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Kinder eingesperrt und missbraucht

Disney macht gefährlichen, australischen Sektenkult zur Serie

Miranda Otto spielt die Sektenführerin Anne Hamilton-Byrne.

Normalerweise ist das Thema Familie das Herzstück Disneys, doch eine neue achtteilige Serie stellt das eigentlich stets positive Konzept der Marke auf den Kopf. So verfilmt Disney den Roman „In the Clearing“ von J.P. Pomare aus dem Jahr 2019. Der Roman basiert auf dem Alltag in The Family – einer von LSD und Yoga inspirierten Sekte, die in den 1970er-Jahren von Anne Hamilton-Byrne aus Melbourne gegründet wurde.

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Die Hintergrundgeschichte sei „sehr dunkel“, gestand Produzentin Jude Troy dann auch ein: „Ich war schon immer fasziniert davon, wie eine Kommune zu einer Sekte wird, wie diese Macht, dieser Narzissmus korrumpiert“, sagte sie der lokalen Tageszeitung „Sydney Morning Herald“.

Sekte sperrte Kinder ein und misshandelte sie

Die Praktiken der australischen Sekte, die etwa 500 Anhänger und Anhängerinnen hatte, blieben über Jahre hinweg im Verborgenen. Sektenführerin Hamilton-Byrne, die eine Mischung aus Christentum, östlicher Mystik und apokalyptischer Prophezeiung predigte, gelang es, bis zu 28 Kinder einzusperren und zu misshandeln. Letztere konnte sie durch Scheinadoptionen in ihre Fänge bekommen oder sie nahm sie jungen Müttern oder Mitgliedern aus ihrer Sekte ab. Sie färbte die Haare der Kinder platinblond und zwang sie, sich identisch zu kleiden. Hamilton-Byrne selbst ließ sich als weibliche Reinkarnation von Jesus Christus verehren.

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Zwei Jahrzehnte lang gelang es der Australierin, die 2019 im Alter von 98 Jahren gestorben ist, im Verborgenen zu operieren. Klopften Fremde an die Tür des einsamen, an einem See gelegenen Anwesens außerhalb von Melbourne, so mussten sich die Kinder in einem geheimen Gang verstecken und ruhig verhalten. Erst 1987 – nachdem die Polizei einen Tipp von einem geflüchteten Kind erhielt – durchsuchten Beamtinnen und Beamte das Haus und befreiten die restlichen Kinder.

Hamilton-Byrne 1993 festgenommen

Hamilton-Byrne selbst wurde 1993 in den USA mit Hilfe des FBI festgenommen und nach Australien ausgeliefert. Doch dort wurde sie nie wegen Missbrauchs angeklagt, sondern nur für geringfügigere Straftaten strafrechtlich verfolgt. Letztendlich musste sie 5000 Australische Dollar, umgerechnet rund 3300 Euro, Strafe zahlen, weil sie die Dokumente von drei Kindern gefälscht hatte.

Eine ehemalige Sektenanhängerin versuchte im Interview mit dem „Guardian“ einst die Faszination zu beschreiben, die von Hamilton-Byrne ausging. Letztere war eine attraktive blonde Frau, die stets gepflegt war und ihre Haare in Wellen gestylt trug. Doch am meisten scheinen die Menschen von ihren graublauen Augen fasziniert gewesen zu sein. „In der Antike hörten wir von Zauberinnen, die Menschen mit einem Blick versklaven konnten“, sagte das frühere Sektenmitglied Fran Parker. „Sie hatte Augen, die durch deine Seele blickten.“

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Sektenmitgliedern wurde LSD eingeflößt

Der australische Polizist Lex de Man, der es sich letztendlich zu seiner Lebensaufgabe machte, die Verbrechen der Sektenführerin aufzuklären, hat in einem Interview mit CBS News auch über die Wirkung der LSD-Droge gesprochen, die Hamilton-Byrne ihren Anhängern und Anhängerinnen einflößte. Demnach verabreichte sie diese in bizarren zeremoniellen Ritualen, die sie „Clearings“ nannte.

Sobald ihre Anhänger und Anhängerinnen unter dem Einfluss der Droge standen, sei die Tür des Raumes geöffnet worden und Hamilton-Byrne sei in einem wallenden weißen Kleid erschienen. Hinter ihr sei ein Eimer mit Trockeneis platziert gewesen, der rauchte. „Und unter der halluzinogenen Droge LSD waren sie tatsächlich davon überzeugt, dass sie den Allmächtigen sehen, dass sie Jesus Christus sehen“, sagte der Polizist, der die Australierin in verschiedenen Interviews immer wieder als den Inbegriff des Bösen bezeichnete.

Auch Kinder mit LSD betäubt

Auch die Kinder in der Sekte wurden mit LSD betäubt und häufig geschlagen. Sie mussten sich streng vegetarisch ernähren und machten viel Yoga und Sport. Obwohl Hamilton-Byrne und ihr Mann nicht die echten Eltern waren, ließen sie die Kinder in dem Glauben. Den Kindern wurde immer wieder gesagt, dass sie die Welt übernehmen würden, wenn der „Weltuntergang“ käme. Und dieser sei nahe, hieß es.

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Vor einigen Jahren tauchten – nicht zuletzt wegen seiner Haarfarbe – Spekulationen auf, Wikileaks-Gründer Julian Assange sei in der Sekte aufgewachsen. Tatsächlich gab Assange zu, dass ein Mann, mit dem seine Mutter Ende der 1970er-Jahre befreundet war, Mitglied der Sekte gewesen sei. Seine Familie sei letztendlich vor diesem Mann geflohen, hieß es in einem Bericht des „Guardian“.

Sektengründerinnen eher eine seltene Erscheinung

Sektengründerinnen sind eher eine seltene Erscheinung. Die meisten religiösen Gemeinschaften wurden bisher von Männern ins Leben gerufen. Neben Hamilton-Byrne sind nur wenige Frauen bekannt, die religiöse Gemeinschaften gegründet haben. Darunter sind die Kanadierin Aimee Semple McPherson, die in den 1920er-Jahren in Los Angeles die Religion Foursquare gegründet hat, oder die Amerikanerin Elizabeth Clare Prophet, die 1975 die Church Universal and Triumphant ins Leben rief. Letztere ermutigte ihre Anhänger und Anhängerinnen, Atomschutzbunker zu bauen, um sich auf einen bevorstehenden Atomkrieg vorzubereiten.

Um die australische Sekte The Family geht es nun in der neuen Serie „The Clearing“. Die wahren Begebenheiten haben die Handlung inspiriert, die Episoden selbst sind jedoch fiktiv. Miranda Otto spielt dabei die Sektenführerin, während Teresa Palmer ein ehemaliges Sektenmitglied verkörpert, das versucht, ihren Sohn in der Außenwelt großzuziehen, während sich immer wieder Elemente ihres alten Lebens einmischen. Disney wäre aber natürlich nicht Disney, wenn es nicht auch hoffnungsvolle Momente gefunden hätte. „Und die wollen wir genauso erzählen“, versprach die Produzentin Troy bei der Vorstellung der Disney+-Serie, die über die kommenden Monate hinweg im australischen Bundesstaat Victoria produziert werden soll.

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