Die Liebe zu Fox News ist erkaltet – plant Trump jetzt einen eigenen TV-Sender?

„Fox News ist nicht mehr dasselbe“: US-Präsident Donald Trump – hier im Interview mit Fox-News-Moderator Chris Wallace – vermisst die frühere Ergebenheit des stramm rechtskonservativen Nachrichtensenders.

„Fox News ist nicht mehr dasselbe“: US-Präsident Donald Trump – hier im Interview mit Fox-News-Moderator Chris Wallace – vermisst die frühere Ergebenheit des stramm rechtskonservativen Nachrichtensenders.

Nein, sagte Fox-News-Moderator Neil Cavuto am Montagabend direkt an seine Zuschauer gerichtet: „Ich kann Ihnen das nicht weiter mit gutem Gewissen zeigen.“ Gerade hatte Donald Trumps Sprecherin Kayleigh McEnany in einer Livepressekonferenz aus dem Weißen Haus Joe Bidens Demokraten unterstellt, sie würden Wahlbetrug gutheißen – da blendete sich Fox aus. Schluss. So nicht, nicht mehr. Es scheint, als habe der Sender plötzlich eine menschliche Regung entdeckt, die lange überlagert schien von der gierigen Begeisterung über Trumps quotenträchtige Qualitäten als Entertainer und Menschenfänger: das eigene Gewissen.

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Hier durfte er sich widerstandslos inszenieren: US-Präsident Donald Trump behauptet im September in einem Fox-News-Interview ohne jeden Beleg, sein Herausforderer Joe Biden nehme Drogen.

Hier durfte er sich widerstandslos inszenieren: US-Präsident Donald Trump behauptet im September in einem Fox-News-Interview ohne jeden Beleg, sein Herausforderer Joe Biden nehme Drogen.

Über Jahre fungierte Fox News, Rupert Murdochs stramm rechtskonservativer Newssender, mit all seinen langjährigen Trump-Loyalisten wie Sean Hannity, Laura Ingraham oder Tucker Carlson als Trumps ergebenstes und lautestes Megafon, wenn es darum ging, sich widerstandslos als bester US-Präsident aller Zeiten zu inszenieren. Dass selbst Fox sich nun ausblendet – wie zuvor bereits NBC und CBS aus Trumps gespenstischem Nachwahlauftritt –, ist ein untrügliches Indiz: Es wird einsam um den Wahlverlierer. Schon in der Wahlnacht hatte ausgerechnet Fox News als erstes US-Network den Bundesstaat Arizona Joe Biden zugeschrieben – als erst 73 Prozent der Stimmen ausgezählt waren. Damit lag Biden in keinem US-Sender so früh so weit vorn wie bei Fox News. Trump soll fuchsteufelswild gewesen sein.

Der Geist von Robert Ailes

Dabei muss er schon länger geahnt haben, dass auf die Fox-Mannschaft kein Verlass mehr ist. „Fox hat sich verändert“, klagte er am Wahltag während eines Telefonanrufs in seiner liebsten Morning-Show „Fox & Friends“. Und sprach von den „alten Zeiten“. Was er zweifellos meinte: die Zeiten, als noch der Geist des mächtigen Trumpisten und Fox-News-Gründers Roger Ailes über den Wassern des Senders schwebte, bevor dieser 2016 nach massiven Vorwürfen sexuellen Missbrauchs Murdochs Gunst einbüßte, das Amt niederlegen musste und ein knappes Jahr später nach einem Sturz starb. Einen hervorragenden Einblick in Ailes’ toxisches Wirken gibt aktuell die HBO-Serie „The Loudest Voice“ mit Russell Crowe.

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Fox News und Trump kennzeichnete stets ein komplexes, aber symbiotisches Verhältnis. Wenn in menschlichen Beziehungen aus Liebe Hass wird, ist oft die plötzliche schamhafte Erkenntnis im Spiel, vom anderen abhängig zu sein. Nun ist es, als erwachten selbst manche US-Krawallmedien aus einem Fiebertraum. Man kann das opportunistisch nennen oder berechnend – aber: „Die lange Liebesaffäre zwischen Fox News und Trump ist wohl vorbei“, urteilte die „Washington Post“. Und spöttelt, wie schwer es für einen Narzissten wie Trump sein müsse, auf Gunst und Aufmerksamkeit von Medien und Menschen zu verzichten. „Vielleicht verkauft er demnächst Haarpflegeprodukte der Marke Trump im Shoppingfernsehen“ – um bloß im Gespräch zu bleiben.

