Dieser 26-jährige Hamburger vertritt Deutschland beim ESC

  • „Holla, die Waldfee!“: Jendrik Sigwart heißt der deutsche Teilnehmer beim Eurovision Song Contest 2021.
  • Der noch unbekannte Musicaldarsteller und Songwriter aus Hamburg soll die Elendsstatistik der Vorjahre aufbessern.
  • Der 2020 noch wegen Corona abgesagte ESC in Rotterdam soll aber über die Bühne gehen – so oder so.
|
Anzeige
Anzeige

„Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten“, lautet ein Bonmot, das (fälschlicherweise) gern Albert Einstein zugeschrieben wird. Es ist das perfekte Motto für die deutsche Teilnahme am Eurovision Song Contest (ESC): Zweimal Letzter, zweimal Vorletzter, einmal immerhin Vierter – das ist die bittere Bilanz der vergangenen fünf Jahre. Mit Karacho gegen die Wand, immer wieder. Aber aussetzen? Keine Option.

Ein 26-jähriger Hamburger soll nun in diesem Jahr das schüchterne Fähnchen der deutschen ESC-Hoffnungen hochhalten: Der Musicaldarsteller und Songwriter Jendrik Sigwart geht am 22. Mai in der niederländischen Hafenstadt Rotterdam für Deutschland an den Start. Sein Markenzeichen: ein Schuss Wahnsinn in bestem Sinne.

Musicaldarsteller und Songwriter aus Hamburg: Der 26-jährige Jendrik Sigwart vertritt Deutschland am 22. Mai 2021 beim Eurovision Song Contest in der niederländischen Hafenstadt Rotterdam. © Quelle: NDR
Anzeige

Wer ist Jendrik Sigwart? Der ebenso quietschlebendige wie weithin unbekannte Schnellsprecher wuchs als Zweitältester mit vier Geschwistern in Hamburg auf, spielte Klavier und Geige und absolvierte ein Studium zum Musicaldarsteller am Institut für Musik der Hochschule Osnabrück. Seinen ESC-Song – den der federführende NDR bis zum 25. Februar noch unter Verschluss hält – schrieb er auf seiner Lieblingsukulele, eigenhändig mit 4000 Strasssteinchen beklebt („Das mache ich nie wieder“).

Auf einen Vorentscheid verzichtet der NDR auch in diesem Jahr. Sigwart setzte sich in einem mehrstufigen Auswahlprozess mit zwei Jurys durch. Der 26-Jährige sei „durch und durch authentisch“, habe eine „tolle Ausstrahlung“ und „unglaubliche Entertainmentqualitäten“, lobte Alexandra Wolfslast, Head of Delegation im neu besetzten deutschen ESC-Team. Der langjährige ESC-Verantwortliche und ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber wechselt im Mai vom NDR an die Spitze der ARD-Spielfilmproduktionsfirma Degeto. Er folgt auf Christine Strobl (49), die neue ARD-Programmdirektorin wird.

Mit oder ohne Publikum – der ESC 2021 findet statt

Der ESC 2020 in Rotterdam war der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen. Damit platzte auch der Auftritt des zuvor hoch gewerteten deutschen Kandidaten Ben Dolic. Noch einmal dasselbe Lied ins Rennen zu schicken, lassen die Regeln nicht zu. In diesem Jahr ist die Europäische Rundfunkunion (EBU) aber wild entschlossen, sich von Corona nicht wieder die paneuropäische Party verhageln zu lassen.

Anzeige

Die ESC-Veranstalter planen (je nach Pandemieverlauf) mit vier Szenarien:

  • Szenario A wäre ein „normaler“ ESC mit voller Arena gewesen – daran glaubt ernsthaft niemand. Von dieser Variante hat sich die EBU verabschiedet.
  • Szenario B sieht ebenfalls neun Liveshows vor: sechs Kostümproben, zwei Halbfinale und ein Finale, entweder ohne oder mit reduziertem Publikum unter Einhaltung der Abstandsregeln. Auf diese Variante richtet sich die EBU bei der Vorbereitung nun zunächst ein.
  • In Szenario C würde der ESC ebenfalls mit noch stärker reduziertem Publikum aus der Ahoy-Arena in Rotterdam übertragen, die Künstler aber blieben zu Hause, die „Liveauftritte“ kämen vom Band, nur Crew und Moderatoren wären vor Ort. So ähnlich verlief bereits der „Junior ESC“ Ende November in Polen.
  • Szenario D schließlich wäre ein ESC unter Lockdownbedingungen, ganz ohne Künstler und Publikum – ein reines Onlineevent also, das nicht aus der Arena gesendet würde.
Anzeige

„Wir wollen so lange wie möglich flexibel bleiben, um den bestmöglichen ESC unter den gegebenen Umständen auf die Beine zu stellen“, erklärte ESC-Produktionsleiter Sietse Bakker. Wegen der eingeschränkten Zahl der Sitzplätze nimmt die EBU alle bereits verkauften Tickets für die Ahoy-Arena zurück und wird einen ganz neuen Verkauf starten. Die Entscheidung, wie der ESC final verlaufen wird, fällt Ende April.

Möglich ist, dass einige der Künstler aus 41 Ländern also live auftreten, andere wegen Reisebeschränkungen nur ein Video schicken können. Deutschland ist also größter EBU-Beitragszahler neben Frankreich, Spanien, Großbritannien und Italien für das Finale gesetzt. Um die Produktion zu sichern, produzieren alle Kandidaten ein Bewerbungsvideo – für den Fall der Fälle.

Mit oder ohne Zuschauer – der Eurovision Song Contest 2021 soll stattfinden. 2020 war das größte Musikevent der Welt der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen.
Anzeige

Jendrik Sigwart gab seiner Freude über die ESC-Teilnahme in einer schriftlichen NDR-Stellungnahme in ekstatischen Großbuchstaben Ausdruck: „Ich freue mich sehr, beim ESC für Deutschland auf der Bühne stehen zu dürfen – OKAY ICH HALT ES NICHT AUS, DA SERIÖS ZU BLEIBEN, LEUTE ICH GEH ZUM ESC – DAS IST EIN TRAUM, DER IN ERFÜLLUNG GEHT! HOLLA, DIE WALDFEE!“ Seinen Song präsentiert die ARD am 25. Februar gleich zweimal: um 17.50 Uhr sowie direkt vor der „Tagesschau“ um 19.56 Uhr im Ersten. Auch für die Songauswahl tragen zwei Jurys die Verantwortung: eine „Eurovision-Jury“ mit 100 ESC-affinen Normalsterblichen aus ganz Deutschland und eine internationale Expertenjury aus 20 Musikprofis.

Ablenkung von den Zumutungen der Gegenwart

Der ESC also, dieses paneuropäische kreative Kräftemessen mit 180 Millionen Zuschauern, findet statt. In einem Jahr, in dem die interessierte Öffentlichkeit jede Ablenkung von den Zumutungen der Gegenwart gut gebrauchen kann, ist das eine gute Nachricht. Die Fangemeinde reagierte erleichtert bis euphorisch. „Ich freue mich einen Keks“, schrieb ein Fan im Netz. Ein anderer antwortete: „Nur einen Keks? Ich freu’ mich einen ganzen Kuchen.“

Die beiden ESC-Semifinals am 18. und 20. Mai sind ab 21 Uhr live im ARD-Tochtersender ONE zu sehen, das Finale dann am 22. Mai ab 21 Uhr live in der ARD, kommentiert von Peter Urban.

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen