• Startseite
  • Medien & TV
  • Debatte über Riesenpenis im dänischen Kinder-TV: Nun äußert sich der Erfinder

Debatte über Riesenpenis im dänischen Kinder-TV: Nun äußert sich der Erfinder

  • Ein Puppentrickfilmheld hat im Januar die Gemüter in Dänemark erhitzt.
  • „John Dillermand“ wird in der gleichnamigen Kinderserie von seinem endlos langen Genital in Schwierigkeiten gebracht.
  • Jacob Ley, Erfinder der Figur, fühlt sich missverstanden - es handele sich um einen ulkigen „Pimmel“, nicht um einen sexuell konnotierten „Penis“.
Anzeige
Anzeige

Viele erwachsene Dänen und vor allem Däninnen waren nicht amüsiert. Da trat am 3. Januar im dänischen Fernsehen eine männliche Trickfilmpuppe im Kinderfernsehen auf, die ganz offensichtlich über ein endlos langes, äußerst seltsam agierendes Genital verfügte. John Dillermand hieß der Mann mittleren Alters und manch ein Elternteil mag er durchaus an die großen Missbrauchskomplexe und vielen Pädophilie-Fälle erinnert haben, die derzeit die Gerichte beschäftigen.

Der Endlos-„Pimmel“ steckt in einem rotweißen Badekostüm

Der schnauzbärtige John Dillermand trägt ein altmodisches rot-weiß gestreiftes Badekostüm wie Gert Fröbe im Klamaukfilm „Die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten“ (1964) über die frühen Tage der Luftfahrt – ein Gewand, das auch seinen schier endlosen Penis umhüllt. Der Körperteil des Anstoßes ließ John an Luftballons gen Himmel steigen, er wurde von einem Betonmischwagen auf der Straße festzementiert, und auch ein Hund verbiss sich schon mal in ihn. Bei seinem ersten Auftritt waren 250.000 Kinder dabei. Zielgruppe: Vier- bis Achtjährige.

Anzeige

Die Serie „John Dillermand“ läuft samstags, ist mit Zehntausenden kindlicher Fans so etwas wie ein TV-Hit beim öffentlich-rechtlichen Sender DR nördlichen Nachbarn. Sie brachte aber vor allem Frauen gegen sich auf, die erst im Sommer des vorigen Jahres via #MeToo Dänemark erfahren hatte, dass die TV-Moderatorin Sofie Linde als junge Praktikantin von einem bekannten dänischen Fernsehmann zu Oralsex aufgefordert worden sei. Andernfalls – so hatte der Mann gedroht – werde er ihre Karriere zerstören. Der Bekanntgabe Lindes bei einer Galashow folgten Erzählungen Dutzender Frauen, die von männlichen Übergriffen sexueller Art berichteten.

Und nun also ein buchstäblich „schwanzgesteuertes“ Stop-Motion-Männchen als Kinderstar? Die dänische Autorin Anne Lise Marstrand-Jørgensen fragte provokant, ob man ein Sequel „Joan Muschi“ nennen könne, oder ob „ausschließlich Pimmel lustig sind“.

Anzeige

Genau da hakt „John Dillermand“-Erfinder Jacob Ley in einem Interview mit der Onlineausgabe des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ ein. Das lassolange Körperteil, das dem Puppenmännchen mit seinen besonderen Fähigkeiten immer wieder Probleme bereitet und es in allerhand haarsträubende Situationen bringt, sei eben ein ulkiger „Pimmel“ und kein sexueller „Penis“ und werde auch nirgends in der Serie auch nur ansatzweise als Geschlechtsteil konnotiert.

Dillermand wurde beim Herumjuxen im Badezimmer erfunden

Erfunden habe Ley John Dillermand beim Herumjuxen mit seinen drei Kindern im Badezimmer. Die hätten sich nicht die Zähne putzen wollen, er habe mit dem Gürtel seines Bademantels herumgewedelt und diesen vorgestellt: „Hi, mein Name ist John Dillermand“. „Dillermand“ ist eine kindlich-umgangssprachlichen Penis-Bezeichnung in Dänemark – wie „Pimmel“ oder „Pullermann“ oder das englische „Willie“. Leys Nachwuchs fand Papas Albernheit lustig und wollte mehr über John Dillermand wissen. Und Ley, leidenschaftlicher Geschichtenerzähler, begann mit seinen Dillermand-Storys.

„Es ist kein Riesenpenis“, stell Ley beim „Spiegel“ klar, „Es ist ein ‚magischer Willie‘“. Mit biologischen oder „erwachsenen“ Bezeichnungen würden die Geschichten überhaupt nicht funktionieren.

Das Stream-Team Was läuft bei den Streamingdiensten? Was lohnt sich wirklich? Die besten Serien- und Filmtipps für Netflix & Co. gibt‘s jetzt im RND-Newsletter „Stream-Team“ – jeden Monat neu.

Leys Held richtet in der Serie alle Probleme. Er hat ein gutes Herz, es gibt ein Happy End. Dass er etwas Massenkompatibles habe, sei Ley klar geworden, nachdem er auch noch einen „John Dillermand“-Song schrieb und vortrug, worauf der eine Woche später von Kindern seiner Freunde gesungen wurde.

Anzeige

Ley fühlt sich falsch verstanden. Die #MeToo-Debatte halte er für wichtig, hätte aber nie gedacht, dass seine Figur da hineingeraten würde. Die heftigen Reaktionen halte er, so sagte er in dem Interview, für „ein bisschen aus dem Zusammenhang gerissen“. Die Serie läuft noch.

RND/big

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen