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„IBES“-Auftakt: Ex-Minister Krause zieht in den Dschungel ein – und gleich wieder aus

  • „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“, kurz „IBES“, hat begonnen – trotz Protesten gegen die Ausstrahlung wegen der Buschfeuer in Australien.
  • Und diejenigen, die das TV-Format sowieso zum Würgen finden, hatten beim Auftakt der 14. Saison 2020 gleich 75 Prozent der Dschungelcamper hinter sich.
  • Denn beim „Dinner for Twelve“ kam so manches wieder hoch.
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Es passte so einiges nicht bei diesem Dschungelauftakt. Das begann schon mit der Anmoderation von Daniel Hartwich und Sonja Zietlow. Im Vorfeld des gut dreistündigen Marathons war ja bereits angekündigt worden, man werde sich zu der Feuersituation äußern. Das geschah dann auch, allerdings mit einer recht missratenen Argumentation. Denn Zietlow verwies als moralische Rechtfertigung für die Ausstrahlung darauf, dass schließlich zeitgleich mit dem deutschen Format auch die neue australische Staffel laufe.

Das ist zwar richtig, allerdings wird auch die sechste Saison des australischen Formats wie all die Jahre zuvor auch schon aus dem Kruger-Nationalpark in Südafrika gesendet. Da half es dann auch nicht sonderlich, dass Hartwich eine Spendenaktion für die Opfer der Buschbrände ankündigte und mit großer Geste sagte, RTL habe schon einmal 100.000 Euro in den Pott gelegt. Das klang doch arg nach Freikaufen. Apropos Mangel an Argumenten: Auch sonst fehlte dem Auftakt eigentlich all das, was „IBES“ – zu Recht – zum Kult hat werden lassen. Knackige Moderationen, gegensätzliche Charaktere, Konfliktpotenzial bei den Kandidaten … Stattdessen Zietlow-Sätze wie dieser: „Anastasiya hat zwar einen starken Dialekt, spricht aber am besten Deutsch.“ Nun, der ukrainische Nacktfrosch hat einen deutlichen slawischen Akzent.

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Der Mann mit dem interessantesten Dschungelpotenzial ist schon wieder weg

Aber wesentlich besser sah es bei der Startsendung 2020 auch nicht bei den Kandidaten aus. Am ehesten Emotionen weckte noch Professor Dr. Günther Krause, früh gestrauchelter CDU-Politiker aus der DDR, der einst mit Wolfgang Schäuble den Einigungsvertrag unterschrieb und der als Verkehrsminister wegen einer 3000-Euro-Unregelmäßigkeit aus dem ersten Einheitskabinett Kohl flog. Standesgemäß wurde der Ex-Politiker im Rolls-Royce bis kurz vors Camp gekarrt – Deutschland-Fahnen am Fahrzeug und Nationalhymne inklusive. Als der notorische Ranger ihn gleich nach dem Hymnenständchen anraunzte, jetzt sei aber Schluss mit Professor und Doktor, ab jetzt sei der Krause nur noch Günther – da mochte man fast Mitleid mit dem sichtlich gealterten Mann im Feinripp haben. Die Frage, ob Krause nun über eine größere Portion Selbstironie oder einen Mangel an Selbstachtung verfüge, die konnte nicht mehr beantwortet werden.

Denn kaum war der Mann, der aus gesundheitlichen Gründen das Camp schon einmal abgesagt hatte und an keiner der 20 Dschungelprüfungen hätte teilnehmen dürfen, im Camp, da wurde er auch schon wieder vom ewigen abberufen – vom ewigen Dr. Bob, der Krause ob seiner augenscheinlich miserablen Gesamtverfassung zurück ins Hotel schickte. Auch das scheint - zumindest für die Fernsehaufnahmen - nicht mehr das zu sein, was es mal war, nämlich das Fünf-Sterne-Hotel Versace. Die Aufnahmen zeigen „nur“ das Marriott an der australischen Gold Coast. Vielleicht gab es deshalb auch keine „Vorher-Luxus-Impressionen“, die in den vergangenen Jahren immer so viel Schadenfreudekontraste zur Dschungelpritsche hervorgerufen hatten.

