ARD-Thriller „Die Heimsuchung“: Wenn der Heimaturlaub zum Horrortrip wird

  • „Die Heimsuchung“ (25. September, ARD) ist ein verzwickter Thriller mit Kostja Ullmann als traumatisiertem Polizisten.
  • Nach einer Tragödie fährt er zu seinen Eltern an die Ostsee und erlebt dort sein blaues Wunder.
  • Dabei nimmt der Krimi Anleihen beim klassischen Horrorschocker – und kommt zu einem wahrlich verblüffenden Schluss.
Martin Weber
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Es beginnt wie viele derartige Geschichten im finsteren Untergrund, der auch in diesem Film zunehmend zum Symbol für das Unterbewusstsein des Protagonisten werden wird. In dem klammen und stockdunklen Kellergewölbe einer stillgelegten Fabrik tastet sich der BKA-Beamte Ben (Kostja Ullmann) mit einer Pistole und einer Taschenlampe bewaffnet durch die Gänge. Er ist auf der Suche nach einem entführten Kind und findet es zusammengekauert und zitternd in der Ecke einer Kammer.

Gemeinsam fliehen Ben und das kleine Mädchen aus der Unterwelt über eine Treppe ins nächtliche Freie, wo sie von den Taschenlampen zweier Kollegen begrüßt werden. Doch die vermeintlichen Polizisten entpuppen sich im Prolog des TV-Thrillers „Die Heimsuchung“ (25. September, ARD) als die Entführer, die in einem echten Schockmoment für den Zuschauenden erst das Kind erschießen und dann auch Ben mit einer Kugel niederstrecken.

Nichts ist eben, was es scheint: Dieses Grundprinzip zieht sich durch Stephan Ricks gesamten Krimi, den der Regisseur mit starken Darstellern und Darstellerinnen und düsteren Bildern nach einem cleveren Drehbuch von Thorsten Wettcke inszeniert hat.

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BKA-Beamter Ben überlebt die Tragödie

Anders als die kleine Lara hat Ben die Tragödie überlebt und erwacht nach einer langen Zeit im künstlichen Koma im Krankenhaus, wo seine Freundin Marion (Kristin Suckow) voller Hoffnung am Bett gewacht hat. Körperlich ist der BKA-Beamte schon bald wieder auf dem Damm, doch der Gedanke an den missglückten Einsatz und das tote Mädchen nagt nicht nur an der Seele des sensiblen Polizisten – er wird auch von beängstigenden Visionen heimgesucht, in denen ihm die tote Lara erscheint, gerne im Badezimmerspiegel oder im Rückspiegel seines Autos.

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In diesen und anderen Gruselszenen nimmt Regisseur Stephan Rick Anleihen beim klassischen Horrorschocker, die zuweilen etwas aufgesetzt wirken und nicht so ganz zu dem tiefenpsychologischen Drama passen wollen, das sich hier abspielt.

Um Abstand zu gewinnen, fährt Ben gemeinsam mit Marion an die Ostsee, wo seine Eltern Ralph (Martin Feifel) und Anke (Deborah Kaufmann) in einem alten Gutshof leben und sich über den ersten Besuch des Sohnes nach vielen Jahren freuen. Doch die Rückkehr in die alte Heimat wird für Ben zu einer schmerzvollen Reise in die eigene Vergangenheit: Als Kind hatte er einen besten Freund, mit dem er alles teilte und der vor mehr als 20 Jahren bei einem tragischen Unfall vermeintlich ums Leben kam.

Timmi erstickte auf dem heimischen Bauernhof in einem Silo. Zu seinem Erstaunen erfährt Ben von Timmis Schwester, als er mit Marion den Schicksalsort aufsucht, dass sein Kinderfreund damals gar nicht ums Leben kam, sondern seit dem Unglück im nahen Krankenhaus im Koma liegt.

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Wieso haben die Eltern die Wahrheit über Timmis Zustand verheimlicht?

Doch das ist bei Weitem nicht die einzige Merkwürdigkeit, die den emotional schwer angeschlagenen Polizisten auf Heimaturlaub in „Die Heimsuchung“ heimsucht: Wieso, zum Beispiel, haben ihm seine Eltern die Wahrheit über Timmis Zustand verheimlicht? Und warum sind seine Eltern Ralph und Anke in gut 20 Jahren kaum gealtert? Wieso herrscht in der wildromantischen Gegend an der Ostsee ständig ein fernes, aber bedrohlich wirkendes Wetterleuchten und warum fährt Ben im richtigen Leben genau das rote Auto, das als Spielzeugmodell in seinem Kinderzimmer steht?

Als schließlich auch noch das Archiv im finsteren Keller des örtlichen Polizeireviers niederbrennt, in dem er Akten über die Geschehnisse von damals zu finden hoffte, ist Bens Verwirrung komplett. Gekonnt steigert Regisseur Rick die Spannung, treibt seinen Protagonisten immer mehr in den Wahnsinn und zitiert dabei Meisterwerke des Mysterythrillers wie „Vertigo“ oder „Wenn die Gondeln Trauer tragen“. Zum wahrlich verblüffenden Schluss des unterhaltsam verzwickten Krimis macht alles einen Sinn, das Puzzle fügt sich zusammen – und der Zuschauer und die Zuschauerin kann in Gedanken noch einmal all die Szenen Revue passieren lassen, in denen sich genau dieses Ende andeutete.

„Die Heimsuchung“ läuft am Samstag, 25. September, ab 20.15 Uhr in der ARD.

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