Die deutschen Medien und Corona – eine Zwischenbilanz

  • Systemrelevant und gefragt wie nie: Für die deutschen Medien schlug in der Corona-Krise die Stunde der Bewährung.
  • Die meisten haben den Stresstest nach Expertenmeinung mit Bravour bestanden.
  • Aber was lernt die Medienwelt aus der Krise? Ein Rück- und Ausblick.
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Dezember 2019: Eines Tages in China

Es ist ein nebliger Morgen in der chinesischen Metropole Wuhan, der Hauptstadt der Provinz Hubei etwa 1000 Kilometer südlich von Peking. Die Frühtemperatur an jenem 10. Dezember 2019 liegt nur ein paar Grad über null. Wei Guixian, eine Verkäuferin auf dem Fischmarkt im Herzen der Stadt, wo neben Fisch, Muscheln und Meeresfrüchten auch Ratten, Schlangen, Krokodile und Katzen zum Kauf angeboten werden, fühlt sich krank.

Sie denkt, sie bekomme eine Erkältung, und macht sich auf den Weg in eine kleine Klinik in der Nähe, um Medikamente zu kaufen. So rekonstruiert es später die “Washington Post”. Acht Tage später liegt die 57-Jährige in einem Krankenhausbett, kaum bei Bewusstsein und schwer erkrankt – an einer neuartigen Lungenkrankheit, die noch keinen Namen trägt.

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Wei Guixian überlebt. Sie ist eine der ersten Patientinnen mit einer Virusinfektion, die ein halbes Jahr später die ganze Welt im Griff haben wird – mit rund sieben Millionen bestätigten Fällen und mehr als 400.000 Toten. Am Silvestertag 2019 informiert China die Weltgesundheitsorganisation (WHO) über eine “neuartige Lungenkrankheit”. Und am selben Tag, dem 31. Dezember 2019, verschickt die Deutsche-Presse-Agentur (dpa) um 12.50 Uhr die Meldung “Mysteriöse Lungenkrankheit in Zentralchina ausgebrochen”. Damit erreicht die Krankheit die deutsche Presse.

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Am 11. Januar stirbt der weltweit erste Mensch an Covid-19, es ist ein 61-jähriger Kunde des Fischmarkts in Wuhan. Seither herrscht der globale Ausnahmezustand – auch für die Medien. Ein Weltereignis mit zahllosen Unbekannten. Eine wissenschaftliche Operation am offenen Herzen mit täglich neuen Erkenntnissen. Eine Pandemie, die existenzielle Ängste weckt. Und all das in einer Größenordnung, die kein jetzt lebender Mensch jemals erlebt hat.

Wie haben die deutschen Medien über die Corona-Krise berichtet? Wie urteilen Experten? Die Corona-Berichterstattung seit Jahresbeginn lässt sich grob in drei Phasen einteilen:

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PHASE EINS: “Gelbe Gefahr”, China-Klischees und westliche Überheblichkeit

Januar 2020: Fremde Sitten

China, natürlich. Ein tödliches Virus, mutiert in der molekularen Ursuppe eines exotischen Marktes im Herzen einer fremden Kultur, deren Angehörige seltsame Essgewohnheiten und zweifelhafte hygienische Standards haben. Das ist – im Kern – die Haltung, mit der sich Teile der westlichen Medienwelt in der Frühphase dem Phänomen nähern. Die Gefahr scheint abstrakt und weit entfernt, die Bilder von zugemauerten Ausfallstraßen in Wuhan wirken wie morbide Symbole eines Unterdrückerregimes, das mit übertriebener Härte seine zweifelhafte Informationspolitik zu kaschieren versucht.

Doch am 25. Januar erreicht das Virus Europa. Frankreich meldet drei Fälle, einen in Bordeaux und zwei in Paris. Drei Tage später ist auch Deutschland betroffen.