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Wenn der Minister schon weg ist, muss man wohl jetzt auf den Meister setzen, den Weltmeister. Denn Ex-Boxchampion Sven „Svenni“ Ottke gibt augenscheinlich das virile Kraft- und Motivationspaket. Er hat durchaus Potenzial als Lilalaunebär, eine Campspezies, die ja bekanntlich weit kommt – wenn auch nicht bei den beiden Dschungelprüfungen, die er absolvieren musste.

Zwei neue Prüfungen sorgten für echtes „IBES“-Feeling

Die schwankende Lückenbrücke, über die die eine Hälfte der Kandidaten sternegreifend wanken musste, war eines der raren Sendungshighlights. Das war „IBES“ pur. Hier waren körperliche und mentale Fitness gefragt, um fürs Kollektiv zu punkten. Ottke schaffte es, einige Kandidaten mit geschickter Motivation über die Brücke zu brüllen, scheiterte selbst aber kurz vor Schluss. Wie auch beim Würgewettbewerb mit Hoden und Co. Absoluter Höhepunkt war aber die Prüfung „Wanne Heikel“. Hier bewegte sich eine am Fußende offene Badewanne scheinbar unaufhaltsam auf ein 65 Meter hohes Kliff zu – und über dessen Abbruchkante hinaus. Den Kandidaten, die in der Wanne saßen, angeseilt natürlich, wurden simple Aufgaben gestellt wie „Nenne drei Planeten aus unserem Sonnensystem“. Die Schweizerin Elena Miras, neben Anastasiya die zweite Protagonistin, die durch RTLs Eliteformat „Love Island“ berüchtigt wurde, stammelte noch „Markus“, ehe sie kreischend ihrem nahenden Ende entgegenzugleiten schien: bis, ja bis die Wanne 20 Zentimeter über der Abbruchkante zum Stehen kam. Ein perfekter Achterbahnthrill und ein wirklich tolles neues Prüfungsformat. Übrigens: Auch drei Bond-Darsteller oder drei Bundeskanzler waren nicht zu beantworten. Einzig „DSDS“-Darling Prince Damien schaffte es mit „drei Ländern mit A“, aber nur, weil Daniel Hartwich gnadenreich „Austria“ als Land durchgehen ließ.

Ansonsten gab es mit „Dinner for Twelve“ wieder den üblichen Würgewettstreit. Acht der insgesamt elf Kandidaten konnten die servierten Grässlichkeiten nicht bei sich behalten und gingen sternefrei aus. Warum Schweinepenis und andere Leckereien auch in Ausgabe 14 immer noch auf dem Sendeplan stehen, das wissen einzig und allein die Programmmacher. Es ist einfach eklig und übrigens mittlerweile auch gänzlich unoriginell.

Nachtgeflüster bei Kunstlicht

Überhaupt, unoriginell: Elena – „die meisten denken, isch bin Getto“ – und Toni Trips schimpften darüber, „dass die Presse immer Sch… schreibt, dass wir Zicken sind“. Wehe, die Presse schreibt nicht, denn damit verdienen sie ja schließlich ihr Geld, dass das Licht der Öffentlichkeit sie streift – und wenn’s der fahle Schein der Kunstlaternen im Camp ist. Von den muskelprotzenden Jungs Raúl Richter und Marco Cerullo (Mister Rheinland-Pfalz 2016) war nichts zu hören, Trödeltalent Markus Reinecke dampfplauderte sympathisch daher – und kein Streit nirgends; bis auf den Konflikt zwischen Daniela Büchner und Anastasiya um irgendeinen Beau, der, so Anastasiya, von ihr weg- und zu Danni Büchner hingegangen sei. Da allerdings die beiden nicht miteinander reden, gab’s beim Nachtgeflüster bei Kunstlicht auch keinen Zoff. Lampen als Brandschutz schaffen halt keine Atmosphäre am Lagerfeuer …

So blieb nur noch ein Highlight, und auch das hatte mit Günther Krause zu tun, als Sonja Zietlow nämlich, Achtung Satire, intonierte: „Unser Opa fährt mit’m Rolls-Royce in’ Dschungel, in’ Dschungel / Unser Opa ist ’ne richtig geile Sau.“ Das war wirklich alles. Ach nein; es gab dann doch noch ein paar Tränen bei Kunstlicht – von Danni Büchner beim Erzählen vo dem Leiden und dem Tod ihres Mannes. Hoffentlich war das nicht geskriptet. In die Dschungelprüfung wurden übrigens Elena und Danni gewählt. Es kann ja nur besser werden.