Dave Bautista: „Ich kann mir ‚Guardians of the Galaxy‘ kaum anschauen“

  • Dave Bautista spielt in Zack Snyders Film „Army of the Dead“ den Actionhelden Scott, der inmitten einer Zombieapokalypse auf Beutezug geht.
  • Doch der ehemalige Wrestler Dave Bautista ist gar kein typischer Actionheld.
  • Im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) spricht der Schauspieler und Bodybuilder über Verletzlichkeit, Zweifel und Perfektionismus.
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Der ehemalige Wrestler Dave Bautista ist seit der Sci-Fi-Komödie „Guardians of the Galaxy“ auch als Schauspieler ein gefragter Mann. Der 52-Jährige spielt im Actionstreifen „Army of the Dead“ den Anführer Scott, der versucht mithilfe seiner Crews im zombieverseuchten Las Vegas einen Casinotresor zu knacken. Scott will reich werden – und gleichzeitig wieder eine Bindung zu seiner Tochter Ella aufbauen. Im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland spricht Dave Bautista über innere Stärke, eigene Schwächen und warum er Scott unbedingt verletzlich zeigen wollte.

Ich war sehr berührt von der überraschenden Verletzlichkeit, die Sie in der Rolle als Scott zeigen. Ist das etwas, nach dem Sie in vielen Ihrer Rollen streben?

In letzter Zeit habe ich nicht nach klassischen Actionrollen Ausschau gehalten. Als Zack Snyder mir das Drehbuch zu „Army of the Dead“ gegeben hat, habe ich Scott auf eine ganz andere Art und Weise gesehen als Zack es tat. Scotts Geschichte war für mich die der Erlösung. Daraufhin habe ich mit Zack darüber gesprochen, wie wir den Charakter emotionaler machen könnten. Es gab mehrere Gründe dafür. Aber der wichtigste für mich war, dass ich meine Bandbreite als Schauspieler zeigen möchte. Dadurch sollen sich weitere Türen für mich öffnen.

Außerdem möchte ich eine andere Sicht auf Actionhelden bieten. Die Zuschauerinnen und Zuschauer sollen sich mit ihnen identifizieren. Denn Actionhelden werden oft als so unbesiegbar und so viel größer als das Leben dargestellt. Deswegen ist für viele Leute schwer ist, eine Bindung zu ihnen aufzubauen und wirklich mitzufiebern. Eine Person, die wie ich oder Dwayne Johnson aussieht, ist selten ein Underdog. Wir sehen einfach unbesiegbar aus. Deswegen haben wir alles an ihm heruntergespielt: die Brille, die Gestik, die Haltung. Nur um ihn verletzbar aussehen zu lassen und den Blick von seiner physischen Erscheinung abzuwenden.

Stört es Sie, wenn die Menschen von Ihnen erwarten, dass Sie auch innerlich stark sind, nur weil Sie muskulös sind?

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Ich mag es nicht, wenn Menschen mich nur als Muskelpaket sehen und so stereotypisieren. So bin ich nicht. Als ich jünger war, jahrelang, wollte ich dieser starke, robuste, belastbare Typ sein. Aber ich war es nie. Ich habe mich unwohl gefühlt, wenn ich immer so tun musste, als ob ich keine Emotionen hätte. Ich glaube, dass kaum jemand wirklich so ist. Liebe zu zeigen, ist im Leben wichtig. Das beweist uns doch dieses Corona-Jahr: Man weiß nie, ob jemand, den man doll liebt, einen plötzlich verlässt. Und wenn man ihm nie gesagt hat, dass man ihn liebt, bereut man es für immer. Und das ist ätzend. Mit so einer Reue möchte ich nicht leben. Deswegen trage ich mein Herz auf der Zunge. Trotzdem ist es immer wieder schwer, Gefühle auch wirklich auszudrücken.

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Wie war die Rolle von Scott denn ursprünglich im Drehbuch angelegt?

Im Script war Scott ein bisschen weniger emotional, ein bisschen mehr vorhersehbar, weniger liebend. Doch die emotionale Seite war durchaus angelegt. Als wir gefilmt haben, konnten wir Momente voll auskosten. Zack wollte sich eigentlich mehr auf die Action konzentrieren – und davon wollte ich ihn auch nicht abbringen. Als ich ihn gefragt, ob ich Scott dennoch emotionaler spielen könnte, meinte er: „Das ist der Grund, warum ich Dir die Rolle gegeben habe.“ Das hat mir unglaublich viel bedeutet.

