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„Die Höhle der Löwen“: Carsten Maschmeyer kanzelt 83-jährigen Rekordgründer ab

  • Gert Wagner aus Hamburg hat für Foto- und Videoreportagen die gesamte Welt bereist, im hohen Alter möchte er noch mal groß durchstarten – als Unternehmer.
  • Doch das Vorsprechen mit seiner Geschäftsidee in der Vox-Show „Die Höhle der Löwen“ lief für den 83-Jährigen alles andere als geplant.
  • Sein Hüftgürtelfotostativ Steadify stieß durchaus auf Interesse, die Geschäftszahlen verschreckten dann aber alle potentiellen Investoren.
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Es macht den Charme der Vox-Gründershow „Die Höhle der Löwen“ aus, dass Lebens- und Unternehmergeschichten, tiefe Emotionen, große Hoffnungen sowie pedantische Zahlen-Fixiertheit und eiskaltes Chancen-Risiken-Abwägen ganz nah beieinander liegen. Ein guter erster Eindruck und hohe Sympathiewerte haben Goldwert. Aber Erfolg hat man am Ende mit der Detailgenauigkeit und der Schlüssigkeit, mit der alle Rechnungen aufgehen sollten. Ein Spannungsverhältnis, das am Montagabend in der neuen Ausgabe einer besonders rührigen Gründerpersönlichkeit zum Verhängnis wurde. Zum großen Bedauern aller Beteiligten.

Zunächst lief es für Gert Wagner (83), der sich bei der Präsentation seiner Ideen für das neuartige, pfiffig einfache und vielseitig einsetzbare Hüftgürtel-Foto-Stativ Steadify von seinem 42-jährigen Sohn Tobias in der Show begleiten ließ, ziemlich vielversprechend. Der im Laufe seines langen aktiven Berufslebens viel beschäftigte Fotograf präsentierte spektakuläre Aufnahmen – etwa von einem Ballonflug über den Atlantik oder von der Mastspitze einer Segel-Superyacht herab. „Ich habe den Globus kreuz und quer durchreist“, sagte Wagner. „Mit meiner Kamera.“

Schon früh habe er angefangen, sich für technische Fotofinessen zu interessieren. So entwickelte er früh die sogenannte flexible Autofocus-Funktion, die heute Standard in vielen Kameras und in den meisten Smartphones ist. Eine geniale Erfindung, die Gert Wagner allerdings nicht reich machte, weil die Geschäftschancen andere erkannten und nutzten. Mit seinem Steadify-Stativ möchte er nun diese Scharte noch einmal auswetzen. Was allerdings offenbar gleich geblieben ist: Der Fotograf hat technisch ausgefeilte Ideen. Ein begnadeter Rechner ist er allem Anschein nach nicht.

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„Die Höhle der Löwen“: Dagmar Wöhrl schlüpft in den Steadify-Hüftgurt

Allerdings: Sein Kamerastabilisator Steadify, der per Gurt an der Hüfte befestigt sanfte Videoschwenks ermöglicht, könnte vor allem die vielen mehr oder weniger professionellen Youtube-Filmer begeistern. Gegenüber einem herkömmlichen Stativ, das erst umständlich aufgebaut werden muss, dürfte die bewegliche Lösung viele Vorteile haben. „Ehe man es aufgebaut hat, ist manch goldener Moment schon vorbei, und dann funktioniert es auch nur auf festem Untergrund“, sagte Sohnemann Tobias über das üblich starre und schwere Stativ. „Von all diesen Nachteilen wollten wir uns nicht mehr plagen lassen.“

Nico Rosberg schien von der Idee angetan zu sein. „Ich habe einen Action-Youtube-Kanal“, sagte er. Dort könnte man das System gut brauchen. Und auch Löwin Dagmar Wöhrl, die sich selbst als begeisterte Hobbyfotografin und –Filmerin outete, klagte über die herkömmliche unpraktische Technik. „Stative stapeln sich bei mir zu Hause.“ Sie war es auch, die sich gerne den Steadify-Gurt von Gert Wagner umlegen ließ und selbst ein paar Schnappschüsse probierte. „Dagmar, das sieht sehr sexy aus“, fing sie sich ein Lob von Co-Löwin Judith Williams ein, die Wöhrls schneidigen Look im Fotografinnen-Outfit bewunderte.

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Alles ließ sich also gut an, sodass Gert und Tobias Wagner tatsächlich auf die Erfüllung ihrer Wunschforderung von einem „Löwen“-Investment in Höhe von 350.000 Euro für 20 Prozent der Firmenanteile hoffen durften. Doch dann kam der Dämpfer. Und den verabreichte sich der – wie sich erst später herausstellte – 83-jährige Gründer selbst. Die Zahlen von Gert Wagner schienen hinten und vorne nicht richtig zu stimmen. Überzeugen konnten sie jedenfalls nicht.

