„Der Fall Collini“ feiert Fernsehpremiere: ein Anwalt beißt sich durch

  • Als junger Strafverteidiger zeigte sich Elyas M‘Barek in „Der Fall Collini“ 2019 im Kino von der ernsten Seite.
  • Am 2. August feiert der Film über einen Justizskandal, der auf einem Buch von Ferdinand von Schirach basiert, im Ersten TV-Premiere.
  • Das Einschalten bei diesem brillant besetzten Streifen lohnt sich.
Tilmann P. Gangloff
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Die Sachlage ist so eindeutig, dass sie die Bezeichnung „Fall“ im Grunde gar nicht verdient: Der Italiener Fabrizio Collini hat in einem Luxushotel einen alten Mann erschossen. Der junge Anwalt Caspar Leinen übernimmt die Pflichtverteidigung. Er ist noch so neu in dem Metier, dass er zur Belustigung des Oberstaatsanwalts zum Haftprüfungstermin in seiner Robe erscheint. Mit der Heiterkeit ist es allerdings schlagartig vorbei, als sich rausstellt, wen Collini auf dem Gewissen hat: Caspar kannte das offiziell als Jean-Baptiste Meyer geführte Opfer stets nur unter dem Namen Hans. Der schwerreiche Fabrikant, ein angesehener Bürger und Träger des Bundesverdienstkreuzes, hat ihn früh unter seine Fittiche genommen.

Der Enkel war Caspars bester Freund, Enkelin Johanna seine Jugendliebe. Der Anwalt will das Mandat wieder abgeben, aber sein früherer Professor rät ihm davon ab: Irgendeinen Grund zur Befangenheit gebe es immer. Um Collini vor einer Mordanklage zu bewahren, will Caspar erfahren, warum der Italiener den Industriellen getötet hat. Weil der Mann schweigt, sucht Caspar auf eigene Faust nach dem Motiv und macht schließlich eine erschütternde Entdeckung, die seinen verehrten Ziehvater in einem völlig anderen Licht erscheinen lässt.

Verhandlung von Moralfragen

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Die Handlung spielt 2001, weshalb sich erahnen lässt, für welche Art von Verbrechen Meyer büßen musste; die Details sind dennoch schockierend. Das Muster zumindest dieses Teils der Geschichte (Drehbuch: Christian Zübert, Robert Gold, Jens-Frederik Otto) könnte auch aus einem Italo-Western stammen; ein Lied vom Tod („Eine Nacht in Monte Carlo“ von Heinz Egon) erklingt ebenfalls. Die Vorlage zu „Der Fall Collini“ stammt von Ferdinand von Schirach, und wie in allen verfilmten Werken des juristischen Schriftstellers (zuletzt vor allem „Gott“ und „Terror – Ihr Urteil“) geht es um eine moralische Größenordnung, die weit über diesen speziellen Fall hinausweist: Caspar stößt schließlich auf einen dreißig Jahre zurückliegenden Skandal der deutschen Gesetzgebung.

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Regie führte Marco Kreuzpaintner, der nach seinen Kinoarbeiten „Krabat“ (2008) und „Coming In“ (2014) mit dem fesselnden Psychothriller „Sanft schläft der Tod“ (2016) und einem sehenswerten „Polizeiruf“ aus München („Und vergib uns unsere Schuld“, 2017) auch sehr gute Fernsehfilme gedreht hat. Hier erweist er sich erneut als vorzüglicher Schauspielerregisseur, zumal das Ensemble formidabel ist: mit Elyas M’Barek als junger Anwalt, Franco Nero als Rächer, Heiner Lauterbach als Strafrechtslegende und heutigem Vertreter der Nebenklägerin, Meyers Enkelin (Alexandra Maria Lara). Auch die Nebenrollen sind bestens besetzt, unter anderem mit Manfred Zapatka als Mordopfer und Rainer Bock als Oberstaatsanwalt. Ein kleiner Knüller ist die Mitwirkung von Jannis Niewöhner, der für wenige Szenen in die Rolle des schneidigen jungen Alter Egos von Hans Meyer geschlüpft ist; zuvor hatte er unter Kreuzpaintners Regie die Titelfigur in der Amazon-Serie „Beat“ (2018) gespielt.

Bilder von hoher Intensität

Die Bildgestaltung von Jakub Bejnarowicz („Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“) ist sehr sorgfältig, zumal Lichtsetzung und Farbgebung längst nicht so stereotyp wirken, wie sie in der Beschreibung klingen: grünliches Licht in den verliesartigen Zellen unterm Gerichtssaal, flirrende Helligkeit in der Toskana. Die Musik von Ben Lukas Boysen ist ohne Filmbilder nicht weiter ungewöhnlich, entfaltet aber in Kombination mit der Handlung eine hohe Intensität.

Sehr gelungen ist auch die Integrierung der Rückblenden in die Kindheit und Jugend, wenn Caspar beispielsweise als Erwachsener ins Anwesen der Meyers zurückkehrt und sich umgehend entsprechende Erinnerungen einstellen. Die junge Johanna (Tara Fischer) und ihr Bruder (Ludwig Simon) sind ebenfalls prägnant besetzt. Die darstellerischen Leistungen sind ohnehin ausnahmslos sehenswert. Franco Nero ist zwar zwanzig Jahre zu alt für seine Rolle, hat aber natürlich das nötige Charisma, um über weite Strecken auch ohne Dialoge zu imponieren.

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