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Neue Kampagne

Mit Polemik Richtung „Freedom Day“: Auf #allesdichtmachen folgt #dankefueralles

Der Regisseur Dietrich Brüggemann.

Der Regisseur Dietrich Brüggemann sorgt immer wieder mit Kampagnen gegen die Corona-Maßnahmen für Diskussionen. Auch an der Aktion #dankefueralles ist er beteiligt.

Hannover. Rund ein Jahr ist es inzwischen her, dass sich eine Gruppe deutscher Schauspielerinnen und Schauspieler mit einer vielfach kritisierten Kampagne gegen die Corona-Maßnahmen stellte. Aus ihren Altbauwohnungen heraus sendeten rund 50 bekannte Fernsehgesichter wie etwa Volker Bruch, Wotan Wilke Möhring, Jan Josef Liefers oder Heike Makatsch sarkastische Videos in die Welt, machten sich über Schutzmaßnahmen, Expertinnen und Experten, Medien und die Angst der Menschen vor dem Virus lustig.

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#allesdichtmachen hieß die Aktion seinerzeit. Die Folge: vernichtende Kritik aus der Branche und eine Welle des Einknickens. Zahlreiche Teilnehmerinnen und Teilnehmer ließen ihre Beiträge später von der Website löschen und distanzierten sich nachträglich von der Aktion.

Der harte Kern von „Alles dicht machen“ allerdings blieb – und lieferte verlässlich weiter. Schon im Herbst vergangenen Jahres ging mit #allesaufdentisch eine Nachfolgekampagne an den Start. Diesmal führten Schauspieler wie Wotan Wilke Möhring, Jan Josef Liefers, Volker Bruch und Filmemacher Dietrich Brüggemann auf einer Website Videogespräche mit vermeintlichen Expertinnen und Experten, deren Thesen oftmals nur haarscharf an bekannten „Querdenker“-Theorien vorbeischrammten. Und nun, rund ein Jahr nach dem Auftakt, folgt der dritte Streich: #dankefueralles.

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Stichtag: 20. März

Initiiert wurde die dritte Aktion laut Impressum vom Verein allesaufdentisch e. V. Redaktionell verantwortlich ist demnach – wie auch bei #allesaufdentisch – Jeana Paraschiva; auch an der Aktion #allesdichtmachen hatte sich Paraschiva im vergangenen Jahr beteiligt. Filmregisseur Dietrich Brüggemann bewarb die Aktion am Vormittag auf seinem Twitter-Account und schrieb dazu: „Am 20.3. enden alle Maßnahmen. Danke, liebe Politiker, dass ihr uns so gut durch die Pandemie gebracht habt. Ab jetzt kommen wir allein klar. Danke für alles! #dankefueralles“. Initiator der Aktion sei Brüggemann aber nicht, wie er am Abend auf Twitter erklärte.* Er habe lediglich einige der Videos geschnitten.

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Im Stile des Tweets ist auch die Website selbst aufgebaut. Sie zeigt insgesamt 20 Youtube-Videos, die einem ähnlichen Schema folgen: Zunächst werden Aussagen von Politikerinnen und Politikern, Expertinnen oder Medienschaffenden eingeblendet, dann werden diese auf verschiedenste Art und Weise ins Lächerliche gezogen. Schließlich wird gefordert, dass am 20. März sämtliche Corona-Maßnahmen fallen. Von nun an komme man schließlich allein klar.

Das erste Video auf der Website zeigt Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP). Im Oktober vergangenen Jahres hatte dieser die epidemische Lage von nationaler Tragweite für beendet erklärt, gleichzeitig aber weitere Maßnahmen für den Winter angekündigt. Diese seien jedoch befristet und endeten „spätestens am 20. März 2022″, so Buschmann damals.

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Viel Polemik

Die Initiatoren von #dankefueralles erinnern Buschmann nun an sein Versprechen: „Weil unser Justizminister sein Wort hält“, heißt es in dem Video. „Wir bedanken und bei Politik und Medien, dass sie uns so gut durch die Pandemie geführt haben. Ab jetzt kommen wir alleine klar. Danke für alles.“

Ein anderes Video zeigt die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel in einer Fernsehansprache. Sie bittet die Bevölkerung um Verständnis für die Corona-Maßnahmen, solange noch kein Medikament oder ein Impfstoff gegen Covid-19 verfügbar seien. Laut den Initiatoren von #dankefueralles ist genau das jetzt aber der Fall – von nun an komme man also „alleine klar“.

