Debüt in Bremen: Wie gut sind die neuen „Tatort“ Ermittler?

  • 18 Jahre ermittelten in Bremen Lürsen (Sabine Postel) und Stedefreund (Oliver Mommsen). Nun übernahm ein neues „Tatort“-Trio, dargestellt von Jasna Fritzi Bauer, Luise Wolfram und „Game of Thrones“-Schauspieler Dar Salim.
  • Ging das Konzept auf?
  • Und wie geht es mit dem merkwürdigen Trio weiter?
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Zwei junge deutsche Schauspielerinnen: Jasna Fritzi Bauer (32) und Luise Wolfram (33). Dazu der coole, international bekannte Däne Dar Salim. So sieht das neue Personal des Bremer „Tatorts“ aus. Erstmals seit 1997, als Sabine Postel zunächst alleine und ab 2001 mit Oliver Mommsen ermittelte, muss man sich an einen komplett neu konzipierten Bremer „Tatort“ gewöhnen. Am Pfingstmontag lief mit „Neugeboren“ der erste Film mit dem frischen Personal. Mit einer Satire („How to Tatort“, ARD Mediathek) hatte sich dieses bereits im Vorfeld über die eigene Arbeit lustig gemacht. Konnte das „echte“ Krimidebüt der Bremer überzeugen?

Worum ging es?

Ermittlerin Liv Moormann (Jasna Fritzi Bauer) erlebt ihren ersten Tag bei der Bremer Kripo, der dänische Kollege Mads Andersen (Dar Salim) seinen (geplant) letzten. Dazu klopft Kollegin Selb (Luise Wolfram) zynische Sprüche. Kann dieses neue Trio einen Doppel-Fall lösen? Kurz nach der Geburt wird das Baby von Sophie Völkers (Morgane Ferru) aus der Klinik entführt. Gleichzeitig hat sich ein junger Mann vom Turm eines verlassenen Industriebaus in den Tod gestürzt. Er stellt sich als stadtbekannter Drogendealer heraus. Über die Clique des Opfers ergeben sich Verbindungen und Verdächtigungen in Richtung einer Bremer Sozialbau-Siedlung der Abgehängten und Enttäuschten. Darunter der trinkende Ex-Fußballprofi Rudi Stiehler (André Szymanski) und dessen Tochter Jessica (Johanna Polley), die ebenfalls gerade ein Kind bekommen hat.

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Worum ging es wirklich?

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Das war keine leichte Aufgabe für Drehbuch-Routinier Christian Jeltsch („Die verlorene Tochter“), der zu den meistbeschäftigten „Tatort“-Autoren Deutschlands gehört. Der 1958 geborene Kölner hat schon für fast alle Reviere geschrieben. Sein Fall „Neugeboren“ musste in knapp 90 Minuten gleich drei neue - und dazu sehr gegensätzliche - Ermittler einführen und dazu zwei Kriminalfälle lösen. „Neugeboren“ erzählte von Lebensträumen und -enttäuschungen „kleiner“ Leute. Vom mittelalten Trinker, der früher mal kurzzeitig Fußball-Profi war. Von sehr jungen Frauen aus prekären Hochhaussiedlungen, die nur übers Muttersein ein Stück eigenes Lebensglück zu formen glaubten, weil ihnen andere „Karriereschritte“ wegen mangelnder Bildung und finanzieller Möglichkeiten verwehrt blieben. Das Porträt der jungen Abgehängten in „Neugeboren“ war kurz, aber relativ präzise.

Wie schlugen sich die neuen Kommissare?

Die eine hat ihren ersten Tag. Ihr Kollege will die ganze Zeit weg. Und die dritte? Wirkt ein wenig autistisch und klopft distanzierte Sprüche. Zugegeben, das neue Bremen-Trio wirkt ein wenig konstruiert, doch die Schauspieler füllen ihre schrägen Parts im Zusammenspiel mit viel Verve aus: Moormann (Jasna Fritzi Bauer), die humoristisch unsichere, mit sich selbst kämpfende Kindfrau. Selb (Luise Wolfram), die haarscharf an der Parodie vorbeischrammende Kriminaltechnikerin. Und Andersen, der smarte Däne mit Undercover-Geheimnis. Diese drei bieten so viel Geschichten-Potenzial, dass man beim neuen Bremer „Tatort“ aufpassen muss, den Fällen selbst genug Raum zum Atmen zu lassen. Dass man bei den Machern viel von den neuen Kommissaren hält, bewies die vorab gesendete Making-of-Mockumentary „How to Tatort“, die noch in der ARD-Mediathek zu finden ist. So etwas gab es wohl auch noch nicht: Man dreht eine Parodie auf etwas, das erst nach der Parodie entstehen soll. Schräger Humor, Ihr Bremer!

Habe ich die nicht schon mal gesehen?

Die 29-jährige Berliner Schauspielerin Johanna Polley scheint auf einem guten Weg zu sein, die junge Lieblingsmörderin des deutschen Fernsehens zu werden. In „Neugeboren“ spielte sie jene verzweifelte Mutter aus dem sozialen Brennpunkt, die nach ihrer Totgeburt das Baby einer anderen Frau stahl. Polley machte gerade erst im April Schlagzeilen, weil sie an einem Wochenende in gleich zwei öffentlich-rechtlichen Primetime-Krimis die Mörderin spielte - darunter der Schwarzwald-“Tatort: Was wir erben“ und am ZDF-Samstag in „Herr und Frau Bulle“. Gut für Frau Polley, etwas schräg für den Zuschauer. Doch der hat sich ja jahrelang an Klischeebesetzungen gewöhnt. Kleiner Tipp: Immer wenn in einem Film Schauspieler Uwe Bohm auftaucht, ist er der Mörder oder zumindest der Bösewicht.

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Wie geht es beim Bremer „Tatort“ weiter?

Anfang April 2021 begannen die Dreharbeiten zum zweiten Fall mit Jasna Fritzi Bauer, Dar Salim und Luise Wolfram. In „Und immer gewinnt die Nacht“ geht es um einen ermordeten Arzt, einen klassischen Gutmenschen, der pro bono die Armen der Stadt behandelte. Warum wird ausgerechnet so einer umgebracht? Das Drehbuch zum Krimi schrieb wiederum Christian Jeltsch, der den neuen Bremer „Tatort“ entwickelte, sich aber für die nächsten Fälle erst mal als Autor zurückziehen wird. Regie führt mit Oliver Hirschbiegel („Der Untergang“) ein ziemlich prominenter Filmemacher. Voraussichtlich im Winter 2021/2022 ist die nächste Bremer „Tatort“-Folge im Ersten zu sehen.

RND/Teleschau

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