„Das Mädchen am Strand“: Feuchtfröhliche Abiparty mit Leiche

  • Verdächtige zuhauf und ein polternder Kommissar.
  • Im ZDF-Zweiteiler „Das Mädchen am Strand“ gibt es nach einer feuchtfröhlichen Abiturparty eine Tote.
  • Die Geschichte entwickelt ihren ganz eigenen Reiz.
Ernst Corinth
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Für ein verschlafenes Ostseebad ist die Mordquote in Nordholm erstaunlich hoch. Regelmäßig werden in diesem Idyll Zeitgenossen ums Leben gebracht, und so mancher Bewohner hat eine sprichwörtliche Leiche im Keller.

Gut verborgene private Geheimnisse stehen im Mittelpunkt des zweiteiligen Krimidramas „Das Mädchen am Strand“, das das ZDF am Montag (6. Januar) und am kommenden Mittwoch (8. Januar) zeigt. Bereits zum dritten Mal (nach 2015 und 2019) ist dabei das fiktive Städtchen Nordholm der Schauplatz – als Drehort diente den Filmemachern das beschauliche Städtchen Lütjenburg im Kreis Plön, das bislang nicht mit einer erhöhten Kriminalitätsstatistik aufgefallen ist.

Regisseur lässt sich viel Zeit beim Erzählen

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Viel Zeit beim Erzählen all der kleinen und großen Dramen lässt sich Regisseur und Drehbuchautor Thomas Berger. Anfangs wirkt seine Geschichte ein wenig langatmig. Dann aber entwickelt der Zweiteiler seinen ganz eigenen Reiz, dem man sich kaum entziehen kann.

Zunächst aber wird, wie es sich für einen zünftigen Fernsehkrimi gehört, gemordet. Während einer feuchtfröhlichen Abiturparty am Ostseestrand verschwindet die hübsche Schülerin Jule Reinhardt (Tijan Marei). Am nächsten Morgen wird das Mädchen in der Nähe der Klippen in einem kleinen Waldstück tot aufgefunden.

Die örtliche Polizei übernimmt zunächst die Ermittlungen. Sie verhört die verkaterten Schüler und den ebenso verkaterten Lehrer. Dann erscheint der Hamburger LKA-Kommissar Simon Kessler (Heino Ferch) am Schauplatz und reißt den Fall in gewohnt unverschämter Art an sich. Wer diese lose Krimireihe kennt, für den ist der arrogante Kessler, der sich stets hinter einer dunklen Sonnenbrille versteckt, ein alter Bekannter.

Kessler ermittelt auf seine ganz spezielle Weise

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Auch in den beiden vorhergehenden Filmen ermittelte Kessler auf seine ganz spezielle Weise in Nordholm und machte sich durch sein schroffes Auftreten wenig Freunde. Mit der zweiten Hauptfigur, der Provinzpolizistin Hella Christensen (Barbara Auer), die mittlerweile den Dienst quittiert hat, verbindet den Poltergeist eine alte Hassliebe.

Im Unterschied zu Kessler geht Christensen in ihrem Heimatstädtchen ruhig und bedächtig vor. Sie kennt die Leute genau und weiß, wie man mit ihnen umzugehen hat, wenn man etwas von ihnen will. Dieses Wissen macht Christensen für Kessler zu einer wichtigen Informationsquelle, vor allem wenn er mal wieder mit seinem Latein am Ende ist.

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Arg ratlos ist der Großstadtkommissar zunächst. Der Mordfall entwickelt sich komplizierter als vermutet. Die Zahl der Verdächtigen ist bald schon kaum mehr zu überschauen. Regelmäßig hat Kessler einen neuen Hauptverdächtigen, den er in den recht ausführlich gezeigten Vernehmungen sofort des Mordes beschuldigt, um ihn dann genauso regelmäßig wieder laufen zu lassen.

Die Ermittlungen kommen nicht voran

Ein Lehrer (André Szymanski) und ein windiger Immobilienmakler (Axel Milberg) werden zwischendurch festgenommen, wandern in Untersuchungshaft, können dann aber doch ihre Unschuld beweisen. Obwohl Kessler akribisch und professionell vorgeht, kommen die Ermittlungen einfach nicht voran.

Dafür bringen die Morduntersuchungen private Dinge ans Tageslicht, die höchst unangenehm sind für die nur scheinbar braven Bewohner von Nordholm. Es geht um Liebesaffären, kaputte Ehen und genauso kaputte Familien, aber auch um sexuelle Obsessionen – und um gut verheimlichte Prostitution.

Geheimnisse hat auch Kessler: Er hat schon seit Längerem eine komplizierte Beziehung zu der örtlichen Buchhändlerin. Seine Kollegin Christensen steckt derweil in einer tiefen Ehekrise, die ihr Verhältnis zu ihrem Sohn zu zerstören droht.

Ganz schön was los in diesem Nordholm

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Es ist also wirklich ganz schön was los in diesem Nordholm, das ein wenig an das britische Broadchurch erinnert. Auch das englische Provinzkaff ist ein fiktives Küstenstädtchen und Schauplatz der gleichnamigen Kultserie, die sich in ihrer britischen Heimat zu einem klassischen Straßenfeger entwickelt hat.

Auch der Krimi „Das Mädchen am Strand“ lebt vor allem davon, dass die Zuschauer wunderbar miträtseln können, wer denn nun der Mörder oder die Mörderin der Abiturientin Jule ist.

Sehenswert ist dieser ZDF-Zweiteiler zudem wegen der exzellenten Schauspielerriege, selbst Nebenrollen sind prominent besetzt. Der insgesamt dreistündige Besuch in dem fiktiven mörderischen Nordholm lohnt sich.

Der Zweiteiler „Das Mädchen am Strand“ läuft Montag, 6. Januar, und Mittwoch, 8. Januar, jeweils um 20.15 Uhr im ZDF.

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