Einigung zwischen Facebook und Australien: Mediengesetz soll angepasst werden

  • Nach tagelangen Verhandlungen haben sich Facebook und die australische Regierung im Streit um ein geplantes Mediengesetz geeinigt.
  • Facebooks Medien-Blackout in Australien soll in den kommenden Tagen wieder rückgängig gemacht werden.
  • Im Gegenzug will die australische Regierung ein geplantes Mediengesetz anpassen.
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Sydney. Der Streit zwischen der australischen Regierung und dem Techkonzern aus dem Silicon Valley kochte vergangene Woche über. Weil Facebook nicht mit einem geplanten Mediengesetz einverstanden war, das von den Techkonzernen Geld für das Teilen von Nachrichten und anderen journalistischen Inhalten verlangt, blockierte es am vergangenen Donnerstag kurzerhand sämtlich australische Medien.

Von dem Blackout waren auch indigene Inhalte, die australische Wetterbehörde oder Community-Organisationen betroffen. Für die Medien bedeutete dies, dass sämtliche ihrer Facebook-Seiten plötzlich keine Inhalte mehr zeigten, Nutzer aber auch keine Artikel und andere Medienbeiträge mehr sehen oder teilen konnten.

Google drohte, Suchmaschine abzuziehen

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Google hatte sich zuvor ebenfalls an dem neuen Medienkodex gestört und Australien deswegen Ende Januar bereits mit der Abschaltung seiner Suchmaschine gedroht. Doch nachdem Microsoft anbot, die „Lücke“ mit seiner Suchmaschine Bing zu füllen, lenkte Google ein und schloss lukrative Deals mit australischen Medienunternehmen wie Rupert Murdochs News Corp, der australischen Ausgabe des „Guardian“ oder dem staatlichen Sender ABC.

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Streit um Mediengesetz: Einigung zwischen Facebook und Australien
1:54 min
Der amerikanische Konzern Facebook will seine Seiten wieder für Nachrichten aus Australien öffnen.  © Reuters

Facebook dagegen entschied sich zunächst für den Konfrontationskurs und begründete dies auch damit, dass der finanzielle Gewinn aus Nachrichten minimal sei. Nachrichten machten weniger als 4 Prozent der Inhalte aus, die Menschen in ihrem Newsfeed sehen würden, hieß es. Auch die australische Regierung zeigte sich zunächst stur und kündigte am Montag an, sämtliche Werbung auf Facebook einstellen zu wollen.

Wieder „angefreundet“

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Umso mehr überraschte die Einigung beider Seiten kaum einen Tag später. Man schätze die „konstruktiven Diskussionen“ mit den zuständigen Ministern, hieß es plötzlich vonseiten Facebooks. Eine Einigung sei möglich gewesen, nachdem „die australische Regierung einer Reihe von Änderungen und Garantien zugestimmt“ habe. So berücksichtige der angepasste Kodex „den Wert unserer Plattform für Verlage im Verhältnis zu dem Wert, den wir von ihnen erhalten“.

Im Klartext heißt dies: Facebook zahlt künftig für australische Nachrichten – die australische Regierung kam dem US-Unternehmen aber offensichtlich bei der Höhe der Summe entgegen.

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Kritik an Facebook auch aus anderen Ländern

Australiens Schatzmeister Josh Frydenberg bedankte sich öffentlich bei Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, fügte aber auch hinzu: „Es war ein schwieriger Prozess, aber das sind wirklich wichtige Themen.“ Zuckerberg habe ihm persönlich versichert, sich nun mit den australischen Medien an den Verhandlungstisch zu setzen und wie Google eine Einigung zu finden. Die australische Regierung wird im Gegenzug ihre Werbedeals mit Facebook wieder etablieren.

Andere Länder haben in den vergangenen Tagen gespannt nach Australien geblickt, um zu sehen, wie der Showdown zwischen der Regierung des Landes und dem Social-Media-Unternehmen ausgehen würde. Vor allem Großbritannien und Kanada hatten Facebook scharf für den Medien-Blackout kritisiert.

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