Pro Sieben will kein neues Reality-TV-Desaster: „,Die Alm‘ soll Spaß machen“

  • Mit Reality-Shows hatten die Privatsender zuletzt wenig Glück, Kandidatinnen und Kandidaten glänzten mit Mobbing und Hasstiraden, gelöschte Folgen und abgesetzte Formate waren die Folge.
  • Nun startet „Die Alm“ auf Pro Sieben (Donnerstag, 24. Juni, 20.15 Uhr).
  • Der Sender und auch Teilnehmerin Magdalena Brzeska versichern: Diesmal soll alles besser werden.
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Unterföhring. Was die Privatsender zuletzt im Bereich Reality-TV ausprobiert haben, kann man ohne Zweifel als Desaster bezeichnen. Immer wieder Mobbing und Hasstiraden unter Teilnehmenden, heftige Kritik aus den sozialen Netzwerken und gleich mehrere abgesetzte Formate. Gesendet werden solche Shows trotzdem weiterhin. Am Donnerstag (20.15 Uhr) startet die nächste ihrer Art: „Die Alm“ auf Pro Sieben. Kann das gut gehen?

Immer wieder neue Skandale

Gerade die Pro-Sieben-Sat.1-Gruppe hatte sich zuletzt nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Alles fing bereits im Frühjahr 2020 an. Damals machten Kandidatinnen und Kandidaten im Format „Promis unter Palmen“ eine Teilnehmerin so fertig, dass diese am Ende weinend auf dem Wohnzimmerboden schlief. Bei Zuschauerinnen und Zuschauern sorgte das für Empörung, der Sender lenkte schließlich ein und nahm die Episode aus der Mediathek.

RTL legte dann im Sommer 2020 mit der Krawallshow „Sommerhaus der Stars“ nach. Ein Ex-Bachelor und sein Gefolge piesackten eine andere Teilnehmerin so sehr, dass sich selbst RTL-Unterhaltungschef Kai Sturm am Ende von dem Format distanzierte. Er bezeichnete das „Sommerhaus“ als „Quotengift für den Sonntagabend“, denn Quoten erziele man nicht „mit rein asozialem Verhalten“. Gerade derzeit hätten die Zuschauer das Bedürfnis nach Harmonie.

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Bei Sat.1 hatte man offenbar weder aus dem ersten noch aus dem zweiten Fall gelernt. Das Teilnehmerfeld der zweiten Staffel „Promis unter Palmen“ im April dieses Jahres war so hochexplosiv, dass es gleich in der ersten Folge zu homophoben Hasstiraden kam, eine Folge aus der Mediathek genommen und eine andere komplett umgeschnitten werden musste. Das Format wurde schließlich wegen des Todes von Kandidat Willi Herren abgesetzt, soll aber – wohl aus gutem Grund – auch nicht wieder zurückkehren.

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Kandidatin zeigt sich zuversichtlich

Und nun also „Die Alm“. Was ist zu erwarten von diesem Pro-Sieben-Format? Und wird es wieder derart eskalieren?

„Nein“, glaubt Magdalena Brzeska. Zwar sei auch ein bisschen Streit zu erwarten, jedoch werde es „nicht so tragisch wie in anderen Formaten“, wie die ehemalige Profiturnerin im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) erklärt. Brzeska muss es wissen: Sie ist in diesem Jahr eine der 13 Kandidatinnen und Kandidaten, und: Sie hat „Die Alm“ bereits hinter sich. Im Gegensatz zu früheren Staffeln ist das Format in diesem Jahr vorab aufgezeichnet und bereits abgedreht.