Februar 2020: Rassistische Reflexe

Auch Blätter, die dem seriösen Spektrum zugeordnet werden, stellen eine gewisse Sudelkompetenz unter Beweis. “Gelber Alarm”, titelt die französische Tageszeitung “Le Courrier Picard”. Und auch der “Spiegel” erscheint am 1. Februar mit dem Bild einer asiatisch aussehenden Person samt Mundschutz und der leuchtend gelb gedruckten Zeile “Coronavirus: Made in China” auf dem Titel. Die “Bild”-Zeitung wählt als Alarmfarbe für ihre Corona-Berichterstattung der nächsten Monate ebenfalls ein grelles Gelb. Es ist ein Echo jenes Schmähwortes von der “gelben Gefahr” aus kolonialen Zeiten, mit dem nicht nur das deutsche Kaiserreich im 19. Jahrhundert den Hass auf Chinesen befeuerte.

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Asiatischstämmige Menschen fühlen sich unter Generalverdacht. Bei Twitter wehren sie sich unter dem Hashtag #wirsindnichtdervirus, #JeNeSuisPasUnVirus. Ein holländischer Radiosender sendet ein satirisch gemeintes Lied mit dem Titel “Vorbeugen ist besser als Chinesen”, in dem von “Stinkchinesen” die Rede ist.

In Südkorea, Malaysia, Großbritannien und Kanada finden sich “No-Chinese”-Schilder. Die “Frankfurter Allgemeine Zeitung” twittert: “Essen Chinesen wirklich alles, was fliegen und schwimmen kann?” Und das Magazin “Cicero” titelt noch im Mai mit einer (japanischen) Winkekatze und der Schlagzeile “Grüße aus Wuhan”. Die Botschaft ist klar: Schuld sind die seltsamen Sitten im Fernen Osten.

Die Vorstellung, dass an schweren Krankheiten immer die anderen schuld sind, sitzt seit Jahrhunderten tief – und zwar in aller Welt: “Wir” wären kerngesund, wenn nicht die “anderen” wären. Ein Beispiel für das globale Schwarzer-Peter-Spiel ist die Syphilis. In Italien, Polen und Deutschland nannte man sie “Franzosenkrankheit”. In Frankreich hieß sie “italienische Krankheit”. In den Niederlanden war die Rede von der “spanischen Krankheit”, in Russland sagte man “Polenkrankheit”, und in der Türkei hieß die Syphilis “Christenkrankheit”. Nur in einem waren sich die Europäer im 15. Jahrhundert so ziemlich einig: Von uns kommt der Quatsch nicht, schuld ist dieser Kolumbus.

Corona bestätigt in der Frühphase der journalistischen Begleitung die Mischung aus Hybris und Argwohn, mit der die westliche Welt auf die kollektivistischen Gesellschaften Asiens blickt. Auch hierzulande nahm man die Bilder der Masken tragenden Chinesen eher irritiert bis belustigt zur Kenntnis. Im westlichen Kulturkreis wertete man die in Asien vor allem seit der Sars-Krise verbreitete Gewohnheit, im Alltag Maske zu tragen, als Indiz für eine überdrehte Keimphobie, quasi als putzige Schrulle hypochondrischer Völker. Dabei steckt viel mehr dahinter. Es geht um das konfuzianische Verständnis vom gemeinsamen Wohlergehen.

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Auch tagesschau.de illustriert eine Story zu der Meldung, dass Adidas wegen der Corona-Krise seine Mietzahlungen einstellen will, mit einer asiatischen Person mit Mundschutz. Nach heftigen Rassismusvorwürfen (“Warum illustrierte man dann nicht auch BSE-Meldungen mit Fotos von Engländern?”) räumt die Redaktion ein, dass das Bild mit dem Inhalt der Meldung nicht viel zu tun hat.

Doch neben den zweifelhaften Fehlurteilen schwillt auch die Flut der Berichte an, die versuchen, mit Unterstützung von Fachleuten zu verstehen, was da passiert. Der Durst nach gesicherten Informationen ist groß. 53 Prozent der Deutschen haben zu dieser Zeit “große oder sehr große Angst”, sich mit dem Coronavirus zu infizieren. 62 Prozent glauben, dass die schlimmste Phase der Epidemie erst in einigen Monaten bevorsteht.