Vater und Sohn „finanziell erschöpft“

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Dabei wirkte der Verkaufspreis für sein Steadify-System mit 149 Euro (bei einem Herstellungspreis von angeblich lediglich rund 20 Dollar) noch attraktiv für die möglichen Geldgeber. Und auch dass die Wagners bereits 6000 Stück verkauft hatten und ehrgeizige Ziele verfolgen („Natürlich streben wir den Weltmarkt an“), klang so recht nach dem, was „Löwen“ gerne hören. Doch dann deckte Gert einen schier nicht zu schluckenden dramatischen Umsatzrückgang ausgerechnet im zurückliegenden Jahr auf. Damals verkaufte er offenbar kein einziges seiner neuartigen Stative. Schlimmer noch: Er scheint auf einer von ihm selbst bestellten Warenmenge von rund 5000 Stück zu sitzen. „Wir waren finanziell erschöpft“, sagte der Gründersenior.

Seine Erklärungen, die Misere zu deuten? Zumindest nicht sofort einleuchtend. Gert Wagner sprach von einer teuren Kampagne, mit der sich seine kleine Vater-Sohn-Firma allem Anschein nach übernommen hatte. Nun will er aber sofort wieder neue Finanzmittel nachschießen. „Das Geld ist uns ausgegangen“, sagte der 83-Jährige. „Wir machen keine halben Sachen – schon gar nicht beim Marketing.“

Als Carsten Maschmeyer scharf nach Zahlendetails fragte, geriet der drahtige Konstrukteur ins Schwimmen und erbat sich Bedenkzeit. Doch Zeit hat ein Maschmeyer eher selten. „Kein Umsatzüberblick!“, schimpfte der Zahlenprofi. Es war der Moment, ab dem auf der „Löwen“-Tribüne bei den eben noch so zugewandten Investoren die Gesichter immer länger wurden.

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Maschmeyer: „Ich wäre vielleicht ein bisschen freundlicher gewesen“

„Ihr Produkt ist wirklich gelungen“, sagte da Nico Rosberg und leitete mit freundlichen Eingangssätzen die Riege der nun rasch hereinprasselnden Absagen ein. „Ich muss volles Vertrauen in das Team auch als Unternehmer haben“, so der Ex-Formel-1-Weltmeister. Und er winkte bei Steadify ab. Und das, obwohl er fast selbst gern eingestiegen wäre. „Ich glaube, da ist ein Riesenpotenzial drin“, sagte er. „Die Jugend brennt auf so was.“

Auch bei Dagmar Wöhrl, eben noch Feuer und Flamme, war alle Begeisterung erloschen. „Für mich sind unglaublich viele Fragen offen“, sagte sie und winkte ab – wie alle übrigen Investoren auch. Die Enttäuschung für Gert Wagner war perfekt – und das wenige Tage nach seinem 83. Geburtstag. „Ein Geburtstagsgeschenk fehlt mir noch“, hatte er fast ein wenig flehentlich angefügt. Doch mit seinem beeindruckenden Alter, das auch andere Gründer inspirieren dürfte, war der Mann, der deutlich jünger aussieht als er ist, vielleicht zu spät herausgerückt.

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„Wir haben vom Alter her einen neuen Rekordhalter“, freute sich immerhin Carsten Maschmeyer. Trotzdem schmetterte auch er das Ansinnen von Gert Wagner ab. Als Vater und Sohn ihre Niederlage eingestanden hatten und die Bühne verlassen mussten, kam dem Serieninvestor dann doch noch der Anflug eines schlechten Gewissens. „Ich wäre vielleicht ein bisschen freundlicher gewesen“, so Maschmeyer zu seinen Kollegen, „wenn ich das Alter gewusst hätte.“ Allerdings: „Investiert hätte ich trotzdem nicht.“

Letztlich blieb Gert Wagner diesmal nicht der einzige Gründer, der ohne Geld wieder abziehen musste. Immerhin behielt er seinen (völlig berechtigten) Stolz. „Kann passieren“, sagte der 83-Jährige zu seinem Sohn. „Kein Weltuntergang.“

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Auch die Aumio-Entwickler verzockten sich – drei weitere Gründer glücklich

Anders lag der Fall bei den vier Aumio-App-Entwicklern. Sie pokerten so verbissen um eine Geldspritze für ihre eigentlich ebenfalls sehr bewundernswerte Arbeit, eine „achtsame“ Digitallösung zur Behandlung von psychischen Auffälligkeiten bei Kindern, dass am Schluss kein Löwe mit ihnen zusammenarbeiten wollte. Carsten Maschmeyer und Nils Glagau boten lange mit, kamen dann aber nicht zum Zug. Und sie waren ordentlich genervt. „Ihr macht einen Fehler“, blaffte Maschmeyer die Aumio-Erfinder an.

Besser lief’s für drei anderen Gründerauftritte in der Sendung: Die Geschwister Antonia und Alexander Cox holten sich Geld für ihre biologisch abbaubaren POTTBURRI-Blumen-Pflanztöpfe. Ebru Erkunt schaffte es – nach fünf Jahren Anlauf für einen Auftritt in der „Höhle der Löwen“ –, für ihre veganen Nusskreationen von Haselherz eine Zusammenarbeit mit Ralf Dümmel einzutüten und das nötige Investitionsgeld zu ergattern. Und bei Carsten Maschmeyer und Dagmar Wöhrl im Doppelpack landeten die Brüder Angelo und Sandro Torcia, deren Lebensmitteldrucker Liebesschwüre und Werbebotschaften auf dem Schaum von Cappuccino-Tassen und Biergläsern platziert. Drei schöne Erfolge – und mehr als nur eine geschmackvolle Idee.

RND/Teleschau

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