Der Fernsehpreis ist zurück: „Das größte Comeback nach Abba und Olaf Scholz“

  • Es war ein Comeback in mehrfacher Hinsicht.
  • Denn nach pandemiebedingter Zwangspause wurde am Donnerstag nicht nur wieder der „Deutsche Fernsehpreis“ verliehen.
  • Vielmehr wurde die Verleihung auch endlich wieder in voller Länge im Fernsehen ausgestrahlt – zur Prime Time.
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Wer hat den besten Fernsehfilm gedreht? Wer die beste Unterhaltungssendung moderiert? Und wer erhält den Preis für sein oder ihr Lebenswerk? Am Donnerstagabend gab es für die deutsche TV-Branche auf diese Fragen endlich wieder eine Antwort: Zum 21. Mal wurde der „Deutsche Fernsehpreis“ verlieren.

Es war ein Comeback gleich in mehrfacher Hinsicht: Im vergangenen Jahr war die Verleihung, die immer abwechselnd von ARD, ZDF, RTL und Sat.1 übertragen wird, wie viele andere Großevents pandemiebedingt abgesagt worden.

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Davor hatte sie sieben Jahre lang zwar stattgefunden, war aber ausgerechnet im Fernsehen nur in Ausschnitten gezeigt worden. Nun läuft die Verleihung am Donnerstagabend wieder in voller Länge bei RTL – zur Prime-Time. Barbara Schöneberger, die den Fernsehpreis zum fünften Mal moderierte, fand dafür zu Beginn der vorab aufgezeichneten Show treffende Worte: „Der Fernsehpreis in der Prime-Time ist das größte Comeback nach Abba und Olaf Scholz!“

FFP2-Maskenpflicht bei Interviews am Roten Teppich

Die Kölner Mediengruppe entschied sich für eine Veranstaltung, die großen Events vor Corona sehr nahe kam: mit Rotem Teppich, voll besetztem Publikum und dutzenden hochkarätigen Prominenten wie Moderator Thomas Gottschalk, Schauspielerin Maria Furtwängler, Moderatorin Dunja Hayali und Satiriker Jan Böhmermann. Eigentlich sollte die Show in diesem Jahr aus dem Coloneum gesendet werden – um unter Corona-Auflagen besser planen zu können, entschied man sich aber dann doch für die Open-Air-Location Tanzbrunnen, direkt am Kölner Rheinufer.

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Überall spürbar war die Freude über das Branchentreffen, das so „normal“ stattfinden konnte. So schwärmte Allroundtalent Hape Kerkeling: „Ich freue mich, dass es endlich mal wieder soweit ist, dass man mal aus der Bude raus kann. Dass man nach 16 Monaten Isolation mal wieder unter Menschen kommt.“ Designer Guido Maria Kretschmer, der direkt von der Fashion Week in Berlin angereist kam, beäugte dafür die Outfits der Damen und Herren auf dem Laufsteg sehr kritisch: „Es ist jetzt nicht so, dass man Hurra Hurra ruft. Die Männer haben‘s ja etwas leichter. Man sieht natürlich auch, dass die Designer nicht viel gemacht und produziert haben.“

Gleich zwei Auszeichnungen für Jan Böhmermann

Dass die Show überhaupt in der Form stattfinden können, lag an einigen Sicherheitsmaßnahmen. Alle Gäste mussten geimpft, getestet oder genesen sein. Für die Interviews am Roten Teppich galt außerdem eine FFP2-Maskenpflicht.

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Und die Preisträger? Gleich doppelt räumte an dem Abend Jan Böhmermanns „ZDF Magazin Royale“ ab – in den Kategorien „Bestes Buch Unterhaltung“ und „Beste Ausstattung Unterhaltung“. „Beste Unterhaltungsshow“ ging an Joko Winterscheidt mit „Wer stiehlt mir die Show“, „Bester Fernsehfilm“ wurde „Für immer Sommer 90“. In der Kategorie „Beste Moderation / Einzelleistung Unterhaltung“ durfte „ZDF-Fernsehgarten“-Moderatorin Andrea Kiewel die Auszeichnung entgegen nehmen.

In der Journalismus-Kategorie „Beste Information“ ging der Deutsche Fernsehpreis an Markus Lanz. Dieser widmete seinen Preis seiner Mutter. Der 52-Jährige erhielt am Donnerstagabend für seine nach ihm benannte Talkshow „Markus Lanz“ die begehrte Auszeichnung - gegen die beiden klassischen Politmagazine „Frontal“ (ZDF) und „Panorama“ (ARD/NDR). Lanz sagte, in seiner Sendung habe er oft mit Menschen zu tun, die auf jede Frage die richtige Antwort hätten. „Unser Job ist es im Grunde, auf jede Antwort die richtige Frage zu finden.“ Das gehe nur mit einer guten Redaktion. Zum Schluss wurde er persönlich. „Ich weiß, dass in den Südtiroler Bergern jetzt eine ältere Dame sitzt mit 87, die es nicht leicht hatte im Leben und der ich sehr, sehr viel verdanke“, sagte Lanz. „Mama: Das ist für dich.“

In der Kategorie „Beste Doku Serie“ wurde die Doku-Serie „Charité intensiv - Station 43“ vom Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) ausgezeichnet. rbb-Intendantin Patricia Schlesinger: „Wenn sich in der Zukunft Menschen eine Vorstellung vom klinischen Alltag im ersten Höhepunkt der Pandemie machen wollen, wird der Film von Carl Gierstorfer und seiner Co-Autorin Mareike Müller eine unverzichtbare Hilfe sein. Seine Nähe, die nie voyeuristisch ist und allen Beteiligten ihre Würde lässt, entfaltet eine große dokumentarische Kraft. Wir sind froh, dass wir diese Arbeit unterstützen konnten.“

