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Die Netflix-Rebellen aus Byron Bay: Einwohner des australischen Ortes wollen Dreh boykottieren

Traumhaft schön: Kein Wunder, dass es Stars und Influencer nach Byron Bay in Australien zieht. Doch die Einwohner wollen nicht, dass ihr Strandort als „Fantasiewelt“ dargestellt wird.

Byron Bay.Weiße Sandstrände, Palmen, Sonne und Meer – Byron Bay an der Ostküste Australiens ist für viele ein Traumziel. Nicht umsonst tummeln sich in dem Hippieparadies auch viele Hollywoodstars, darunter Chris Hemsworth, Zac Efron oder Matt Damon.

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Doch die Realität in dem auf den ersten Blick traumhaften Ort ist eine völlig andere. Die Pandemie hat vielen Bürgern in der Region die Lebensgrundlage geraubt, vor allem Wohnungsnot macht den Einheimischen das Leben schwer. Denn die Hauspreise sind nicht zuletzt wegen des großen Interesses der Reichen und Schönen ins Astronomische geklettert. Viele normale Bürger können sich in ihrer eigenen Heimat inzwischen keine Immobilien mehr leisten und finden deswegen, dass das Letzte, was sie nun noch brauchen, eine Reality-TV-Show ist, die – wie Netflix ankündigt – „sexy“ Instagrammer zeigen wird, die in der vermeintlichen Idylle ihr „bestes“ Leben leben.

Einwohner befürchten „unrealistische Fantasiewelt“

So sagte Delta Kay, eine prominente indigene Frau aus Byron Bay, im Interview mit dem „Guardian“, die geplante Netflix-Serie „Byron Baes“ würde „eine Fantasiewelt unseres kleinen Heimatortes schaffen“. Dabei hätten sie „große Umweltprobleme“ und „große soziale Probleme“. Sie wolle nicht, dass Influencer ein völlig unrealistisches Bild von Byron Bay vermitteln würden, das nichts mit der Realität zu tun habe.

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Auch die Komikerin Mandy Nolan, die seit 30 Jahren in Byron Bay lebt und als Kandidatin der Grünen in der Region antritt, äußerte Bedenken. So viele Leute in ihrer Bekanntschaft hätten derzeit keine Wohnung, sagte sie. In solch einer Krisenzeit „eine Fantasygeschichte zu erzählen“, sei in ihren Augen falsch.

Der lokale Musiker Ben Gordon, dem das Café „The Byron Bay General Store“ gehört, fühlt sich von Netflix überfahren. Hier komme ein multinationales Unternehmen an und versuche, „den Namen der Stadt auszunutzen“, sagte er der australischen Tageszeitung „Sydney Morning Herald“.

Einheimische wütend: Petition gegen Doku

Die Wut der Einheimischen braut sich seit einiger Zeit zusammen. Eine Petition, die die Bürger von Byron Bay vor einer Woche gegen die Serie gestartet haben, hat inzwischen fast 8000 Unterstützer gefunden. Viele der Unterzeichner machen dabei ihrem Unmut in den Kommentaren zur Petition Luft. „Reality-TV ist toxisch für die Menschheit“, schrieb Daniel H. beispielsweise. „Es kommt gleich nach Instagram.“

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In der Petition rufen die Bürger deswegen Behörden und Geschäfte auf, die Serie zu boykottieren und dem Produktionsteam Drehgenehmigungen zu verweigern. „Wir möchten, dass unsere Stimme gehört wird“, heißt es darin. Man wolle sich nicht mit den Folgen auseinandersetzen, die eine derartige Präsentation ihres Ortes auf der Weltbühne haben könnte. Denn für die lokale Umwelt und Gemeinschaft könne dies nur schädlich sein.

Bürgermeister empfindet Show als Beleidigung

Bürgermeister Simon Richardson empfindet die Show zudem als Beleidigung für seine Gemeinde, wie er dem australischen Sender „ABC“ sagte. Das Ganze sei „fast eine Truman-Show“. Man wolle alles „idyllisch und oberflächlich“ darstellen, dabei gleiche es eher „einem leeren Parkplatz“. Viele seiner Bürger würden gerade unter einer Menge Druck stehen und sich mit den echten Problemen des Lebens auseinandersetzen müssen.

Die Produzenten der Show glauben dagegen, dass die Dreharbeiten positiv für die Region wären, nicht zuletzt, da viele Einheimische im Produktionsteam oder beim Catering Arbeit finden würden. Que Minh Luu, die bei Netflix für die Inhalte in Australien und Neuseeland verantwortlich ist, sagte dem „Guardian“, dass die Show „authentisch und ehrlich“ sein werde, auch wenn sie natürlich Drama, Liebesgeklüngel und Konflikte zeigen werde. Letztendlich sei aber das Ziel, „die Geheimnisse um die Influencer-Kultur zu lüften“ und dabei herauszufinden, woher die Motivation hinter dem menschlichen Bedürfnis stamme, stets geliebt werden zu wollen.

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