„Dracula“ beißt jetzt auch bei Netflix: Der ewige Publikumssauger

  • Der Untote aller Untote ist – nun ja – nicht totzukriegen.
  • „Dracula“ ist seit 4. Januar als Miniserie bei Netflix streambar, der Däne Claes Bang spielt den Vampirfürsten.
  • Die Frage aller Fragen, ob der spitzbezahnte Graf Zuschauer noch gut unterhalten kann, kann mit „Ja“ beantwortet werden.
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Wenn Normalsterbliche „so ’nen Hals“ haben, ist ihr Blutdruck viel zu hoch und ihre Laune schlecht. Wenn Dracula „so ’nen Hals“ hat, ist er super drauf, und der Blutdruck seines in der Regel weiblichen Gegenübers sinkt binnen Kurzem auf null.

Jetzt ist der 1897 von dem Iren Bram Stoker zu literarischen Ehren gebrachte Zahnteufel wieder in TV-Aktion. Das Videoportal Netflix und die BBC ehren den Vampir mit einer Miniserie. Die ist ab 4. Januar auch in Deutschland streambar.

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Gespielt wird der Netflix-Dracula vom Dänen Claes Bang. Die Frage, die sich sofort aufdrängt ist die: Ist der alte Graf noch gruselig?

Der beste Dracula ist bis heute „Nosferatu“ von 1922. Der Schauspieler Max Schreck machte seinem Namen in F. W. Murnaus Stummfilmschocker alle Ehre. Später kamen Bela Lugosi, Christopher Lee, Gary Oldman sowie zahllose Vampirfilme und -serien.

Gesellschaftskritik in der Horrorwelt - Die Bürgerlichen brachten den Adligen zur Strecke

In „Dracula“ setzte Stoker dem schon zuvor in Büchern beschriebenen übersinnlichen Wesen Vampir erstmals gleichwertige Bekämpfer entgegen – den Wissenschaftler Abraham van Helsing und den Rechtsanwalt Jonathan Harker. Die Bürgerlichen bringen den Adligen zur Strecke – da lässt sich im gruseligen Abenteuerroman sogar Gesellschaftskritik finden.

Indes brachte „Dracula“ erst Stokers Nachfahren Wohlstand. Die Kritiken waren zwar wohlwollend gewesen, es gab sogar populäre Fans wie Sherlock Holmes Autor Sir Arthur Conan Doyle – aber als Bestseller war „Dracula“ ein Spätzünder. Der Autor selbst starb 1912, wenige Tage nach dem „Titanic“-Unglück, in bescheidenen Verhältnissen in London.

Claes Bang ist ein Volltreffer als thrillender Prinz der Finsternis

Heute sind es ausgerechnet die „Sherlock“-Serienmacher Mark Gatiss und Steven Moffatt, die es mühelos schaffen, den altgedienten Horrorgrafen ein weiteres Mal ins rechte Zwielicht zu rücken. Ihr „Dracula“ hält den Zuschauer in Atem, ist voller Überraschungen, die über die Romanvorlage hinausgehen, ohne sie dabei zu verraten. Eine Nonne (Dolly Wells) wird zum Ventil des Grauens, und Bang, der schon als selbstverliebter Hollywoodstar in der Serie „The Affair“ überzeugte, ist ein Hingucker – ein Volltreffer als witziger, wilder und durchaus thrillender Prinz der Finsternis.

Manchmal ist da vielleicht etwas zu viel Witz, wenn Jonathan Harker zu Dracula sagt: „Sie sind ein Monster!“ Und der ihm darauf antwortet: „Sie sind ein Anwalt. Nobody’s perfect!“ Da denkt man doch an Jack Lemmon in Billy Wilders Komödienklassiker „Manche mögen’s heiß“.

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