An eine erneute Kandidatur von Trump im Jahr 2024 glaubt die „Washington Post“ nicht: „Das ist eine komplette Fiktion. Donald Trump wird nicht wieder als Präsident kandidieren. Er wird aber weiterhin die Möglichkeit andeuten, eine erneute Kandidatur zu prüfen. Denn solange wir glauben, dass er antreten könnte, gibt es immer noch Grund, ihn zu beachten, über ihn zu sprechen und so zu tun, als hätte er noch irgendeine Wichtigkeit.“

Denn die Wirklichkeit ab dem 20. Januar 2021 – dem Tag der Amtseinführung von Joe Biden – sei bitter für Trump: Ab diesem Tag werde es „keine Wahlkampfauftritte mehr geben“, schreibt die „Washington Post“: „Millionen Amerikaner werden aufhören, sich um das zu kümmern, was er zu sagen hat. Er wird wütende, provokative Tweets schreiben, aber die Medien werden keine Geschichten mehr über sie veröffentlichen.“

Fast 72 Millionen Amerikaner stimmten für Trump

Etwas hat sich verändert. Und das betrifft nicht nur Fox. Lange gaben sich auch die sozialen Netzwerke überraschend nachsichtig mit dem wild um sich twitternden Präsidenten. Doch Twitter, sein wichtigstes emotionales Überdruckventil, markierte seit dem Wahltag mindestens 42 seiner Tweets als zweifelhaft oder umstritten. In welcher Blase sich der Präsident aufhält, zeigt auch, dass er wieder verstärkt Beiträge des rechtspopulistischen Portals Breitbart retweetet. Da schließt sich ein Kreis: Der damalige Breitbart-Chef Steve Bannon war zu Beginn seiner Amtszeit bis August 2017 sein wichtigster Berater.

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Die Marke „Trump“ dürfte vorerst stabil bleiben: Unterstützer des abgewählten Präsidenten protestieren in Miami gegen das Wahlergebnis.

Die Marke „Trump“ dürfte vorerst stabil bleiben: Unterstützer des abgewählten Präsidenten protestieren in Miami gegen das Wahlergebnis.

Die Marke „Trump“ freilich dürfte vorerst stabil bleiben. Fast 72 Millionen Amerikaner stimmten für ihn (76,5 Millionen für Biden). 88 Millionen folgen ihm bei Twitter. In Europa wird oft unterschätzt, mit welcher Leidenschaft der Mann landesweit als Erlöserfigur verehrt wird. Die Liebe seiner Fans ließe sich gewiss gewinnbringend nutzen. So verschärfen sich Gerüchte, dass Trump sich nach dem Ausscheiden aus dem Amt mit einem eigenen TV-Kanal unabhängig machen könnte von der Gunst der US-Medien, die er wahlweise als „Fake News Media“ oder „Feinde des Volkes“ geißelte, sobald er Gegenwind verspürte.

Plant Donald Trump jetzt Trump TV?

Plant er Trump TV? Schon 2016 spielte er öffentlich mit dem Gedanken an einen eigenen Sender, sollte er die Wahl verlieren. Sein Schwiegersohn Jared Kushner sondiert aktuell hinter den Kulissen die Möglichkeiten. Im Mai twitterte Trump: „Fox News ist nicht mehr dasselbe. Wir vermissen den großartigen Roger Ailes. Auf der Suche nach einem neuen Medium!“ Seine TV-Firma Trump Productions in Los Angeles produzierte bisher nur seine Realityshow „The Apprentice“ sowie Misswahlen – ein Newskanal ist nicht dabei. Eine Zeit lang warb Trump für das stramm rechte One America News Network (OANN) des Unternehmers Robert Harring – eine marginale, aber aggressive und noch skrupellosere Fox-News-Kopie, die den Weißkopfseeadler im Logo trägt – und auch schon mal Verschwörungtheorien von Qanon verbreitet oder behauptet, das Coronavirus sei in North Carolina hergestellt worden.

Mit welchem Geld der klamme Immobilienmakler seine Blütenträume finanzieren könnte, ist freilich offen. Fraglich, ob er einen Milliardärsfreund findet, der ihm seine postpolitische Großmannssucht finanziert – oder ob große Werbekunden mit der Marke assoziiert werden wollen. Immerhin: Chris Ruddy, Chef des Medienunternehmens Newsmax, sagte bei CNN: „Ich würde Trump sehr gerne bei Newsmax haben, egal, ob er Präsident ist oder nicht. Ich finde, er ist großartiges Fernsehen.“ Die Frage ist bloß, ob Trump überhaupt Gelegenheit hat, in einem Fernsehstudio zu sitzen. Oder ob er seine Zeit überwiegend im Gerichtssaal verbringt.

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