„Oktoberfest 1900″ als „Bester Mehrteiler“ ausgezeichnet

Beste Drama-Serie wurde „Para - Wir sind King“ (TNT), bester Mehrteiler „Oktoberfest 1900“ (ARD). Beide Produktionen hatten vor der Verleihung auf Grund ihrer Vielzahl an Nominierungen als Favoriten des Abends gegolten. Allerdings wurde nicht aus jeder Nominierung auch ein Preis. Eine kleine Überraschung gab es bei den Comedy- und Late-Night-Shows. Am Ende lag dort „Freitagnacht Jews“ (WDR) mit Daniel Donskoy vorne - und ließ die etablierten Satire-Kräfte Carolin Kebekus („Die Carolin Kebekus Show“, ARD) und Jan Böhmermann („ZDF Magazin Royale“, ZDF) hinter sich.

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Schon im Vorfeld klar war der Preisträger für das Lebenswerk: Hape Kerkeling. Er wurde mit vergleichsweisen jungen 56 Jahren ausgezeichnet. Darauf angesprochen sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND): „Oh, danke, dass ich sehr jung bin, hab ich schon lange nicht mehr gehört. Als ich elf war, hab ich das letzte Mal gehört „Du bist aber jung, du darfst im Kino nicht „Nebel des Grauens“ gucken. Bin auch sehr froh, dass mich hier noch kein Platzanweiser angesprochen hat mit ‚Na kleiner, wieso bist du denn ohne deine Eltern hier?“. Wo er seine Trophäe hinstellt, weiß er allerdings noch nicht: „Der Fernsehpreis ist ja unsichtbar. Man muss also einen Platz finden, wo er dann gesehen wird. Vielleicht male ich ihn auch noch an.“

Der Deutsche Fernsehpreis wird seit dem Jahr 1999 für hervorragende Leistungen beim Fernsehen verliehen.

Die Gewinner im Überblick:

Bester Fernsehfilm: „Für immer Sommer 90“ (ARD)

Bester Mehrteiler: „Oktoberfest 1900“ (ARD)

Beste Drama-Serie: „Para - Wir sind King“ (TNT)

Beste Comedy-Serie: „Das letzte Wort“ (Netflix)

Beste Schauspielerin: Petra Schmidt-Schaller für „Die Toten von Marnow (ARD)

Bester Schauspieler: Sascha Alexander Geršak für „Die Toten von Marnow (ARD) und „Polizeiruf 110: Der Verurteilte“ (ARD)

Beste Regie Fiktion: Özgür Yildirim für „Para - Wir sind King“ (TNT)

Bestes Buch Fiktion: Jantje Friese für „Dark“ (Netflix)

Beste Kamera Fiktion: Leah Striker für „Unbroken“ (ZDFneo)

Bester Schnitt Fiktion: Christoph Cepok, Rainer Nigrelli, David Wieching für „How to Sell Drugs Online (Fast)“ (Netflix)

Beste Musik Fiktion: Michael Klaukien für „Oktoberfest 1900“ (ARD)

Beste Ausstattung Fiktion: Oliver Hoese (Szenenbild), Maria Schicker (Kostüm), Gregor Eckstein und Jeanette Latzelsberger (Maske) für „Das Geheimnis des Totenwaldes“ (ARD)

Beste Unterhaltung Show: „Wer stiehlt mir die Show?“ (ProSieben)

Beste Comedy/Late Night: „Freitagnacht Jews“ (WDR)

Bestes Factual Entertainment: „Showtime of my Life - Stars gegen Krebs (Vox)

Beste Unterhaltung Reality: „Princess Charming“ (Tvnow)

Beste Moderation/Einzelleistung Unterhaltung: Andrea Kiewel für „ZDF-Fernsehgarten“ (ZDF)

Beste Regie Unterhaltung: Frank Lieberich für „Catch! Die Deutsche Meisterschaft im Fangen“ (Sat.1)

Bestes Buch Unterhaltung: Jan Böhmermann, Markus Hennig, Hanna Herbst für „ZDF Magazin Royale (ZDF)

Beste Ausstattung Unterhaltung: Michael König (Setdesign), Kaja Manenbach (Szenenbild) für „ZDF Magazin Royale“ (ZDF)

Beste Information: „Markus Lanz“ (ZDF)

Bestes Infotainment: „Joko & Klaas - Live: Pflege ist #NichtSelbstverständlich“ (ProSieben)

Beste Dokumentation/Reportage: „Schwarze Adler“ (Amazon/ZDF)

Beste Doku-Serie: „Charité intensiv - Station 43“ (RBB)

Beste Moderation/Einzelleistung Information: Anja Reschke für „Panorama“ (ARD/NDR)

Beste Kamera Information/Dokumentation: Alexander Gheorghiu für „Höllental“ (ZDF)

Bester Schnitt Information/Dokumentation: Philip Drangmeister, Xenia Kalinitchenko für „Stern Crime: Der Alptraummann“ (TVnow)

Beste Sportsendung: „Vendée Globe“ (ZDF)

Förderpreis: Aminata Belli für „follow me. reports“ (funk/ZDF)

Ehrenpreis: Hape Kerkeling

mit dpa

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