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  • „Die Toten von Salzburg: Treibgut” - so gut ist der ZDF-Krimi vom 11. August

ZDF-Krimi „Die Toten von Salzburg“: Urlaub bis zum Sterben

  • Im siebten Film aus der ZDF-Reihe „Die Toten von Salzburg” wird die Leiche einer chinesischstämmigen Fremdenführerin gefunden.
  • Die Folge „Treibgut” (11. August) ist eine gelungene und sorgsam gestaltete Krimikomödie, findet RND-Kritiker Tilmann P. Gangloff.
  • Er schätzt besonders die Nebenfiguren, die hier mehr als bloß Stichwortgeber sind.
Tilmann P. Gangloff
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Die beiden Männer mögen sich nicht, sind aber notgedrungen aufeinander angewiesen, weil der eine die Mordfälle nicht ohne den anderen lösen kann: Das ist seit fast zwanzig Jahren das bewährte Erfolgsrezept des „Tatort” aus Münster. Im Lauf der Zeit hat sich zwar eine gewisse Nähe entwickelt, und in schwachen Momenten ist tatsächlich so etwas wie gegenseitige Zuneigung zu spüren, aber beste Freunde werden die beiden in diesem Leben vermutlich nicht mehr. Gleiches gilt für die Hauptfiguren der ZDF/ORF-Reihe „Die Toten von Salzburg”, die das Muster auf die Spitze treiben, weil sich zur persönlichen Antipathie auch noch landsmannschaftliche Animositäten gesellen. Da die Salzburger Mordopfer aber regelmäßig Verbindungen nach Oberbayern haben, muss Major Palfinger (Florian Teichtmeister) zu seinem großen Verdruss jedes Mal aufs Neue mit dem oberbayerischen Grantler Mur (Michael Fitz) zusammenarbeiten.

Das Schema funktioniert auch im siebten Film famos, weil die Drehbücher (diesmal Silvia Wohlmuth und Klaus Ortner) regelmäßig dafür sorgen, dass sich die beiden Kontrahenten gegenseitig mit Süffisanz traktieren. Der Wiener Teichtmeister und der Oberbayer Fitz passen zudem perfekt zu ihren Rollen (oder umgekehrt), zumal gerade der gebürtige Münchner nur Nuancen braucht, um komische Akzente zu setzen.

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Besonderes Augenmerk auf die Nebenfiguren

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Ein weiteres Qualitätsmerkmal der Bücher ist das besondere Augenmerk auf die Nebenfiguren, die mehr als bloß Stichwortgeber sind und sich anders als im „Tatort“ weiterentwickeln dürfen: Palfingers Bruder Sebastian (Simon Hatzl), in den ersten Geschichten Pfarrer, fühlt sich seit der letzten Episode („Schwanengesang“) zu weltlichen Dingen hingezogen und liefert dank seiner wechselnden Interessen allerlei hintergründige Einblicke ins jeweilige Sujet. Eine ähnliche Bedeutung hatte von Anfang an Palfingers Vorgesetzter. Seywald, von Erwin Steinhauer mit viel Dünkel versehen, hatte im letzten Film sein Coming-out, was die Reihe um eine gewisse Relevanz ergänzt: Dem Hofrat wird ein vorzeitiger Ruhestand nahegelegt. „Urlaub bis zum Sterben“, sinniert Seywald – und lehnt dankend ab.

Beim „Tatort” aus Münster legen die Autoren mitunter mehr Wert auf die beim Publikum so beliebten Scharmützel zwischen den Protagonisten als auf die Krimiebene. Für „Die Toten von Salzburg” gilt das (noch) nicht, denn die vermeintlichen Nebenschauplätze sind geschickt mit der eigentlichen Handlung verwoben: In der Salzach wird die Leiche einer chinesischstämmigen Fremdenführerin gefunden. Die junge Frau ist die Tochter eines Traunsteiner Restaurantbesitzers, hat aber für das Salzburger Busunternehmen Mandl gearbeitet und war mit dem Sohn des Besitzers liiert. Da dieser Mann von Harald Schrott verkörpert wird, haben Couchkriminalisten umgehend ihren ersten Verdächtigen; tatsächlich stellt sich heraus, dass die Bande zwischen dem Chef und seiner Angestellten nicht nur beruflicher Natur waren.

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Krimihandlung ist nicht besonders kompliziert

Die Krimihandlung ist nicht besonders kompliziert, selbst wenn noch ein Lederwarenhändler ins Spiel kommt, aber die Verdachtsmomente sind viel zu offenkundig, zumal Michael Fuith den Mann allzu deutlich als Antipathieträger verkörpert. Trotzdem ist diese Ebene in Verbindung mit dem neuen Broterwerb von Sebastian Palfinger sehr interessant: Der Bruder ist ebenfalls als Fremdenführer tätig und weiß von halb mafiösen Methoden im touristischen Gewerbe zu berichten, die auch als Stoff für eine Reportage taugen würden.

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Regie führte zum siebten Mal Erhard Riedlsperger, der den Filmbildern gemeinsam mit seinem langjährigen Kameramann Kai Longolius erneut einen ganz besonderen Look gegeben hat: Das Ledergeschäft ist in ein helles Braun getaucht, das nicht nur mit dem Warenangebot, sondern auch mit der Kleidung des Besitzers korrespondiert, und die Aufnahmen von Salzburg bei Nacht sind ohnehin einen Blick wert.

„Die Toten von Salzburg: Treibgut” läuft am 11. August ab 20.15 Uhr im ZDF.

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