Nicht alle Videos auf der Website folgen diesem Schema, andere sind deutlich polemischer. Ein Video mit dem Titel „weil Welle“ zieht die Warnungen von Expertinnen und Politikerinnen und Politikern in Form eines dramatischen Filmtrailers ins Lächerliche. Das Video endet mit dem Satz: „Am 20. März enden alle Maßnahmen, weil auch die erfolgreichste Serie mal ein Ende finden muss.“

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Impfkritik und DDR-Vergleiche

Die vermeintliche Panikmache spielt in gleich mehreren Videos eine Rolle. Eines beispielsweise untermalt die Warnungen von Ex-Gesundheitsminister Jens Spahn mit dem bekannten „Nein, doch, oh“ von Louis de Funès. Ein anderes zeigt Szenen aus der Zeichentrickserie „Die Simpsons“ und endet mit dem Satz „weil wir die Panikkommunikation satt haben“.

Andere Videos drücken derweil auf die Tränendrüse. In einem Clip beispielsweise ist ein Junge zu sehen, der sich wünscht, dass die ständigen Lockdowns und die Masken aus der Schule doch endlich verschwinden mögen. Ein weiterer Clip macht Stimmung gegen die Corona-Schutzimpfung. In dem Video werden Aussagen der Journalistin Mai Thi Nguyen-Kim mit Fernsehbeiträgen gegenübergestellt, die die vermeintliche Gefährlichkeit der Impfung darstellen sollen.

Auch Diktaturvergleiche fehlen nicht. „Weil sogar die DDR verstanden hat, dass sie mal öffnen muss“, heißt es beispielsweise in einem Video, während Szenen vom Mauerfall gezeigt werden.

Keine Promis

Anders als die Vorgängeraktionen kommt #dankefueralles diesmal gänzlich ohne prominente Unterstützung aus. Bekannte Schauspielerinnen und Schauspieler sind nicht auf der Kampagnenwebsite zu finden. Stattdessen ist für Merchandise gesorgt: Auf der Website lassen sich Sticker, Postkarten und Plakate der Aktion herunterladen. Auf allen steht der Satz: „Danke für alles, ab jetzt kommen wir alleine klar.“

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Ein größerer Aufschrei zur Kampagne in den sozialen Netzwerken blieb bislang aus – wohlmöglich auch wegen der fehlenden Prominenz. Gleichwohl kommt die Aktion aber gut an – insbesondere in der Szene der Corona-Leugner. Hier werden die Videos und Sharepics der Aktion seit dem Vormittag vielfach geteilt, und im gleichen Atemzug gegen die Impfung gewettert.

Dietrich Brüggemann bekommt auf Twitter derweil viel Lob für die Kampagne. Eine Nutzerin beispielsweise schreibt: „Mich haben die Videos sehr berührt. Danke, dass Sie nicht zuschauen und schweigen. Ich hoffe, dass dieses Geschehen der letzten zwei Jahre aufgearbeitet wird.“ Eine andere meint: „Herr Brüggemann. Gewohnt hohe Qualität und Unterhaltungsfaktor! Wäre es eine Option für Sie, unser nächster Bundeskanzler*:in zu sein?“.

Politik stellt Lockerungen in Aussicht

Was genau die Aktion bezwecken soll, wird derweil übrigens nicht erklärt. Anders als bei den Vorgängerkampagnen fehlt auf der Website ein längerer Text, der die Motivation hinter der Aktion verdeutlicht. Die Beiträge zeigen aber: Die Initiatoren wollen offenbar mit viel Spott die vermeintliche Inkompetenz von Politikerinnen und Experten in den Fokus rücken – anhand von Äußerungen oder Prognosen, die im Laufe der Pandemie von der Realität eingeholt wurden. Gleichzeitig wird mit viel Polemik auf einen „Freedom Day“ gedrängt, mit dem die Politik weiter hadert.

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SPD, Grüne und FDP wollen am Freitag ein abgespecktes Infektionsschutzgesetz beschließen, das die rechtlich möglichen Corona-Maßnahmen der Bundesländer deutlich reduzieren soll. So sehen die Basisschutzmaßnahmen beispielsweise keine Zugangsbeschränkungen nach den 2G- und 3G-Regeln mehr vor. Auch die Maskenpflicht soll es ab dem 20. März nur noch in wenigen Bereichen wie dem Nah- und Fernverkehr und zum Schutz von vulnerablen Gruppen geben.

Allerdings wollen zahlreiche Bundesländer von einer Übergangsregel bis zum 2. April Gebrauch machen, darunter Brandenburg, Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen – ein „Freedom Day“ am 20. März fällt also aus. Zudem können auch künftig in Hotspots weiter strengere Maßnahmen gelten.

*Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, Filmregisseur Dietrich Brüggemann sei mutmaßlich der Initiator der Aktion #dankefueralles. Brüggemann hat dies dementiert, er habe lediglich einige der Videos geschnitten. Wir haben die entsprechende Stelle korrigiert.

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