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  • Eckart von Hirschhausen heute im TV: Arzt äußert sich in Interview zu Impfgegnern

Eckart von Hirschhausen: „Jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung, aber nicht auf eigene Fakten“

  • Am Montag läuft die Reportage „Hirschhausen als Impfproband“ im Ersten, dafür war Eckart von Hirschhausen Teilnehmer an der Zulassungsvorbereitung eines Impfstoffs.
  • Im Interview mit dem RND spricht der Arzt und Moderator über Herdenimmunität, Sonderrechte für Geimpfte und Impfgegner.
  • „Ich finde: Jede und jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung, aber nicht auf eigene Fakten“, sagt von Hirschhausen.
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In der ARD-Reportage „Hirschhausen als Impfproband“, die am Montagabend um 20.30 Uhr gezeigt wird, lässt sich Arzt, Comedian und Fernsehmoderator Eckart von Hirschhausen gegen das Coronavirus impfen und zeigt die verschiedenen Aspekte des Impfvorgangs.

Herr Hirschhausen, wie kam es zu der Idee, Proband einer Impfstudie zu werden?

In der ersten Welle im letzten Frühjahr habe ich mit dem Team die Doku „Hirschhausen auf Intensiv“ gedreht, die mich sehr bewegt hat. Damals war ich Beobachter und Fragender, und nicht mit meinem eigenen Körper involviert. Als jetzt in Rekordgeschwindigkeit Impfstoffe entwickelt wurden, haben der WDR und ich überlegt, worin jetzt der beste Beitrag von mir zu einer etwas verfahrenen Diskussion sein könnte. Natürlich habe ich einen Moment gezögert, weil ein Impfstoff, der schon millionenfach zum Einsatz kam, logischerweise sicherer ist, als einer in der Erprobung. Aber erstens ist mir das Thema seit meiner Zeit in der Kinderheilkunde sehr vertraut, und ich wollte genau diesen Prozess zeigen, wen man fragen kann, um zu einer fundierten Impfentscheidung zu kommen. Als Arzt und Wissenschaftsjournalist kenne ich den Wert einer zweiten Meinung. Auch wenn die erste Meinung meine eigene ist. (lacht)

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Wer hat Sie bei Ihrer Entscheidung beeinflusst?

Viele! Ich habe mit Frau Professorin Marylyn Addo gesprochen, die als Infektologin im UKE Hamburg arbeitet, klinisch viel Erfahrung hat und bereits einen Ebola-Impfstoff mit entwickelt hat. Ich war bei Volker Stollorz vom Science Media Center in Köln, habe Karl Lauterbach gesprochen, der sich sehr gut mit der Studienlage auskennt, wie man in vielen Talkshows sehen kann. Und Cornelia Betsch, die beste Kennerin der Impfpsychologie und Gesundheitskommunikation. Ich will zeigen, dass es nicht nur eine Frage von Virologie ist, sondern maßgeblich auch von Psychologie. Die Impfung ist eine segensreiche Erfindung, die wir uns von der Natur abgeguckt haben. Viele Leute haben Angst, das Impfen sei etwas wahnsinnig Künstliches. Das Originalvirus hat sehr raffinierte Wege, um in den Körper zu kommen. Das sind sogenannte Spike-Proteine, mit denen es sich da festbeißt. Deswegen ist das Prinzip der Impfung genial, dass wir den Bauplan für diese Erkennung dem Körper zur Verfügung stellen, damit er sich schon vorher wappnet. Wenn mich jemand anhustet, der infiziert ist, passiert es auch, dass mein Abwehrsystem mit diesen Viren zu tun bekommt, nur dann in viel höheren Mengen und völlig unkontrolliert in den Folgen. Die Angst vor Spritzen und dem Gefühl, da kommt was in meinen Körper muss man damit aufwiegen, dass ja ständig, mit jedem Atemzug, mit allem was wir essen, Fremdkörper in uns hineinkommen und unser Immunsystem herausfordern. Deswegen ist Impfen so genial und macht im Kern lediglich aus einem zufälligen Vorgang, einen gezielten, planbaren und sicheren Vorgang. Also, ich weiß, was mir lieber ist! Aber ich verstehe auch, dass Menschen Angst haben, wenn ihnen das so noch niemand erklärt hat.

Sie haben bereits kurz nach Weihnachten Ihre erste Impfung bekommen. Warum läuft die Dokumentation erst am 1. Februar?

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Der Grund ist, dass wir abwarten wollten, bis ich auch den zweiten Impftermin wahrnehmen konnte. Dazwischen lag eine Frist von drei bis vier Wochen. Unser Wunsch war, dass wir den ZuschauerInnen den ganzen Vorgang transparent machen können. Es geht um einen Impfstoff von der Firma Curevac in Tübingen, der zwar noch nicht zugelassen ist, aber auf dem viele Hoffnungen ruhen. Das Problem mit Biontec-Pfizer ist die Kühlkette. Ich bin ein Freund der globalen Gesundheit und engagiere mich auf verschiedenen Ebenen dafür, dass wir die Agenda 2030 im Auge behalten, die sogenannten Sustainable Development Goals der UN. Die Pandemie betrifft ja nicht nur reiche Industrieländer, die sich die Impfstoffe und die Kühlschränke leisten können. Global gedacht ist auch die Pandemie erst dann zu Ende, wenn circa 75 Prozent der Weltbevölkerung immun sind, und das ist noch ein langer Weg. Deshalb irritieren mich auch diese ganzen nationalen Vergleiche, wer gerade wie viel Prozent vorne liegt. Das ist dem Virus wahrscheinlich ziemlich egal. Deshalb brauchen wir auf alle Fälle noch viel mehr verschiedene Impfstoffe als die, die bisher zugelassen sind. Wir brauchen vor allem andere Mengen und wir brauchen praktikable, günstige Impfstoffe, die dann auch in heißen Ländern funktionieren.

