Betrügern aufgesessen

„Bild“-Zeitung veröffentlichte gefälschtes Interview mit dem „Drachenlord“

Der damals wegen Körperverletzung angeklagte Youtuber „Drachenlord" steht beim Prozess im Landgericht Nürnberg-Fürth.

Der damals wegen Körperverletzung angeklagte Youtuber „Drachenlord" steht beim Prozess im Landgericht Nürnberg-Fürth.

Es ist der wohl größte Fall von Cybermobbing in Deutschland: Der Youtuber Rainer Winkler alias „Drachenlord“ wird seit fast zehn Jahren von „Hatern“, wie er seine Gegner nennt, schikaniert und verfolgt. Regelmäßig berichten Medien über seinen Fall, der auch schon mehrfach Gerichte beschäftigt hat, zuletzt veröffentlichte die „Bild“-Zeitung Anfang Januar ein vermeintliches Interview mit dem 33-Jährigen. Inzwischen ist aber klar: Die Fragen hat der „Drachenlord“ gar nicht selbst beantwortet – das Boulevardblatt ist offensichtlich Betrügern, die sich als Rainer Winkler ausgaben, aufgesessen.

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Am Donnerstag veröffentlichte die „Bild“-Zeitung deshalb eine Entschuldigung. Interviewt worden sei mutmaßlich „eine andere Person, die sich mit Fälschung amtlicher Ausweisdokumente und hoher krimineller Energie als dieser ausgab“. Der Artikel sei inzwischen gelöscht worden, man werde Strafanzeige erstatten. „Wir bitten unsere Leser und Herrn Winkler um Entschuldigung.“

Bekennervideo bei Youtube

Wie die „Süddeutsche Zeitung“ am Donnerstag zuerst berichtete, wurde inzwischen bei Youtube ein Bekennervideo einer Gruppe veröffentlicht, die das Interview eigenen Angaben zufolge inszeniert hat. Demnach habe ein „Bild“-Reporter ein schnell als solches zu erkennendes Fakeprofil des „Drachenlords“ bei Twitter mit der Bitte um ein Interview angeschrieben – darauf sei man dann unter der Voraussetzung, das Interview nur schriftlich zu führen, eingegangen. Mit mehreren Leuten habe sich die Gruppe dann „extrem tolle Antworten“ auf die Fragen der „Bild“-Zeitung ausgedacht, heißt es in dem Video.

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Gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“ wollte sich ein „Bild“-Sprecher zu dem Video nicht äußern. Er bestätigte aber, dass die Interviewfragen nur schriftlich übermittelt worden seien. „Ein persönliches Gespräch oder Videochat wurde von uns angeboten.“ Beides sei aber „aufgrund der persönlichen Mobbinggefahr im Netz“ abgelehnt worden. Man habe aber „verschiedene Maßnahmen ergriffen, um die Identität des Gesprächspartners zu verifizieren“, zitiert die „Süddeutsche Zeitung“ den Sprecher. Der Reporter habe sich „Fotos amtlicher Ausweisdokumente mit erkennbaren Sicherheitsmerkmalen“ schicken lassen. Die waren allerdings gefälscht, wie sich inzwischen herausgestellt hat.

„Drachenlord“ und seine Gegner beschäftigen seit Jahren Gerichte

Der „Drachenlord“ streitet sich seit Jahren mit seinen Gegnern im Internet. Immer wieder tauchten diese in der Vergangenheit vor seinem Haus im Dorf Altschauerberg auf, um ihn zu provozieren. Die Polizei musste über Jahre meist mehrmals täglich wegen Ruhestörung, Sachbeschädigung, Körperverletzung und anderer Anzeigen ausrücken. Das Haus hat der Youtuber inzwischen verkauft und ist weggezogen.

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Doch auch der „Drachenlord“ wurde nach gegenseitigen Beschimpfungen gewalttätig und musste sich wegen mehrerer Fälle bereits vor Gericht verantworten. In der Berufungsverhandlung verurteilte ihn das Landgericht in Nürnberg im März 2022 zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr. Auch mehrere seiner Gegner wurden zu Haft- und Geldstrafen verurteilt.

RND/seb mit dpa

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