Platter Sexismus sogar vom Sprecher: Das Niveau bei „Die Alm“ liegt tiefer als das Tal

  • Auf der Alm, da gibt’s koa Sünd – das ist seit dem gleichnamigen Film aus den 1950er-Jahren bekannt.
  • Dafür gibt es dort aber Freunde des Flachwitzes, zu nah am Wasser gebaute Sensibelchen und sexistische Plattitüden.
  • Diesen Eindruck hinterließ jedenfalls die Auftaktshow von „Die Alm“ (Pro Sieben).
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„So ist das Spiel, so ist das Leben: Mal geht’s gut, mal geht’s daneben“, heißt es im offiziellen Song zu „Die Alm“ (Pro Sieben). Für die Reality-TV-Show, die nach zehnjährigem Winterschlaf sein Comeback gibt, und ihre zehn „prominenten“ Kandidaten galt zum Auftakt eher der letzte Teil des Satzes.

Klar, Trash-TV soll peinlich sein, aber muss es gleich unterirdisch sein? Das Strom- und Heißwasser-lose Almhaus liegt deutlich höher (nämlich 1680 Meter hoch auf einem Südtiroler Berg) als das Niveau von Sendung und einigen Kandidaten.

Plumpsklo? Nicht mit Mirja du Mont

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Der oder die Prominente, die es am längsten mit Stallgetier („Was geht, ihr Schweine?!“), ohne Strom und Privatsphäre aushält, kann 50.000 Euro einstreichen, abzüglich Strafzahlungen für „Vergehen“ der Gruppe. Die harte Auslese, wer denn die Alm verlassen muss, wird sich vermutlich erleichtern. Denn das – erleichtern – wollen sich einige angesichts des Plumpsklos nicht.

„Ich werd’s mir verkneifen“, stellte beispielsweise Mirja du Mont (45) klar. Sie ist als Multitalent (Model, Schauspielerin, Autorin, Diplom-Kosmetikerin, Diplom-Visagistin) – vor allem aber als Ex-Frau von Schauspieler Sky du Mont – eine der bekanntesten Almaufgetriebenen. Einige andere wollen sich anschließen beim Verschließen.

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Moderiert wird die dritte Staffel (2004 siegte Kader Loth, 2011 Manni Ludolf) von Collien Ulmen-Fernandes und Cristian Düren. Beide erhoffen sich „tierisch geilen Scheiß“ (und meinen damit nicht das Plumpsklo). Im Interview sagten sie, dass die Kandidaten nach dem Kriterium ausgewählt wurden, dass sie „klar denken und einigermaßen sozialverträglich sind“. Naja, da mag bei einigen der Wunsch Vater des hoffnungsvollen Gedankens gewesen sein.

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Das gilt vor allem für Aaron Hundhausen. Das ist immerhin einer der wenigen, den Mirja nicht mit der Hassfrage aller „Reality-Stars“ („Wer bist du denn und was machst du?“) begrüßte. Ganz im Gegenteil: „Dich kenn ich!“, jauchzte Mirja über den „Womanizer“.

Ob auf Teilen der 70-Quadratmeter-Almbutze was geht? Aaron: „Erst besteig ich mal die Alm, dann sehen wir, was noch bestiegen wird.“ Mehr Macho geht nicht.

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Sexistische Zoten auch vom Pro-Sieben-Sprecher

Star bei den vier heterosexuellen Männern in der Berghütte ist eindeutig Vivian Schmitt. Die 43-jährige Berlinerin war Erwachsenenfilmdarstellerin („Die kennt jeder Kerl!“), legitime Nachfolgerin von Gina Wild, die später als Michaela Schaffrath Zweite im Dschungelcamp wurde (2008). Das hat Vivian auch drauf. Bei den schon an Tag eins lüstern wirkenden Machos (Aaron sowie Ex-„Bachelorette“-Rosenkavalier Ioannis Amanatidis) hat sie sofort einen Stein im Brett. Das gemeinsame Thema ist schnell gefunden. Aaron outet sich prahlerisch: Er führt eine Liste über seine Sexdates. Vivan braucht so was nicht: „Das wär bei mir ja ein Buch.“

Solche Dummdreistigkeiten hört man von Yoncé Banks, Sieger der Heidi-Klum-Show „Queen Of Drags“, nicht. Er zieht in voller Drag-Montur auf den Berg, muss dann aber das wallende Haupthaar ablegen. Er sieht sich privat als schwuler Mann – taumelt dann aber zwischen (seinen) Geschlechterrollen hin und her. Und bedient dabei Klischees. ProSieben versendete einen ganzen Reigen unnötiger sexistischer Peinlichkeiten, die sich für eine Wiedergabe nicht empfehlen.

Die Stimme aus dem Offf setzt sogar noch einen drauf. Als Vivian Schmitt zeigt, dass sie sogar mit Streichhölzern umgehen kann (im Gegensatz zu Aaron und Ioannis!), zotet der Kommentator: „Vivian hat noch jeden Stengel zum Glühen gebracht.“

Ex-DSDS-Kandidatin „will jetzt nach Hause“

Was Aufmerksamkeit angeht, wird sich neben den genannten fünf wohl am ehesten Katharina Eisenblut in die vordere Front eskalieren. Denn die schon aus „DSDS“ als Heulboje bekannte Sängerin hielt die dargestellte Fröhlichkeit nicht lange aufrecht. Schon die erste – einfältige – Frage von „Hobby-Psychiater“ Ioannis ließ sie die Fassung verlieren – und diese blieb dann auch verschwunden. Am Ende war es so wie mehrmals bei „DSDS“: „Ich will jetzt nach Hause“, greinte Katharina. Ob sie wirklich geht, stellt sich nächste Woche heraus.

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Die almdösigen Zehn werden komplettiert von Matthias aus Hamburg, der als muskelprotzender Fitness-Youtuber „Hollywood Matze“ nach eigenen Worten „durchgestartet“ ist – auf mäßig beeindruckende 167.000 Follower. Nicht mal halb so viele Follower hat Siria Campanozzi bei Instagram, nennt sich aber trotzdem Influencerin. Sie war mal bei „Temptation Island“ dabei. Dank Yoncé weiß sie jetzt aber, was der Unterschied zwischen Drag und Transgender ist.

Und dann gibt es noch Magdalena Brzeska und Christian Lohse. Die eine ist Turnstar und war bei Olympia , der andere ist Sternekoch und regelmäßiger Gast in diversen Koch-TV-Formaten. Warum die sich das antun? Vielleicht wird noch gebeichtet, denn beide sind noch dabei. Wie alle – denn als „Antrittsgeschenk“ musste niemand gehen. Außer vielleicht die „freiwillige Katharina“. Man wird sehen. Nächsten Donnerstag.

RND/Teleschau

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