Es ist Ihnen heute wichtig, über Gefühle zu sprechen, früher haben Sie sich aber dagegen gesträubt. Was hat Ihre Perspektive verändert?

Alter (lacht). Das ist die ehrliche Antwort. Während wir älter werden, lernen wir mehr über uns, fühlen uns mit uns wohler. Ich glaube, ich habe mich erst mit mir selbst wohl gefühlt, als ich weit über 40 Jahre alt war. Dann kommt man an einen Punkt in seinem Leben, an dem es erschöpfend ist, wenn man immer versucht, sich der Erwartung anderer anzupassen. Es ist so erlösend, das hinter sich zu lassen und sich selbst zu akzeptieren – auch wenn es immer diese Fehler gibt, die man selbst nicht an sich mag. Es hilft dann, über die eigenen Fehler zu lachen. Das führt definitiv zu einem viel stressfreierem Leben. Ich habe mich selbst erst kennengelernt, als ich älter wurde.

Wenn Sie nun „Army of the Dead“ anschauen, gibt es Szenen, die Sie stören, weil sie nicht perfekt sind?

Da gibt es immer wieder solche Momente. Um ehrlich zu sein: Ich kann mir den ersten „Guardians of the Galaxy“ kaum anschauen. Und das hat nichts damit zu tun, dass der Film nicht großartig sei. Ich liebe den Film. Die Schauspielerei war damals noch so neu für mich. Und ich war so nervös. Ich sehe das jedes Mal, wenn ich den Film sehe. Jedes Mal will ich alles noch einmal neu drehen. Ich denke das bei jedem Film, weil ich nie aufhören möchte, an mir zu arbeiten, um ein besserer Schauspieler zu sein. Ich sehe das fertige Produkt ja meist erst ein oder eineinhalb Jahre später. Zu diesem Zeitpunkt habe ich mich aber schon so viel verbessert, dass ich ein paar Sachen wieder ändern möchte. Wenn ich jetzt „Army of the Dead“ gucke, möchte ich in jeder Szene etwas verändern. Ich bin ein Perfektionist – und mein größter Kritiker. Ich bin niemals zufrieden mit mir.

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Wie lange würden Sie in einer echten Zombieapokalypse überleben?

Ohne Probleme bestimmt sechs Monate. Ich würde mir am meisten Gedanken um Wasser und Benzin machen. Auf meinem Grundstück habe ich einen sehr großen Generator, aber der braucht halt Benzin. Irgendwann wird das leer sein und ich weiß nicht, wo ich das herbekommen soll. Und ich habe keinen Brunnen. Ich hab tatsächlich ein paar Filter, aber das reicht nicht, um meine ganze Familie mit Frischwasser zu versorgen. Aber ich habe einen großen Garten, wo wir Gemüse anbauen könnten. Für sechs Monate würde das wohl reichen.

Sie scheinen sich darüber viel Gedanken zu machen…

Das das ist wirklich nicht, weil ich Angst vor einer realen Zombieapokalypse hätte (lacht). Ich lebe in Florida in einem Überflutungsgebiet. Deswegen ist mein Haus auch hurrikansicher. All die Maßnahmen sind wegen Extremwetterlagen – und nicht wegen Zombies. Aber das könnte man natürlich sehr einfach umbauen.

Zur Person: Dave Bautista wurde 1969 in Arlington im US-Bundestaat Virginia geboren. Er wuchs in Armut auf. 1999 begann er eine Karriere als Wrestler in der World Wrestling Federation. 2006 sattelte er auf die Schauspielerei um, war 2015 in „James Bond: Spectre“ zu sehen, bis im 2016 in der Rolle als der stoische Drax in „Guardians of the Galaxy“ der internationale Durchbruch gelang. In derselben Rolle trat er auch in der „Avenger“-Filmreihe auf. 2019 verabschiedete er sich nach einigem Hin und Her endgültig aus dem Wrestling. Bautista war zweimal verheiratet und hat insgesamt drei Kinder und zwei Enkelkinder.

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