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Danke, Internet: Wie die Corona-Krise die Gesellschaft digitalisiert

Videochats wie Skype helfen in der Isolation. (Symbolbild)

Hannover. Wenn man auch nur irgendetwas Positives aus der Corona-Krise ziehen kann, dann vermutlich das: Sie geschieht im Jahr 2020 – und nicht 30 Jahre früher.

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Der größte deutsche Internetknotenpunkt De-Cix in Frankfurt hat vor wenigen Tagen vermeldet: 9,1 Terabit Daten wurden vergangene Woche in einer Sekunde verarbeitet. Das ist so viel wie noch nie zuvor. Selbst Menschen, die sich der Digitalisierung bislang konsequent verweigert haben, dürften in diesen Zeiten feststellen: Das Internet ist das größte Geschenk, das wir haben.

Es lässt uns in Zeiten von Kontaktsperren und Social Distancing nicht allein, es ermöglicht den Kontakt zu unseren Familien und Freunden – und es bietet auch im beruflichen Kontext viele Chancen, die wir in der Zeit nach Corona völlig anders bewerten dürften.

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Getrennt und doch nicht allein

Springen wir nur ein paar Jahre zurück: Wie wäre die Corona-Krise im Jahr 1990 verlaufen? Wir wären vermutlich in unseren eigenen vier Wänden vereinsamt, während am Ende des Monats eine exorbitant hohe Telefonrechnung auf uns gewartet hätte. Das Telefon, unser einziger Kontakt zur Außenwelt – ein Schreckensszenario.

Vermutlich wäre das aber noch unser kleinstes Problem gewesen. Der wirtschaftliche Schaden durch die Krise wird zwar auch jetzt enorm sein, aber eines ist klar: Vor einigen Jahren hätte uns Corona noch deutlich härter getroffen. Heute kann ein großer Teil der Arbeitnehmer im Homeoffice arbeiten, Konferenzen und Kundengespräche per Videoschalte umsetzen. Unternehmen können ihre Dienste auch online anbieten, sind nicht sofort zum Bankrott verdammt.

Für andere hat das Internet auch einen psychologischen Effekt: Soziale Netzwerke zeigen uns, dass wir nicht allein sind. Wir können unsere Sorgen, unsere Ängste mit anderen teilen und bekommen darauf sofort eine Rückmeldung. Gerade für Menschen mit psychischen Erkrankungen kann das Internet und der Kontakt zu anderen überlebenswichtig sein. Man möchte sich nicht ausmalen, vor was für einem Desaster wir stünden, wenn es diese Möglichkeiten nicht geben würde.

Arztdiagnose per Videocall

In den sozialen Netzwerken liest man in diesen Tagen auch immer wieder wunderschöne Geschichten. Zum Beispiel von Freunden, die sich per Videokonferenz zum Spieleabend treffen. Oder von Omas, die ihren Enkeln via Facetime und Skype Gutenachtgeschichten erzählen.

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Auch andere Aspekte der Digitalisierung werden plötzlich in den Fokus gerückt: Beispielsweise wird das bisherige Erfolgsmodell des überfüllten Wartezimmers infrage gestellt. Schnelle Diagnose vom Arzt per Videocall? In vielen Fällen vermutlich völlig ausreichend.

Und plötzlich (dass wir das noch erleben dürfen!) ruft selbst Deutschland, das Bargeldland Nummer eins, zum kontaktlosen Bezahlen an der Kasse auf.

Sogar die Kanzlerin regiert per Internet

Erst vor wenigen Wochen sah das alles noch ein bisschen anders aus: Da war das Internet noch ein Generationenkonflikt. Etwas, das man “nicht an jeder Milchkanne” brauchte. Eine schöne Spielerei, ein nettes Add-on fürs Leben – alles, aber nicht lebensnotwendig.

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Auch in der Politik wurde das Thema zuletzt sträflich vernachlässigt. Wie mit der digitalen Infrastruktur umgegangen wird, treibt Netzexperten seit Jahren die Tränen in die Augen.

Die Denkweise könnte sich inzwischen geändert haben. Selbst die Kanzlerin (“Das Internet ist für uns alle Neuland”) regiert inzwischen per Videoschalte. Und sogar dem konservativsten Internetverweigerer dürfte inzwischen klar geworden sein, wie wichtig die digitale Vernetzung ist.

Bringt Corona eine digitalere Gesellschaft?

Was könnte das für die Zukunft bedeuten? Vielleicht mehr Homeoffice für Arbeitnehmer. Vielleicht digitalen Unterricht in Schulen. All die Zweifler können jetzt jedenfalls nicht mehr behaupten, dass das nicht ginge.

Vielleicht aber bringt die Erkenntnis auch den dringend erforderlichen Ausbau der digitalen Infrastruktur, bei dem Deutschland noch immer vielen anderen europäischen Ländern hinterherhinkt.

Nein, Corona wird nicht viel Gutes hinterlassen. Aber wenn doch, dann sicherlich eine digitalere Gesellschaft.

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