Imogen Kogge über Angela Merkel: “Sie ist eine gute Bekannte”

Angela Merkel (Imogen Kogge) mit Sigmar Gabriel (Timo Dierkes, l.) und Frank-Walter Steinmeier (Walter Sittler, r.) im Kanzleramt.

Angela Merkel (Imogen Kogge) mit Sigmar Gabriel (Timo Dierkes, l.) und Frank-Walter Steinmeier (Walter Sittler, r.) im Kanzleramt.

Imogen Kogge dürften TV-Zuschauer vor allem als Hauptkommissarin Johanna Herz aus dem “Polizeiruf 110” kennen. Im Kino spielte sie in Hans-Christian Schmids Drama “Requiem” (2006). Nun verwandelt sich Kogge im Spielfilm “Die Getriebenen” (ARD, 15. April, 20.15 Uhr) in Bundeskanzlerin Angela Merkel, die im Sommer 2015 die sogenannte Flüchtlingskrise meistern muss. Regisseur Stephan Wagner und Drehbuchautor Florian Oeller geben Einblicke ins Zentrum der Macht.

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Frau Kogge, wie lange haben Sie für die Verwandlung in Angela Merkel die Kanzlerraute geübt?

Gar nicht. Die kommt ja auch nur maximal eineinhalbmal vor. Und das ist kein Zufall: Jeder, der mitbekam, dass ich diese Rolle spiele, hat mir sofort diese Raute vorgeführt. Das wurde mir irgendwann so blöd, dass ich die Geste weitgehend gestrichen habe.

Wie haben Sie reagiert, als Sie gefragt wurden, ob Sie die amtierende Bundeskanzlerin spielen wollen?

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Das hat mich gar nicht so sehr überrascht. Es gibt da ja vom Alter und vom Äußerlichen Übereinstimmungen. Ich habe aber überlegt: Soll ich das machen – oder besser lassen?

Ist es nicht eine Anmaßung, eine Politikerin zu verkörpern, die quasi allgegenwärtig ist – wenn sie nicht gerade in häuslicher Quarantäne festsitzt?

Ja, eine absolute Anmaßung. Aber mein Beruf besteht aus lauter Anmaßungen. Es ist genauso anmaßend, Elisabeth I. zu spielen. In diesem Fall ist die Sache allerdings heikler, weil jeder sich als Merkel-Experte versteht.

Angela Merkel hält gute Reden, wenn sie ein bisschen aus sich rausgeht.

Imogen Kogge

Hatten Sie direkten Kontakt zu Frau Merkel?

Nein, das fand ich aber auch nicht wichtig.

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Wie nahe fühlen Sie sich Angela Merkel?

Seit ich mich so intensiv mit ihr beschäftigt habe, sehe ich sie schon mit anderen Augen auf dem Bildschirm. Ich nehme genauer wahr, wie es ihr geht oder ob sie sich verändert hat. Sie ist zu einer guten Bekannten geworden. Sie ist mir vertraut.

Hat Merkel sich in diesen Corona-Tagen verändert?

Mir ist diese bemerkenswerte Rede in Erinnerung geblieben, dieser eindringliche Appell an uns alle zu Beginn der Kontaktsperre. Angela Merkel hält gute Reden, wenn sie ein bisschen aus sich rausgeht und persönlich wird. Und man sieht ihr natürlich an, dass sie eine schwere Zeit durchmacht.

Wie dicht dran ist der Film an den Geschehnissen des Sommers 2015 rund um die sogenannte Flüchtlingskrise?

Der Film beruht auf dem Buch des Journalisten Robin Alexander. Er hat die Ereignisse in diesen Wochen genau verfolgt – Pressekonferenzen, Parteitage, den Besuch im Flüchtlingsheim. Der Countdown bis hin zu Merkels Entscheidung, Menschen in Not ins Land zu lassen, ist bestens dokumentiert.

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Imogen Kogge (Mitte) als Angela Merkel.

Imogen Kogge (Mitte) als Angela Merkel.

Und wo hört das Dokumentarische auf?

Zum Beispiel bei den Dialogen – etwa mit ihrem schwer grippekranken Innenminister Thomas de Maizière, erst recht bei den privaten Szenen mit ihrem Mann, der sie heftig kritisiert, weil sie nicht früher gehandelt hat. Ich habe den Eindruck, dass unser Film ziemlich nahe an der Wirklichkeit ist – aber wer weiß das schon? Wir befanden uns damals nicht im Auge des Orkans.

Ob Angela Merkel am Abend wirklich auf ihrem Sofa geweint hat, als sie im Fernsehen sah, wie herzlich die Deutschen die Flüchtlinge begrüßen?

Zu Hause fällt die Anspannung ab von ihr, sie kann sich ihren Emotionen überlassen. Aber das ist natürlich Film: Alle privaten Szenen sind unserer Fantasie entsprungen.

Als ihr Mann ihre äußere Gelassenheit unter höchstem Druck bewundert, antwortet sie: “Wenn es bei der Lösung von Problemen helfen würde, sich aufzuregen, würde ich mich aufregen.” Ist diese Replik überliefert?

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Das könnte ein Zitat sein – aber ich weiß es nicht. In jedem Fall zeigt dieser Satz, wie gut sie sich im Griff hat. Sie tut, was aktuell nützlich und wichtig ist, alles andere lässt sie erst mal beiseite.

Hätten Sie sich den Politikbetrieb so vorgestellt?

Ich hatte so meine Ahnungen. Aber dass der Tag einer Kanzlerin bis hin zu ständigen Briefings auf dem Flur oder im Fahrstuhl durchgetaktet ist, war mir doch neu. So ein Pensum kann man nur schaffen, wenn man ganz klar ist im Kopf. Sonst ist man nach drei Tagen tot.

Ist “Die Getriebenen” ein Film gegen die sogenannte Politikverdrossenheit?

Schwer zu sagen. Bei mir jedenfalls hat dieser Versuch eines Blicks hinter die Kulissen den Respekt wachsen lassen. In dieser unglaublichen Anspannung hat Merkel immer versucht, sich nicht in Machtrangeleien zu verlieren. Sie hat aber ebenso versucht, alle einzubeziehen. Meiner Ansicht nach hat sie eben nicht im Alleingang gehandelt, wie man es ihr später vorgeworfen hat.

Markus Söder, Sigmar Gabriel oder Alexander Dobrindt kommen allerdings als Ränkeschmied, Egoshooter, Hampelmann daher: Ist das nicht ein bisschen einseitig?

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Ich nehme an, Söder und Konsorten würden das so sehen. Aber ein Film ist immer einseitig, wir können nur einen kleinen Ausschnitt zeigen. Und eines ist ja nun mal verbrieft: Herr Seehofer ist an jenem Abend nicht ans Telefon gegangen, als Merkel ihn mit ins Boot holen wollte bei der Entscheidung, die Grenzen zu öffnen.

Wie wäre es mit einer Fortsetzung mit Imogen Kogge als Angela Merkel in der Corona-Krise?

Also, ich nehme an, das wird es nicht geben.

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