Für Brzeska sei ihre Teilnahme an dem Format eine „echt schöne Zeit“ gewesen, sagt sie. Sie habe sich wohl zum „richtigen Zeitpunkt für so ein Format entschieden“ – nämlich nachdem gleich mehrere Sender mit vergleichbaren Sendungen auf die Nase gefallen waren. „Die Sender haben bemerkt, dass so etwas beim Publikum nicht ankommt und haben daraus gelernt“, glaubt Brzeska. „Darum wusste ich, dass mich das in diesem Ausmaß nicht erwarten wird. Mir wurde auch vorab versichert, dass man darauf achten wird.“

„Die Alm soll Spaß machen“

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Auch Pro Sieben versichert, dass bei der „Alm“ in diesem Jahr kein verstörendes Reality-Fernsehen zu erwarten ist. „,Die Alm‘ soll Spaß machen“, betont ein Sprecher auf RND-Anfrage. Jedes Format lebe von der Auswahl seiner Teilnehmerinnen und Teilnehmer. „Wir sind sehr zufrieden mit unserem ausgewogenen Promi-Cast. Alle hatten Freude an der Produktion. Reality-Shows sind großartiges Fernsehen, wenn alle Spaß daran haben“, heißt es bei Pro Sieben.

Eine generelle Kritik an Reality-Shows will man ohnehin so nicht stehen lassen. „Wenn in einem Bundesliga-Spiel fünf rote Karten gezeigt werden, käme niemand auf die Idee, daraus abzuleiten, dass es im nächsten Spiel wieder fünf rote Karten gibt“, sagt der Sprecher, und meint damit die Skandalformate der vergangenen Monate.

Tatsächlich spricht vieles dafür, dass mit „Die Alm“ eine einigermaßen erträgliche Variante des Reality-Fernsehens zu erwarten ist. Denn so neu ist die Sendung gar nicht und das Format bereits erprobt – auch wenn sich viele wohl nicht mehr an die früheren Staffeln erinnern dürften.

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Format ist bereits 17 Jahre alt

Bereits 2004 sendete man unter dem Motto „Promischweiß und Edelweiß“ eine erste Staffel des Formats, damals noch als Abklatsch der erfolgreichen RTL-Show „Ich bin ein Star – holt mich hier raus“. Insgesamt zwölf Kandidatinnen und Kandidaten zogen statt in einen australischen Dschungel in eine einsame Hütte in den Bergen, wo sie ein luxusfreies Bauernleben wie vor 100 Jahren führen mussten.

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Die Teilnehmenden waren damals interessanterweise Personen, die auch heute noch den Ruf als Reality-Show-Dauergäste pflegen. Bully-Herbig-Assistentin Diana Herold war beispielsweise dabei, die 2020 auch am „Sommerhaus der Stars“ teilnahm. Auch Djamila Rowe war schon 2004 dabei – zuletzt zu sehen in der RTL-Dschungelshow 2021. Kader Loth, heute Kandidatin in praktisch jedem erdenklichen Reality-Format, wurde seinerzeit sogar „Almkönigin“.

Ein regelmäßiges Format wurde „Die Alm“ allerdings nicht. Eine Fortsetzung ließ sieben Jahre auf sich warten. 2011 wagte man dann mit Kandidatinnen und Kandidaten wie etwa Gina-Lisa Lohfink, „Rolfe“ Schneider und Carsten Spengemann eine zweite Staffel, ehe es erneut in der Versenkung verschwand.

Neues Konzept

Was schon jetzt klar ist: Die dritte Staffel der „Alm“ wird in diesem Jahr kein klassischer Dschungelcamp-Abklatsch mehr sein. Stattdessen orientiert sich der Sender, zumindest was die Art und Weise der Ausstrahlung angeht, ausgerechnet an Skandalformaten wie dem „Sommerhaus der Stars“ oder eben „Promis unter Palmen“. Es gibt keine täglichen Liveshows mehr, in denen die Highlights des Tages gezeigt werden. Stattdessen ist „Die Alm“ längst abgedreht, gezeigt werden sechs Folgen im Wochentakt, die jeweils die Ereignisse mehrerer Tage zusammenfassen. Das ermögliche eine „dichtere Erzählung“, wie Pro Sieben erklärt. Anders als bei anderen Formaten dieser Art gibt es aber weiterhin zwei Gastgeber: Christian Düren und Collien Ulmen-Fernandes moderieren das Format.