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Könnte Trump tatsächlich Twitter abschalten?
6:00 min
Trump unterzeichnete einen Erlass und drohte gar die sozialen Netzwerke zu "regulieren" oder ganz "abzuschalten". Doch wie realistisch ist das?  © RND

PHASE ZWEI: Einigkeit im Eilmeldungsgewitter

Anfang März 2020: Medien im Ausnahmezustand

Im März explodieren die Infiziertenzahlen in Deutschland. Auch bei den hiesigen Medien beginnt der Ausnahmezustand – unter erschwerten Bedingungen, zumeist im Homeoffice. “Die Eilmeldungen kamen im Minutentakt”, sagt etwa “Tagesthemen”-Moderatorin Caren Miosga dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND), “und es ging erst einmal darum, etwas für alle Neuartiges zu verstehen; auf einmal war die Wissenschaft die Grundlage aller Entscheidungen, und deren Erkenntnisse mussten wir erst einmal erklären.”

Beim Versuch, die Dringlichkeit kollektiver Schutzmaßnahmen zu betonen, entsteht bei manchen Lesern und Zuschauern der Eindruck, die deutsche Medienlandschaft propagiere unisono die Alternativlosigkeit der Regierungsstrategie im Kampf gegen Corona. Tatsächlich aber dürfte den meisten Journalisten und Kommentatoren die Notwendigkeit der Maßnahmen (Kontaktverbot, Schulschließungen, geschlossene Geschäfte, Abstand) schlicht einleuchtend gewesen sein – ebenso wie der großen Mehrheit der Bevölkerung.

“Die Medien folgen sehr bereitwillig der politischen Rhetorik”, kritisiert Ende April der Kommunikationswissenschaftler Thomas Hanitzsch von der Ludwig-Maximilians-Universität München in einem Interview seiner Hochschule. “Das macht mir schon ein bisschen Bauchschmerzen. Da würde ich mir mehr kritische Distanz wünschen.” Als nach Ostern die Abstimmung der Bundesregierung und der Länder über den weiteren Lockdown angestanden habe, “da vermittelte die Vorberichterstattung einen Eindruck, als stünde eine Art Länderspiel bevor”, sagt Hanitzsch. “Es hat sich sehr vieles auf die Akteure konzentriert und viel zu wenig auf Sachfragen, auf die Beschlüsse an sich, auf die Kriterien und die Rolle der Experten.”

Mitte März 2020: Enorme Nachfrage

Allein in der Woche vom 16. bis 23. März erscheinen in den deutschen Medien mehr als 221.000 Beiträge zum Thema Corona. Die schiere Masse der Meldungen mache es unmöglich, ausreichend in die Tiefe zu gehen, sagt ARD-Innenpolitikexperte Michael Stempfle: “Bei der Fülle von Maßnahmen in so kurzer Zeit kommt am Schluss weniger pro Gesetz in die Berichterstattung”, räumt er ein.

Die Deutsche Presse-Agentur sendet im März in ihrem Basisdienst 241 Eilmeldungen. Das sind fast doppelt so viele wie im März vergangenen Jahres (124). Rund zwei Drittel der aktuellen Eilmeldungen haben mit der Corona-Krise zu tun. “Das ist die zweithöchste Zahl an Eilmeldungen in einem März seit Beginn der elektronischen Erfassung von dpa-Meldungen im Jahr 1983”, sagt Nachrichtenchef Froben Homburger. Nur im März 2011 habe es noch mehr Meldungen dieser Art gegeben – nämlich 270. Hauptgrund war damals die Reaktorkatastrophe von Fukushima am 11. März 2011. Seither seien die Kriterien für Eilmeldungen allerdings verschärft worden.

Die Nachfrage ist enorm. Die ARD-“Tagesschau” um 20 Uhr hat normalerweise inklusive der Ausstrahlung in den Dritten Programmen rund zehn Millionen Zuschauer. Im März sind es bis zu 17 Millionen. “Wir achten darauf, dass wir keine Panik verbreiten”, sagt “Tagesschau”-Chef Marcus Bornheim.

