählen nicht nur Budget und Ausstattung: Letztendlich ist es die Geschichte, die überzeugen muss. Und das gilt auch für Schlachtschiffe wie „The Crown“. Denn neben all den atemberaubenden Schauplätzen, den akribisch nachgenähten Hochzeitskleidern, brauchte es einen Peter Morgan, den Drehbuchautor und Serienschöpfer, der schon seit 15 Jahren Filme über das britische Königshaus dreht, seinen Stoff kennt wie kaum ein anderer. Denn auch ein großes Budget könnte eine schlechte Idee nicht retten.

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen