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  • Disney+ Test: Wie gut ist der neue Streamingdienst und lohnt sich ein Abo? - Eine Woche Disney Plus

“Süßoriginellkrassbombastisch”: So war die erste Woche Disney+

  • Eine Woche mit dem neuen Streamingportal zeigt:
  • Die Realität sucht man bei Disney+ zwar vergeblich, gute Unterhaltung gibt es hingegen reichlich.
  • Ein erster Testbericht.
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Gott, ist das süß – so funktioniert Disney, seit sein Rehkitz “Bambi” Amerika half, den Weltkrieg zu überstehen. Himmel, ist das originell – so funktioniert Disney, seit sich der Konzern 2006 den Animator Pixar einverleibt hat. Boah, ist der krass – so funktioniert Disney, seit drei Jahre darauf die Superheldenfabrik Marvel hinzukam. Alter, ist das bombastisch – so funktioniert Disney, seit zuletzt Lucasfilm und 20th Century Fox im Einkaufskorb lagen. Kein Wunder, wie süßoriginellkrassbombastisch es beim Start von Disney+ vor einer Woche zuging.

Disney+: Auftakt mit “The Mandalorian” im Star-Wars-Universum

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Als der hauseigene Streamingdienst das imposante Festfilmkonto des Mutterkonzerns mit „The Mandalorian“ garnierte, enthielt die eigenproduzierte Star-Wars-Episode schließlich alles, was generationsübergreifend für Quote sorgt: Einen Baby-Yoda, dessen Kulleraugen die Kinder verzaubern. Eine Story, deren Einfallsreichtum ihre Eltern einlullt. Einen Krieger, dessen Wucht echte Männer ergreift. Und ein Hightechspektakel, bei dem ihre Frauen nicht fragen, warum eigentlich kein Laserkanonenhagel je die Hauptfiguren trifft.

Die Sorgen der Welt mit Echtzeitlösungsansatz – das ist Disney+

Schon brillant, wie der Medienkonzern die Konkurrenz fast 100 Jahre nach seiner Geburt nun auch am Bildschirm – nein, nicht dominieren, sondern beherrschen dürfte. Was Disney+ für 6,99 Euro im Monat verfügbar macht, ist mit einschüchternd schließlich nur zaghaft umschrieben. Ein kontaktgesperrtes Wochenende mit dem Newcomerplatzhirsch vermag es mehr noch als Amazon oder Netflix spielend, sein Publikum aus der Corona-Depression zu holen. Wenn es bei Disney (mit oder ohne Pluszeichen) irgendwas nie gibt, dann die Sorgen der Welt ohne Echtzeitlösungsansatz.

Unter 100 Formaten, die seit acht Tagen auch hierzulande abrufbar sind, sucht man abgesehen von Leonardo Di Caprios gut versteckter Klimawandel-Doku „Before the Flood“ daher vergebens nach Realismus. Selbst die was-ist-die-Welt-doch-schön-Jubelpose von „National Geografic“ kommt fast ohne Misston aus. Fridays for Future? Gibt’s bei Arte! Wenn „The World According to Jeff Goldbloom“ den Titelstar indes auf Reportage-Reisen schickt, wirft er zwar ulkige Grimassen durch den Massenkonsum von Turnschuh bis Eiscreme. Überflusskritik sucht man indes vergeblich.

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25 Neuformate à la “High School Musical”

Stattdessen poppen zwei Klicks weiter Wale und Löwen auf, Marvels Kinderliebe oder Disneys Weltreich, an dem weder Gigantismus noch Mitarbeiterausbeutung geschweige denn brutale Machtpolitik des zurückschlagenden Imperiums Erwähnung finden. Um die Märchenwelt zu begreifen, bietet sich daher das Echtfilmremake von “Susi & Strolch” an – sofern ein Spachtel zur Hand ist, um den Zuckerguss abzukratzen, der 100 Minuten vom Bildschirm rieselt und schwer an die Nachspeisen der neuen Kochshow “Küchenhelden” erinnert. Wie stets bei Disney verharrt die Welt halt in den Fünfzigern, als ihm das Zeichentrickoriginal verliebter Hunde aus der kriegsbedingten Krise half.

Die allerdings ist spätestens seit der Einkaufstour 2006 Geschichte, dank der sich Disneys Börsenwert auf 174 Milliarden Dollar verdreifacht hat. Ganze 2,5 hingegen, die nun ins Portal investiert werden, sind da fast bescheiden. Wobei das Portfolio von “Avengers” bis “X-Men”, von “Avatar” bis “Findet Nemo” seinen Sog hat. Und er ist umso saugkräftiger, als das Interface zwar exakt dem von Netflix nachempfunden wurde, dank des geringeren Angebots aber (noch) sehr übersichtlich ist.

Das Geruckel beim Ansehen hat überdies eher mit Erfolg zu tun. Schließlich fängt die Welt gerade wenig mehr mit ihrer frischen Freizeit an, als zu streamen. Und da ist der Blockbusterbestand mindestens ebenso zugkräftig wie 25 Neuformate à la “High School Musical” etwa. Wer die Wirklichkeit auf Disney+ anders als in Watte gepackt wünscht, muss sich mühsam bis zu Di Caprios Klimadoku “Before the Flood” durchklicken oder den Pixar-Klassiker “Wall.E” ansehen. Die Erde ist hier verwüstetes Ödland, aber der einsame Roboter einfach endlos süßoriginellkrassbombastisch. Ganz wie die erste Woche Disney+ zu Hause.

RND/Jan Freitag

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