Ende März 2020: Viel Lob für Journalisten

Es hagelt Lob für Journalisten. “Die Medien machen im Moment einen sehr guten Job”, urteilt etwa der Tübinger Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen im NDR. “Persönlich habe ich mich noch niemals so umfassend und gut informiert gefühlt im Angesicht einer globalen Krise”, findet auch Sascha Lobo, Digitalkulturspezialist und “Spiegel”-Autor. Mitarbeiter von Zeitungen und Nachrichtenportalen spüren nach Jahren voller “Lügenpresse”-Vorwürfe und Hassattacken eine ungewohnte Dankbarkeit dafür, dass ihnen die Gratwanderung, schnell und präzise zu informieren, ohne Angst zu schüren, im Großen und Ganzen gelingt. “Tut wirklich gut, was Journalisten gerade leisten”, befindet etwa Jan-Eric Peters, Ex-Chefredakteur der “Welt”. “Schöne Bestätigung, dass Medien ‘systemrelevant’ sind.”

“Ich wurde nur nach leeren Fußballstadien und dem CDU-Parteitag gefragt”: Christian Drosten (Mitte), Direktor des Instituts für Virologie an der Charité Berlin, mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (rechts, CDU) und Lothar H. Wieler (links), Präsident des Robert-Koch-Instituts, bei der Bundespressekonferenz in Berlin. © Quelle: Bernd von Jutrczenka/dpa

Auch Christian Drosten, populär gewordener Chefvirologe der Berliner Charité, spricht von einer “Systemfunktion” des Wissenschaftsjournalismus, gibt sich aber auch ernüchtert angesichts der Erlebnisse als Starwissenschaftler in der Berliner Medien- und Politikblase: “Die Bundespressekonferenz zuletzt habe ich als Zeitverschwendung empfunden. Ich wurde nur nach leeren Fußballstadien und dem CDU-Parteitag gefragt.”

Die “Lügenpresse”-Kampagne scheint ihren Zenit überschritten zu haben. Das Vertrauen kommt zurück. 2015 sagten nur 28 Prozent der Deutschen in der Mainzer Langzeitstudie Medienvertrauen, ihr Vertrauen in die Medien sei “hoch”. Zuletzt waren es wieder 44 Prozent. Immerhin. Ganz oben auf der Glaubwürdigkeitsskala stehen der öffentlich-rechtliche Rundfunk und die Tageszeitungen.

PHASE DREI: Der Konsens bricht auf

April 2020: Die Kritik wird lauter

Mit fortschreitendem Lockdown bröckelt der gesellschaftliche Konsens. Die Stimmen der Skeptiker werden lauter. Am 20. April warnt Bundeskanzlerin Angela Merkel angesichts der drängeligen Ungeduld manches Landesfürsten bei einer Schaltkonferenz des CDU-Präsidiums vor “Öffnungsdiskussionsorgien”.

Auch das Meinungsspektrum in den Medien verbreitert sich wieder. Berichte über “Hygienedemos” von Corona-Skeptikern in vielen deutschen Städten verstärken den Eindruck einer wachsenden Schar von Menschen, die die Abstandsregeln infrage stellen.

Offenbar bemüht, sich diesen Unzufriedenen als Zentralorgan zu empfehlen, berichtet die “Bild”-Zeitung mehrfach negativ über den Chefvirologen Christian Drosten (“Auch ein Professor Drosten kann sich irren”) und stilisiert den Virologen zum ideologisch getriebenen Einflüsterer der Bundespolitik. Das Blatt sieht sich Vorwürfen ausgesetzt, eine Kampagne zu fahren, die sich letztlich als eine Art Stellvertreterkonflikt gegen die Bundeskanzlerin richte.

Mai 2020: Der “Bild”-Drosten-Konflikt eskaliert

Ein Bericht über eine angeblich fehlerhafte Studie Drostens zur Viruslast bei Kindern (“Drosten-Studie grob falsch”), die angeblich entscheidend für den politischen Beschluss war, die Schulen zu schließen, wird für “Bild” zum Bumerang: Aus der methodischen Kritik an bestimmten statistischen Verfahren in einer Vorveröffentlichung der Studie – ein ganz normaler Vorgang im wissenschaftlichen Disput vor der endgültigen Publikation – versucht “Bild” ein Versagen Drostens abzuleiten. Das Blatt gibt dem Virologen eine Stunde Zeit, um zu reagieren. Drosten veröffentlicht die Anfrage (inklusive der Kontaktdaten des “Bild”-Redakteurs) und antwortet kühl mit einem Satz, der in den sozialen Medien zum geflügelten Wort wird: “Ich habe Besseres zu tun.” Die vier von “Bild” zitierten “Kritiker” Drostens distanzieren sich umgehend.