Hirschhausen: Hätte zu jedem Zeitpunkt „Nein“ sagen können

Hätte auch die Möglichkeit bestanden, dass Sie sich nach Ihren Gesprächen gegen eine Impfung entscheiden?

Ich hätte zu jedem Zeitpunkt „Nein“ sagen können. Das war mir wichtig. Ich bin auch kein Fan einer Impfpflicht, denn das schafft noch mehr Misstrauen in die Wissenschaft, wenn man die Menschen zu etwas zwingt. Da sind wir kollektiv eher trotzig. Den allermeisten Menschen traue ich eine eigene Impfentscheidung zu. Also: bessere Kommunikation statt mehr Druck.

Sind Sie denn für Sonderrechte für Geimpfte?

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Ich würde das nicht Sonderrechte nennen. Wir verzichten im Moment ganz viel auf Kulturleben, weil wir noch nicht geimpft sind. Ich finde, dass sich das Leben wieder ein bisschen normalisieren darf, wenn man geimpft ist. Das ist aber kein Sonderrecht oder Privileg, sondern dringend notwendig, dass wir im Kampf gegen die Pandemie nicht unnötig Menschen um ihre Grundrechte bringen – ohne Not und ohne wissenschaftliche Begründung davon. Ich würde mir wirklich sehr wünschen, dass wir schnell durch die Impfungen durch sind. Ich bin ja auch Bühnenkünstler und würde gerne wieder auftreten und Menschen in einem Saal zum Lachen bringen. Dafür müssen wir erst mal alle kapieren, dass Impfen ein Weg raus aus der Pandemie ist.

Würden Sie denn Auftritte machen, wenn die etwa nur vor Geimpften stattfinden könnten?

Das wird gerade auch auf europäischer Ebene sehr heiß diskutiert. Da müssen wir wirklich die nächsten Wochen abwarten, wie man das dann nachweisen will. Ob das den gesellschaftlichen Rückhalt eher destabilisiert oder ob man die Menschen davon überzeugen kann. Das ist noch mitten im Gange. Da habe ich tatsächlich noch keine abschließende Meinung zu.

Mir ist aufgefallen, dass Sie in Interviews ungern den Begriff Herdenimmunität verwenden. Was steckt da konkret hinter?

Der Begriff kommt aus der Tiermedizin. Menschen sind nicht gern Teil einer Herde. Der wichtigste Gedanke beim Impfen – das gilt bei Masern und auch allen anderen Impfungen – ist, dass man nicht nur sich schützt, sondern auch die Anderen vor einer Weitergabe. Das ist so wichtig, dass die Leute das kapieren, dass das ein zentraler Aspekt ist. Wir schützen Menschen, indem wir uns solidarisch drumherum verhalten. Das wird mit dem Begriff Gemeinschaftsschutz viel deutlicher als bei Herdenimmunität. Das ist eine Schafsherde oder Rinderherde, aber Menschen sollten schlauer als ein Virus sein und auch bessere Begriffe dafür haben.

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Kommen in Ihrer Dokumentation auch Impfgegner zu Wort?

Die Impfgegner kommen schon sehr viel zu Wort. Viel häufiger als sie prozentual überhaupt eine Rolle spielen. Und nicht jeder, der ein impfkritisches Video schaut und in den sozialen Netzen teilt, teilt ja automatisch auch diese Ansichten. Ich finde: Jede und jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung, aber nicht auf eigene Fakten. Das gilt insbesondere auch für Pflegefachkräfte, die gerade völlig zu Unrecht in einen Topf mit Impfskeptikern geworfen werden. Auf der Intensivstation, auf der wir gedreht haben, wollten sich 100 Prozent im Team impfen lassen und warteten händeringend auf den Termin. Ich bin sehr dafür, zu verstehen, was da gerade passiert und warum dieser Widerstand auch nicht neu ist, sondern uralt. Erste Impfgegner organisierten sich bereits 1850 in England zur Pockenimpfung. Das Gerücht, Impfen könne Frauen unfruchtbar machen, gab es auch schon bei der Polioimpfung. Kurzum: Seitdem es Impfungen gibt, gibt es auch Impfgegner. Es sind kleine Gruppen, die aber viel Aufmerksamkeit bekommen und leider andere Menschen verunsichern, die einfach nur mit ihren Fragen ernst genommen werden wollen. Genau deswegen machen wir diese Doku – um Vertrauen in den Prozess zu stiften und jeden zu einer eigenen Impfentscheidung zu ermutigen.

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