Turnerin Magdalena Brzeska ist in diesem Jahr eine der wenigen Kandidatinnen mit Wikipedia-Eintrag. Neben ihr machen bei der „Alm“ auch Eddy Kante mit, Schauspieler und Leibwächter von Udo Lindenberg, der Koch Christian Lohse, das Model Mirja du Mont und Erotikdarstellerin Vivian Schmitt. Alle anderen Teilnehmenden kennt man bestenfalls aus anderen Reality-Formaten, darunter etwa „Die Bachelorette“, „Queen of Drags“ oder „Prince Charming“. Personen mit einem ganz besonderen Geltungsdrang also – bei anderen Formaten ein Garant für große Konflikte und immer wiederkehrende Streits.

Brzeska nimmt zum ersten Mal an einem solchen Reality-Format teil. „Bei uns Turnerinnen und Turnern ist ja vieles ausgefallen in der letzten Zeit. Wir konnten nicht trainieren, haben nur Onlinetraining gemacht. Keine Wettkämpfe, keine Herausforderungen, keine Reisen. Da dachte ich mir: Ach komm, jetzt traue ich mich mal“, sagt sie.

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Das Schlimmste war die Kälte

An der „Alm“ habe sie insbesondere das Konzept „Back to the roots“ gereizt. Ein Leben wie vor 100 Jahren, in Selbstversorgung, mit nur wenigen Zutaten und vor allem: ohne Smartphones und andere Kommunikationsmittel. „Es war auf jeden Fall hart für einige Kandidatinnen und Kandidaten, ohne Handy und ohne Strom auszukommen“, sagt Brzeska. Zudem habe es zwischendurch immer wieder Spiele gegeben. „Zum Teil sehr lustige, aber auch einige, die richtig Mut verlangt haben.“

Das Schlimmste auf der „Alm“ seien am Ende keineswegs die anderen Kandidatinnen oder Kandidaten gewesen, sondern vielmehr die Kälte. „Einige haben sich schwerer mit der Situation getan – ich selbst kam damit eigentlich ganz gut klar. Kalt duschen kennt man ja als Sportlerin auch vom Eisbecken. Und das Schönste war am Ende tatsächlich, die Zeit ohne Handy verbringen zu können und nicht 1000 SMS am Tag checken zu müssen. Ich habe mich wirklich gefühlt wie nach einem Kurzurlaub“, sagt Brzeska.

Doch auch wenn am Ende alles harmonisch war und die Dreharbeiten für „Die Alm“ ohne größere Konflikte über die Bühne gingen – was Sender oder Produktionsfirma daraus zusammenschneiden, wissen die Teilnehmenden am Ende trotzdem nicht. Immer wieder gab es zuletzt Vorwürfe, insbesondere von Kandidatinnen und Kandidaten, gerade der Schnitt der Shows verzerre häufig das Bild.

Pro Sieben zeigt erste Ausschnitte

Für Brzeska kein Grund zur Besorgnis: „Wenn man bei so einem Format mitmacht, muss man damit rechnen. Ich bin einfach vom Schlimmsten ausgegangen. Und wenn man mit dem Schlimmsten rechnet, dann kann es nur besser werden.“

Pro Sieben verspricht sich von der Show ein „großes Sommer-Event“, wie man in Unterföhring sagt. In ersten Ausschnitten, die Journalistinnen und Journalisten am Dienstag gezeigt wurden, ist zu sehen, wie sich die Promis an das Landleben herantasten und sich mit Tücken wie dem Plumpsklo vertraut machen. Mit dabei ist auch in diesem Jahr wieder Alm-Öhi Joseph Huber aus Staffel eins. Mirja du Mont erzählt, dass auf der Alm „Freundschaften fürs Leben“ entstanden seien, was zumindest gegen extreme Zerwürfnisse wie in anderen Formaten spricht.

Magdalena Brzeska will die Sendung am Donnerstag vor dem Fernseher verfolgen, wie sie sagt. „Normalerweise gucke ich mir Sendungen, in denen ich auftauche, selbst nicht im Fernsehen an“, so die ehemalige Profiturnerin. „Bei diesem Format werde ich aber eine Ausnahme machen.“

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