Laut Berliner Zeitung” soll sich “Bild”-Verlegerin Friede Springer vor Vorstandsmitgliedern über den aggressiven Kampagnenjournalismus von „Bild“-Chefredakteur Julian Reichelt beschwert haben. Und auch “Bild”-Veteran Georg Streiter – Ex-“Bild"-Politikchef und Erfinder der Schlagzeile “Wir sind Papst!” im Jahr 2005 – kritisiert die Berichterstattung über die Drosten-Studie als “Totalversagen”. Es schmerze ihn, zu sehen, „wie der aktuelle Chefredakteur mit einer Handvoll gläubiger Jünger seit März 2018 die gute Arbeit der Mehrheit ihrer Kolleginnen und Kollegen ruiniert”, schreibt er bei Facebook.


Anfang Juni 2020: Die neue Normalität – auch für die Medien

Niemand weiß, ob die Mediengesellschaft nach dem Abklingen der Krise, wenn der gemeinsame Feind Corona als einigendes Thema aus dem Blickfeld verschwunden sein wird, wieder in die alten Krawallmuster verfällt. Vielleicht aber durchbricht sie auch den Prä-Corona-Teufelskreis des “greller, schneller, lauter”. “Natürlich folgt Journalismus wie alles andere, was wir Menschen tun, bestimmten Reflexen, und natürlich sind die politischen und auch die journalistischen Reflexe sehr stark auf den Wettbewerb zwischen Personen ausgerichtet”, sagt Kommunikationswissenschaftler Hanitzsch.

“Ich bin total glücklich, in einem Land zu leben, in dem man so überdurchschnittlich gut mit dieser Situation umgeht”: Youtuber Rezo. © Quelle: picture alliance / Bernd Kammere

Sechs Monate nach der ersten Corona-Meldung in Deutschland macht sich eine neue Normalität breit. Für die Medien bedeutet das, die Lehren aus der Hochphase der Krise in den Alltag mit Corona hinüberzuretten. Die wichtigste davon ist eine aufgefrischte alte Erkenntnis: Gegen den blühenden Unsinn in den sozialen Medien, gegen politische Propaganda und manipulative Lügen und gegen alle Versuche der Mächtigen, einen Nutzen aus der Krise zu ziehen und sich im Windschatten des Überthemas persönlich zu profilieren, hilft nur eines: sauberer Journalismus.

Einzelne Fehlschläge, Skandale und Misstöne im Corona-Wirbel können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die hiesige Medienwelt den publizistischen Stresstest der vergangenen sechs Monate bestanden hat.

Mitte Juni 2020: Ein Appell von Rezo

Eine gerade erschienene Studie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster hat ergeben: In den ersten drei Monaten des laufenden Jahres sind in den deutschen Medien “keine umfassenden Tendenzen zu unkritischer oder hysterischer Berichterstattung” zum Thema Corona gefunden worden. Die klassischen Nachrichtenmedien hätten auch über Falschmeldungen und Verschwörungstheorien berichtet und zahlreiche Gerüchte und Erfindungen als Fake News entlarvt, berichtet der Deutschlandfunk zu den Forschungsergebnissen. Grundlage der Erhebung waren mehr als 100.000 Facebook-Beiträge von 78 Nachrichtenmedien zwischen Anfang Januar und Ende März.

“Ich bin total glücklich, in einem Land zu leben, in dem man so überdurchschnittlich gut mit dieser Situation umgeht, auch in vielen Redaktionen”, schreibt einer, der auf dem Feld der Medienkritik noch recht neu ist: der Youtuber Rezo. In der “Zeit” rief er seine Leser dazu auf, mit der “gezielten Unterstützung der Blätter, die aus eurer Sicht einen guten Job machen, auch aktiv die Qualität im Journalismus zu beeinflussen”.


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